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Adieu, «MTV Home»: Ein Kultformat geht dahin

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Goodbye, tschau tschau, auf Wiedersehen… Am Freitagabend lief die letzte «MTV Home»-Ausgabe im deutschen Free-TV.

«MTV Home» * 12.06.2009, † 11.03.2011

Nach genau 88 Ausgaben und fast zwei Jahren Sendezeit verabschiedete sich «MTV Home» am Freitagabend von seinen Free-TV-Zuschauern. Quotenmeter.de wirft einen Blick zurück und erklärt, wie das Projekt «MTV Home» im Jahr 2009 startete, und schließlich im Jahr 2011 zu Ende geführt wurde.

«MTV Home» startete am 12. Juni 2009 als Nachfolger der Chartshow «TRL». Zum Klassiker wurde der Untertitel der Show "Die Sendung mit dem Haus", denn der Name war Programm: Das Studio war eingerichtet wie das Wohnzimmer einer typischen WG; von Couch, Kommode und Kühlschrank bis hin zum obligatorischen HD-Fernseher mit Aquarium-Dauerrotation war alles vorhanden. Das Konzept der Sendung: Man empfing prominente Gäste und einen Musikact pro Show. Der Rest der Sendezeit wird amüsanten Einspielfilme bestritten.

Was simpel und wenig innovativ klingt, war allerdings einzigartig und extrem unterhaltsam: Alle Gäste mussten zunächst an der Haustür klingeln, bevor sie hereingelassen wurden. Anschließend wurden sie von Palina unter dem Lärm der Playback-Hausband der Woche empfangen. Die Gespräche waren interessant, locker und amüsant, da Joko & Klaas es verstanden, ironischen Spitzen gegen Gäste wie Sido, Jürgen Milski oder Daniela Katzenberger zu verteilen. Doch auch die Interviews liefen nicht normal ab: Klaas schlug ab und an vor, mit dem Gast eine zu rauchen, ging dann mit ihm "auf 'ne Kippe" vor die Tür des Studios und führte das Gespräch dort weiter. Andere Promis wurden nur in einer Kiste interviewt, die sich ebenfalls im Studio befand. Joko oder Klaas zogen sich dafür zunächst einen 'Schutzanzug' an und stiegen anschließend zu den Promis, die vermeintlich schon die ganze Zeit darin warteten, in die Kiste. Diese bekamen Joko & Klaas vom ehemaligen «The next Uri Geller»-Kandidaten Farid zugestellt.

Die Einspielfilme waren schließlich das eigentliche Herzstück der Sendung. Da gab es beispielsweise die Rubrik "Zuschauer Cribs", bei der Joko mitten in der Nacht an fremden Wohnungen klingelte, und die schläfrigen Bewohner aufforderte, jetzt und sofort ihre Wohnung zu präsentieren. Jede Woche war man aufs Neue verblüfft, in was für einem Chaos manche Leute doch wohnten – Fremdschämmomente waren da vorprogrammiert. In anderen Kategorien wie "Wenn ich du wäre" oder "Aushalten" lieferten sich Joko & Klaas absurde Rivalitätskämpfe, wie zum Beispiel „Wer hält es länger aus, bei einem WM-Spiel der deutschen Mannschaft nicht zu hinzusehen?“ Der wohl bekannteste Clip ist wahrscheinlich "Porno Ping Pong", der auf YouTube zu einem Dauerbrenner geworden ist: Joko & Klaas gingen in die Erwachsenenabteilung einer Videothek und lasen sich gegenseitig dämliche deutsche Porno-Titel vor. Wer zuerst lachen musste, hatte verloren. Die beiden Moderatoren funktionierten perfekt zusammen, und es machte einfach Spaß zu sehen, wie sie sich in ihrer Hass-Liebe gegenseitig übertrumpften.

Erwähnenswert ist es auch, dass «MTV Home» zunächst einmal gar nicht richtig ernst genommen wurde – sowohl von den Zuschauern als auch von den Moderatoren selbst. Es passiert halt nicht alle Tage, dass eine Fernsehsendung ihr 10-wöchiges Bestehen feiert, geschweige denn ihr eigenes Studio mit einer gigantischen Kissenschlacht versaut. Klaas Heufer-Umlauf, der damals von VIVA zu MTV wechselte (um ironischer weise später wieder indirekt bei VIVA zu landen), Joko Winterscheidt und Palina Rojinski luden anfangs immer freitags um 16.30 Uhr zu sich nach Hause ein. Nur wenige Ausgaben später folgte die Beförderung ins Abendprogramm, was sich bei MTV im Normalfall aus amerikanischen Cartoons und Realityshows, kurzum Fremdproduktionen, zusammensetzte. «MTV Home» gehörte somit zu einer der wenigen Eigenproduktionen, die es in die Primetime schafften und dort auch noch viele Fans antrafen.

Übrigens hatten jene in den Anfangszeiten von «MTV Home» noch die Möglichkeit, das Geschehen live via Internet zu verfolgen. Über einen Live-Stream auf einer extra eingerichteten Internetpräsenz waren die nachmittäglichen Folgen in Echtzeit zu sehen. Für die Kommunikation zwischen Fans und Palina sorgte das soziale Netzwerk Facebook. Damit nahm Palina auch erstmals eine größere Rolle ein, funktionierte die 25-Jährige Show-Assistentin doch anfangs nur als Werbeansagerin. Zwar war der Live-Stream wieder schnell Geschichte – er war von August 2009 bis Oktober 2009 abrufbar – doch MTV bemühte sich auch danach stets darum, sie mehr in die Show einzubauen. In ihrer eigenen Rubrik "99 Dinge, die jeder Mann in seinem Leben getan haben sollte" musste sie diverse Aufgaben erledigen, wie C-Promis anbaggern oder nackt durch die Stadt flitzen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie es zur Einstellung von «MTV Home» kam und welche Überraschungen die letzte Ausgabe bereit hielt.

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