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Frisst Streaming das klassische Pay-TV?

von   |  12 Kommentare

Die Pay-TV-Nutzung ist auf dem absteigenden Ast, während der Streamingmarkt weiter wächst. Vor allem die jüngeren Abonnenten sorgen für einen Kulturwandel. Kann das Pay-TV diesen Wandel mitgehen?

Dass lineares Fernsehen stetig an Zuschauern verliert, zeigt sich nicht nur beim täglichen Blick auf die Einschaltquoten und Reichweiten, sondern manifestierte sich zuletzt auch in verschiedenen Studien zum Thema Mediennutzung. Wie ARD und ZDF in einer neuen Onlinestudie herausfanden, entfallen bei den Nutzern ab 14 Jahren täglich 64 Minuten auf das Abrufen von Videos auf YouTube, den Mediatheken und Streamingdiensten. Das ist ein Zuwachs von neun Minuten seit der letzten Erhebung. Bei den Videostreaming-Diensten bleibt Netflix am beliebtesten, 32 Prozent der Menschen nutzen das Angebot mindestens einmal in der Woche. Amazon Prime Video und Disney+ landen hierbei mit 18 beziehungsweise 8 Prozent auf Platz zwei und drei. Die Mediatheken von ARD und ZDF werden von 21 Prozent der Menschen mindestens einmal die Woche genutzt.

Es bleibt also festzuhalten, dass der Markt für Bewegtbildangebote wächst, auch im kostenpflichtigen Bereich. Das hat der Verband der privaten audiovisuellen Medienanbieter (VAUNET) errechnet. Nach VAUNET-Angaben stiegen die Gesamtumsätze von Pay-TV und Paid-VoD in Deutschland im vergangenen Jahr auf ein Gesamtvolumen von 4,2 Milliarden Euro. 2019 betrug das Volumen noch 3,8 Milliarden Euro. Auf der Strecke bleibt in der Entwicklung das klassische Bezahlfernsehen. Wurden 2019 noch 2,4 Milliarden Euro umgesetzt, sank der Umsatz 2020 auf 2,1 Milliarden Euro. Dagegen stieg der Umsatz bei Subscription-Video-on-Demand (SVoD) von 1,2 auf 1,6 Milliarden Euro. Der Grund für den Rückgang des Pay-TVs zeigt sich auch im Nutzungsverhalten der Streamingdienste. Während Sky Ticket laut der Studie „Screens in Motion“ von TV Spielfilm und der GfK auf einen Marktanteil von fünf Prozent kommt, hat auch DAZN diesen Wert erreicht. Zur Erinnerung: Der Sportstreamingdienst hatte Sky zuletzt die Bundesliga-Rechte am Freitag und Sonntag sowie der Champions League abgeluchst – eines der Aushängeschilder des klassischen Pay-TV-Senders Sky. Die Streaming-Könige Netflix und Amazon Prime Video liegen übrigens bei 39 beziehungsweise 38 Prozent, während Disney+ auf zwölf Prozent kommt.

Dementsprechend resümiert VAUNET-Geschäftsführer Frank Giersberg bei ‚MediaLAB‘: „Wachstumstreiber sind die Video-on-Demand-Angebote, die von immer mehr Menschen abonniert und vielfach in Ergänzung zu Pay-TV genutzt werden.“ Die Tendenz ist steigend, denn laut der Studie nutzten 54 Prozent der Befragten ein kostenpflichtiges Streaming-Angebot, zwei Jahre zuvor zahlten mehr als zehn Prozentpunkte weniger für ihre Unterhaltungsangebote (41 Prozent). Bei den unter 30-Jährigen nutzten gar 82 Prozent ein Streaming-Abo. Tendenz steigend, schließlich wird der Markt immer größer und vielfältiger.

Das Fernsehen verliert somit weiter an Bedeutung bei den Zuschauern. Zwar liegt die Nutzungsdauer weiter auf einem hohen Niveau, doch schon bei den unter 30-Jährigen hat das Streaming mit 74 Minuten pro Tag die Nutzung des linearen Fernsehens (60 Minuten pro Tag) überholt. Die Nutzungsdauer beim Streaming lag 2018 insgesamt bei 35 Minuten pro Tag. Zwei Jahre später sind es schon 47 Minuten. Die Nutzungsdauer des Pay-TVs sank laut „Screens in Motion“ von 28 Minuten (2018) auf 20 Minuten (2020). Ein Grund für die Stärke des Streamings dürfte im Ablenkungsrisiko des Second Screens liegen. Die Aufmerksamkeitsquote beim Streaming ist mit 70 Prozent deutlich vor der des klassischen Fernsehens mit 54 Prozent. Ein weiterer Grund ist die einfache Bedienung der Streamingportale, die meist durch eine App in Smart-TVs zugänglich sind, für die es keine zusätzliche Hardware bedarf. Sky versucht mit der kürzlich eingeführten Sky-Q-IP-Box aufzuholen, in der die Pay-TV-Sender sowie 50 Free-TV-Sender und eine Auswahl an Streaming-Apps integriert sind und über einen Breitbandanschluss abgerufen werden können, doch damit lässt sich ein weiteres Problem des Bezahlfernsehens nur bedingt lösen.

Der Streamingkrieg in den USA verlagert sich allmählich auch auf den globalen Markt, denn die einzelnen Streamingdienste der Hollywood-Studios erschweren es den Bezahlsender ihr attraktives Angebot aufrecht zu erhalten. Ein Zurückfahren der Lizenzierung ihrer Inhalte zur Stärkung des eigenen Angebots wird die Folge sein. Sky versucht in dieser Hinsicht vorzusorgen und hat entsprechend mit ViacomCBS und Comcast Verträge abgeschlossen, um die Streamingdienste Paramount+ und Peacock ins Angebot zu integrieren. Ob diese Modelle nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig ohne Zusatzkosten bleiben werden, wird sich zeigen. Das eigentliche Kerngeschäft Pay-TV stärkt dies ohnehin nur bedingt. Dies legt auch eine Studie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) nahe. Die Forscher bezweifeln, dass ein Bundling mit Streaming-Diensten ausreicht, um „Defizite im Kernprodukt zu kompensieren“.

Content und Usability ist der große Vorteil der Streamingdienste, wobei es nicht auf die absolute Masse an Filmen und Serien ankommt, sondern darauf, dass der Nutzer stets das Richtige findet, so die Forscher aus Münster. „Den Schlüssel, um in diesen Bereichen mit den führenden Streaming-Anbietern mithalten zu können beziehungsweise zu ihnen aufzuschließen, sehen wir dabei in einer kundenzentrierten Kultur.“ Mit der Sky-Q-IP-Box zeigt man sich in München durchaus bereit für einen Kulturwandel hin zu einer IP-Verbreitung zu sorgen, doch der Umschwung sei nicht radikal genug. Es erfordere „eine sehr viel grundlegendere Umverteilung der finanziellen Ressourcen“, so die WWU-Forscher. Eine Orientierung an Netflix und Co. sei ebenso wichtig, denn dort werden die Inhalte anders bewertet, zum Beispiel danach, wie viele neue Streaming-Nutzer sie generieren oder wie sehr sie solche Nutzer binden. Inhalte müssten speziell fürs Streaming produziert werden, die dann eventuell linear verlängert werden. „Ein solches Vorgehen würde indes mit Sicherheit erhebliche interne Konflikte in den TV-Häusern bedeuten“, meinen die Forscher.

Für die linearen (Bezahl-)Sender stellt sich die Frage, ob man diesen Kulturwandel mitgehen möchte – oder gar ob man an ihm vorbeikommt. Mit Blick auf die demographische Nutzung der TV- und Streaminginhalte stirbt das lineare Fernsehen früher oder später aus. RTL mit RTL+ als „allumfassendes Medien-Abo“ und ARD und ZDF mit den teils exklusiv für die Mediatheken produzierten Inhalten scheinen die Zeichen der Zeit ebenfalls erkannt zu haben.

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Es gibt 12 Kommentare zum Artikel
Blue7
15.11.2021 13:40 Uhr 1
Naja PayTV via Sky teuer und umständlich in Nutzung. Sky Q Zwang auf linearem Wege. Sky Ticket nicht mit Android TV Geräten streambar u.a. Chromecast mit GoogleTV.

PayTV im Kabelnetz. Vodafone schmeißt immer mehr Sender aus dem Netz zudem gleichen Preis.

Fazit: Streaming ist einfach flexibler. Streambar mit jedem Gerät, monatlich kündbar und preiswerter.
Vittel
15.11.2021 14:19 Uhr 2
Für mich ist die Usability ein sehr wichtiger Punkt.

Am Wochenende habe ich mein D+ Abo reaktiviert, waren zwei, drei Klicks am Handy, dann konnte ich die D+ App auf dem Firestick (TV ginge auch, aber die Fernbedienung vom Firestick ist schön handlich) direkt wieder nutzen. Die Streamingqualität in 4k sieht auch wirklich gut aus, für 2,99€ für den ersten Monat ein faires Angebot.



Im November und Dezember werden wir die für uns interessanten Inhalte ansehen und dann vermutlich mit zwei, drei Klicks wieder kündigen. Mir da längerfristig was ans Bein zu binden, am Ende noch mit extra Hardware und TV-Kabelanschluss, dazu habe ich gar keine Lust mehr.

Für Live-Sportübertragungen mag das noch sinnvoll bzw. notwendig sein. Alles aus der Konserve ist per VOD/IP-Stream und mit monatlicher Kündbarkeit doch vollkommen ausreichend.
tommy.sträubchen
16.11.2021 11:20 Uhr 3
Bin Sky Kunde und kann jedes Jahr mein Abo verlängern und so gelte ich wieder als Neukunden. Das Angebot ist unglaublich gut..Die ganzen Sender Filme Serien sind wirklich gut dann kommt auch der Sport. Ich zahl 33.50 mit HD wenn mann sich etwas genauer beschäftigt findet man gute Pakete wo man auch Nachlasse bekommt. Nichtsdestotrotz Prime und Netflix sind auch on top
kauai
16.11.2021 22:05 Uhr 4
Umständlich finde ich Sky nicht: Receiver anschliessen, Karte einstecken und fertig. Teuer ist es, der Gerätezwang nervt manchmal und die eingeschränkte Streambarkeit ist für viele sicher auch ein Problem. Natürlich ist die Zahl der Partnersender gesunken und dennoch ist das Angebot an aktuellen Serien und Filmen deutlich größer als bei den Streamingdiensten.
Blue7
17.11.2021 11:26 Uhr 5
In der heutigen Zeit ist ein Receiver ein noGo und auch nicht mehr Zeitgemäss. Jeder Anbieter schafft es für alle gängigsten Steaminggeräte ne App anzubieten. Nur Sky weigert sich als einziger weiterhin.

Und warum soll ich dank Sky extra unnötig Strom verblassen (auch im Standby) dank Sky Q, wenn mein Streamingerät im Standby nur paar Watt braucht und alles aber streamt.
Fabian
17.11.2021 11:31 Uhr 6

Du Posting lebt von Übertreibungen. Ein Receiver ist immer noch zeitgemäß, es schauen ja nicht nur junge Leute fernsehen. Ich kenne sogar einige, die die Funktion gerne wahrnehmen, dass sie zuerst Sky starten und dann Netflix etc. öffnen.



Es ist jedoch richtig, dass die fehlende Lösung ein Problem ist. Zusätzlich würde ich eine 6-stellige Tan zuschicken lassen, wenn man Sky woanders schaut.
Blue7
17.11.2021 11:50 Uhr 7
Natürliich gibt es noch genug ältere Menschen die lieber gerne mit ihrem GIGATV/2 oder Sky Q Receiver zappen wollen.

Aber warum sollte ich einen Sky Receiver nutzen, wenn ich auf einem anderen günstigeren Gerät wie fireTV/AndroidTV alles streamen und schauen kann.

Auf dem Sky Q Receiver werden die Livestreams der RTL+ App immer noch exklusiv nicht zur Verfügung gestellt trotz vollem Preis.

Zudem lässt sich die MagentaTV App lässt ja immer noch auf sich warten. Wer die 3.Liga oder Basketball sehen möchte benötigt noch ein extra Gerät zum streamen.

Letzendlich lebt Sky ja davon, den Anwender mit jedem Klick zu überwachen und das Sehverhalten zu tracken.

Nicht ohne Grund werden die Sky Pro/+ Receiver bzgl. Streaming im Januar 22 beschnitten. Via Sat wurden die (Update)-Services für diese Geräte sogar gestern schon abgeschalten.

Mails gingen an die betroffenen raus, dass man kostenlos den Sky Q Receiver bekommen kann (kann aber dann halt keine mehrere Satelliten oder das Protokoll USALS mehr anpeilen trotz Mehrfachtuner der in Deutschland weiterhin deaktiviert ist)

Und lohnt sich deshalb der extreme Preis, die Q Services kosten ja auch noch extra.



Aber du hast Recht es gibt noch genug die Reciever bevorzugen.

Sky bleibt aber weiterhin der einzige Anbieter der sein Streamingangebot (absichtlich) beschneidet. Kein UHD, keine Konten, nicht alle Streaminggeräte verfügbar, weil man fix an Sky Q festhält. Und 2022 dann auch noch Paramount+ Inhalte nur mit Sky Q und Cinema Paket inklusiv.
Sentinel2003
18.11.2021 05:01 Uhr 8




Joar, Gerätezwang ist das richtige Wort!! Habe vor einigen Tagen, wie auch andere Kunden eine mail bekommen, dass ab Ende Januar '22 der alte Receiver, den ich noch habe, stark "beschnitten" wird! D.h., Sky wird dann wohl aus SoD sämtliche Serien entfernen! Damit wollen die jetzt wirklich erreichen, dass zumindest einige Kunden des alten Receiver endlich den Q sich holen.
Blue7
18.11.2021 10:45 Uhr 9
Das ist übrigends die besagte Mail die Sky Pro-Receiver Kunden bekommen

https://forum.digitalfernsehen.de/threads/sky-q-fragen.400378/page-348#post-9474426



Das beste finde ich aber, wenn man den neuen Q Receiver kostenlos getauscht haben möchte kommt der Kunde für Versand von 12,90€ aber selber auf
Sentinel2003
18.11.2021 14:03 Uhr 10
jepp, das nennt man dann eben k o s t e n f r e i e r tausch :grimacing:



Wenn die wirklich denken, dass aufgrund dieser mail jetzt alle kunden mit dem alten receiver tauschen, dann haben die sich gewaltig getäuscht. Ein anderer User sagte mir im Sky Forum, auch er werde den Tausch so weit wie möglich vorraus schieben, bis es nicht mehr geht. Dann sind Wir schon mal 2 mit mir.



Scheiß doch drauf auf die Serien, die es dann Ende Januar nicht mehr geben wird, habe eh kaum Serien über SoD gesehen.

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