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Golden-Globe-Glanz, DGA-Macht & Kritikerliebe: Wer holt sich am Ende den Oscar?

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«One Battle After Another» sammelt Preis um Preis – doch mit «Hamnet», «Marty Supreme» und «Sinners» lauern starke Herausforderer auf den letzten Metern der Award Season.

Die Award Season 2025/26 biegt auf die Zielgerade ein – und selten war das Rennen um die Oscars so offen wie in diesem Jahr. Zwar zeichnen sich nach den bisherigen Preisverleihungen klare Favoriten ab, doch in mehreren Kategorien bleibt Spannung bis zuletzt. Vor allem ein Film hat sich in den vergangenen Wochen in eine aussichtsreiche Pole Position gebracht: «One Battle After Another».

Bereits bei den 78. Directors Guild of America Awards triumphierte Paul Thomas Anderson für «One Battle After Another» – ein Preis, der traditionell als einer der verlässlichsten Oscar-Indikatoren gilt. Wer hier gewinnt, hat statistisch beste Chancen, auch bei der Academy vorne zu liegen. Dass Anderson zusätzlich bei den Critics’ Choice Awards sowohl als bester Regisseur als auch mit seinem Film als Best Picture ausgezeichnet wurde, verstärkt die Favoritenrolle. Auch die National Society of Film Critics kürte «One Battle After Another» zum besten Film des Jahres. In dieser Kritikervereinigung setzte sich das Werk mit deutlichem Vorsprung gegen «Sinners» und «The Secret Agent» durch.

Doch die Konkurrenz ist stark – und teils strategisch gut positioniert. Bei den Golden Globes gewann «Hamnet» den Preis als Best Motion Picture – Drama, während «One Battle After Another» in der Kategorie Musical oder Comedy siegte. Diese Doppelstrategie hat in der Vergangenheit schon öfter Oscar-Duelle vorgezeichnet. Besonders bemerkenswert: Jessie Buckley gewann den Globe als beste Hauptdarstellerin für «Hamnet» und gilt nun als ernsthafte Oscar-Anwärterin. Gleichzeitig punktete Timothée Chalamet mit einem Globe für «Marty Supreme», was ihn im engen Rennen um den besten Hauptdarsteller nach vorne brachte.

Gerade die Schauspielkategorien wirken in diesem Jahr unübersichtlich. Bei den National Society of Film Critics gewann Ethan Hawke für «Blue Moon», während bei den Globes Wagner Moura («The Secret Agent») ausgezeichnet wurde. Die Critics’ Choice Awards wiederum entschieden sich für Timothée Chalamet («Marty Supreme»). Drei unterschiedliche Preisträger bei drei wichtigen Stationen – das spricht für ein offenes Oscar-Rennen. Chalamet dürfte dank seines breiten Branchen-Supports leicht im Vorteil sein, doch Moura profitiert vom internationalen Rückenwind und Hawke von der Kritikerliebe. Michael B. Jordan («Sinners») bleibt ebenfalls im Rennen, auch wenn ihm bislang der ganz große Branchenpreis fehlt.

Bei den Hauptdarstellerinnen scheint sich ein Zweikampf zwischen Jessie Buckley («Hamnet») und Rose Byrne («If I Had Legs I'd Kick You») abzuzeichnen. Während Buckley den Globe gewann, wurde Byrne in der Musical/Comedy-Kategorie ausgezeichnet. Renate Reinsve («Sentimental Value») überzeugte Kritikerjurys, doch ihr fehlt bislang die breite Academy-Dynamik. Emma Stone («Bugonia») wiederum könnte als Produzentin und Darstellerin von der allgemeinen Sichtbarkeit ihres Films profitieren, doch «Bugonia» selbst tauchte bislang bei den großen Kritikerpreisen kaum als Sieger auf.

In der Königskategorie Best Picture deutet vieles auf ein Duell zwischen «One Battle After Another» und «Hamnet» hin. «Sinners» und «The Secret Agent» gelten als ernstzunehmende Außenseiter, vor allem, weil beide Filme starke Einzelkategorien abdecken – etwa Regie und Schauspiel. «Sentimental Value» hat durch Joachim Triers Regienominierung Prestige, dürfte aber eher als Kritikerliebling gelten. «F1», «Frankenstein» oder «Train Dreams» sind zwar prominent produziert, konnten bislang jedoch keine entscheidenden Frühpreise gewinnen. Historisch betrachtet fehlt ihnen damit das Momentum, das oft entscheidend ist.

Spannend bleibt auch die Regiekategorie. Neben Paul Thomas Anderson sind Chloé Zhao («Hamnet»), Josh Safdie («Marty Supreme»), Joachim Trier («Sentimental Value») und Ryan Coogler («Sinners») nominiert. Andersons DGA-Sieg macht ihn klar zum Favoriten, doch die Academy hat in den vergangenen Jahren wiederholt Überraschungen geliefert – insbesondere wenn internationale Stimmen stärker gewichtet wurden.

Ein weiterer Faktor sind die noch ausstehenden Guild-Awards – insbesondere die Producers Guild of America Awards (28. Februar) und die Screen Actors Guild Awards (1. März). Sollten diese ebenfalls «One Battle After Another» oder einen seiner Darsteller bestätigen, wäre das ein starkes Signal. Kippt dort das Stimmungsbild zugunsten von «Hamnet» oder «Marty Supreme», könnte sich das Rennen noch einmal drehen. Doch die Oscar-Geschichte zeigt immer wieder: Die letzten Wochen vor der Abstimmung können alles verändern. Noch sind nicht alle Weichen gestellt – aber die Richtung ist erkennbar.

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