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«Enden – Die Rückkehr»

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Die dritte Staffel von «Enden» nimmt uns mit auf eine wissenschaftliche Grenzerkundung, die klingt wie Fiktion – und doch gerade die Realität von morgen prägt: die mögliche Rückkehr ausgestorbener Arten.

Mit «Enden: Die Rückkehr» knüpfen Undone und das Futurium an ihre vielbeachtete Serie über Artensterben, Klimawandel und eine Welt im ökologischen Ausnahmezustand an – diesmal jedoch mit einem radikal anderen Ansatz: Statt darüber zu sprechen, warum Arten verschwinden, fragt die dritte Staffel, ob wir sie zurückbringen können. Und was das moralisch, technologisch und gesellschaftlich bedeuten würde.

Die neue Staffel führt die Hörerinnen und Hörer mitten hinein in eines der kühnsten, umstrittensten und faszinierendsten Felder moderner Forschung: das sogenannte De-Extinction-Projekt, also die wissenschaftlichen Bestrebungen, ausgestorbene Tiere mit Hilfe von Gentechnik, Genomrekonstruktion und moderner Reproduktionsmedizin wieder auferstehen zu lassen. Das Team um die Reporter Marlen Klaws und Patrick Stegemann begleitet dabei drei sehr unterschiedliche Protagonisten derselben Vision: den Genetik-Pionier George Church, den Ökothinker und Hippie-Ikonen-Veteranen Stewart Brand, und den deutschen Reproduktionsmediziner Thomas Hildebrandt, der in Berlin um die allerletzten Embryonen des Nördlichen Breitmaulnashorns kämpft.

Damit weitet «Enden: Die Rückkehr» seinen Blick aus – von den globalen Krisen der Vergangenheit auf die technologischen Lösungen der Zukunft. Und die Staffel macht von Beginn an klar: Die eigentliche Frage lautet nicht nur können wir ausgestorbene Arten zurückholen, sondern auch sollen wir es tun? Die erste Folge, „Wir sind Götter“, setzt den Ton: Stewart Brand, in den 1960ern visionärer Kopf der US-Hippiebewegung und später Mitbegründer des „Whole Earth Catalog“, verschreibt sich heute einer Idee, die manche für anmaßend, manche für notwendig halten. Für Brand ist Artenrettung nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern ein technologisches Versprechen: Wenn Menschen das Aussterben beschleunigt haben, dann sollten Menschen auch versuchen, es rückgängig zu machen. Die Erzählung springt zwischen Brands Utopie und der Realität im Berliner Leibniz-Institut, wo Thomas Hildebrandt und sein Team versuchen, mittels im Labor erzeugter Embryonen die letzten beiden lebenden Nördlichen Breitmaulnashörner vor dem biologischen Ende zu bewahren.

Die zweite Folge, „Game of Clones“, führt tief in die Labore von George Church, einer der schillerndsten Persönlichkeiten der Biotechnologie. Church kündigt nicht weniger als eine wissenschaftliche Revolution an: ein Mammut-Hybrid, das bis 2028 in den eisigen Regionen Sibiriens leben könnte. Seine Forschungen wirken wie aus einem Hollywoodfilm – bis die Realität einen überraschenden Schritt näher an die Fantasie rückt: 2024 gelingt Churchs Team bereits die Wiederbelebung einer ausgestorbenen Unterart, des sogenannten Schattenwolfs. Der Podcast zeigt eindrücklich, wie stark Fortschrittsglaube, Wissenschaftsgeschichte und Silicon-Valley-Denken einander befeuern.

Doch «Enden: Die Rückkehr» verfällt nicht in Technikeuphorie. Immer wieder wird die Perspektive verschoben: Wie gehen indigene Gemeinschaften in Sibirien mit der Idee um, dass ein Mammut zurückkehrt? Welche ökologischen Folgekosten hätte die Wiederansiedlung? Und was bedeutet es emotional, ethisch und politisch, wenn Menschen beginnen, in biologische Prozesse einzugreifen, die bislang unumkehrbar schienen? Die Staffel beeindruckt nicht zuletzt durch ihren internationalen Recherchebogen: von Berliner Kliniklaboren bis in die kenianische Savanne, von bostoner Hightech-Schmieden bis in die gefrorenen Böden der Arktis. Die Reporterinnen und Reporter setzen sich mit wissenschaftlichen Visionären ebenso auseinander wie mit Skeptikern, Ethikern und Menschen, die an der Front der Naturschutzarbeit um jeden letzten Organismus kämpfen.

Am Ende steht keine einfache Antwort, sondern ein komplexes Panorama der Möglichkeiten – und Risiken. «Enden: Die Rückkehr» ist damit nicht nur ein Wissenschaftspodcast, sondern ein moralisches Gedankenexperiment, das uns zwingt, darüber nachzudenken, wie weit die Menschheit gehen sollte, um ihre Fehler auszubügeln.


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