Sonntagsfragen

Sonntagsfragen an Ulrich Brock und Otto Steiner (Teil II)

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Die Geschäftsführer von Constantin Entertainment sprachen mit Manuel Weis über die Ermittler-Formate «Lenßen & Partner» und «K 11» sowie über die Zukunft der Sat.1-Show «Clever».

Produzenten sprechen immer noch vom Comeback der Talkshow – und das schon seit einigen Jahren. In Deutschland ist das 2008 gescheitert – RTL hatte sich an einem Format probiert. Courtshows gelten ja als Weiterentwicklung von Talkshows – haben Sie da in diesem Bereich etwas Neues in der Schublade?
Brock: Ich folge dieser Interpretation nicht. Courtshows sind keine Weiterentwicklung von Talkshows. Die Gemeinsamkeiten beider Genres liegen für mich eher in ihrer Programmierung, in ihrer Frequenz und vielleicht noch in ihrem Budgetrahmen. Ob ein Genre oder ein Programm, egal ob Court- oder Talkshow erfolgreich ist, steht und fällt meiner Einschätzung nach zu großen Teilen mit der Akzeptanz der Protagonisten. Nehmen Sie Hold, Salesch, Zwegat oder Rach – das sind Personen, die auf Grund ihrer Persönlichkeit und ihrer Kompetenz beim Publikum authentisch und glaubhaft ankommen. Man muss sich neben der Entwicklung des Konzepts, vor allem auch Gedanken über die Köpfe machen, die diese Formate präsentieren. Wenn man diese Protagonisten hat und ein geeignetes Konzept mit ihnen entwickelt hat, wird es sicher eine Renaissance der Talkshows in Deutschland geben.

Haben Sie also ein Konzept in der Schublade?

Brock: Ja, haben wir.

Hat Deutschland in diesem Bereich ein Moderatoren-Problem?

Brock: Nicht unbedingt ein Problem. Aber es ist schwer, charismatische Persönlichkeiten zu finden, die das Publikum überzeugen. Wir haben in diesem Zusammenhang schon erste Gespräche geführt und planen konkrete Pilotierungen. Wir arbeiten derzeit noch genauer am Konzept und werden die Formate in Kürze den Sendern vorstellen.

Ein Sorgenkind haben Sie im Vorabendprogramm von Sat.1: «Lenßen & Partner» und «K 11» sind mittlerweile ein gutes Stück vom Senderschnitt entfernt. Liegt das nur am neuen Sendeplatz?

Brock: Beide Formate wurden im Oktober 2008 umprogrammiert. Vor dem Sendeplatzwechsel holten im Oktober «Lenßen & Partner» auf dem 18.00 Uhr-Slot 14,4 Prozent in der Zielgruppe, «K 11» um 18.30 Uhr im Schnitt 14,6 Prozent. Bis heute erreichten die beiden von Sat.1 eigenproduzierten Programme «Das Sat.1-Magazin» um 18.00 Uhr mit 11,3 Prozent und «Anna und die Liebe» um 18.30 Uhr mit 10,6 Prozent diese Werte bei Weitem nicht. Auch unter Audienceflow – Gesichtspunkten müsste unserer Einschätzung nach Sat.1 den Fehler, den sie mit dieser Umprogrammierung gemacht haben, eigentlich schnellst möglich korrigieren. Die Fakten sprechen für sich.

Auch in der Primetime war «K 11» kein Erfolg. Hier muss man nicht mit einer Fortsetzung rechnen, nehme ich an.

Brock: Bezüglich des Erfolgs von «K 11» in der Primetime muss ich Ihnen widersprechen. Außer einiger weniger Spieltage in der Champions League war «K 11» das erfolgreichste Format, das während des gesamten Jahres 2008 mittwochs um 22.15 Uhr bei Sat.1 gezeigt worden ist. Am 3. September 2008 hatten wir sogar mehr als zwölf Prozent – und das ohne große Promotion. Sie sehen, dass bekannte Marken aus dem Vorabend auch in der Primetime reüssieren können. Trotz dieses Erfolges kam es bisher zu keiner weiteren Beauftragung.

Im April zeigen Sie eine neue ProSieben-Show – machen Sie doch einmal Lust auf mehr.

Steiner: In den «Hochzeitscrashern» geht es um drei Comedians, die eine Hochzeitsgesellschaft aufmischen. Sie haben dabei das Brautpaar als Komplizen. Der Brautvater, die Brautmutter, Trauzeugen und viele mehr werden in einzelnen Geschichten hereingelegt. Das ist wirklich ein Riesen-Spaß.

Eine weitere Show wird wohl keine Fortsetzung finden. Die «Clever»-Specials haben Ihre Erwartungen wohl nicht erfüllt.

Steiner: «Clever» hat eine jahrelange Erfolgsgeschichte. Wir haben mehr als 90 Folgen gedreht. Zuletzt hatten wir das Problem, dass wir gegen Event-Shows keine Chance hatten. «Clever» ist sauber und gut gemachte Unterhaltung, «Superstar» hatte im Gegenprogramm aber einfach eine höhere Aufmerksamkeit. Unsere Specials starteten auch sehr gut. Die Feuersendung lag oberhalb des Senderschnitts, mit den drei weiteren Folgen hatten wir gegen RTL dann leider keine Chance. «Clever» hat über viele Jahre hinweg treue Dienste erwiesen, da sind wir dankbar. Ich denke momentan aber nicht, dass wir noch an weiteren Schrauben drehen können, um die Marke in Sat.1 erfolgreich fortzusetzen.

Also gibt es keine Fortsetzung?

Steiner: Wir führen momentan zumindest keine Gespräche darüber.

Herr Steiner, Herr Brock, vielen Dank für das Interview.


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