111 Millionen Abrufe in den ersten vier Wochen können nicht irren: «Squid Game» ist der erfolgreichste Serien-Neustart bei Netflix. Dennoch sind nicht alle Kritiker vollends überzeugt.
Eigentlich dürfte nach dem Phänomen K-Pop und dem überraschenden Oscar-Gewinner von 2020 «Parasite» niemanden mehr überraschen, dass Pop-Kultur aus Südkorea gut beim Publikum ankommt. Nun hat Netflix trotzdem für eine Überraschung gesorgt und sich dabei sogar selbst verblüfft, wie Ted Sarandos, Co-CEO und Chief Content Officer von Netflix, bei der Code Conference von Vox Media zuletzt zugab: „Wir haben das im Hinblick auf die weltweite Popularität nicht erwartet.“ Gemeint ist natürlich die derzeit bei Netflix äußerst beliebte Serie «Squid Game», die nun laut Angaben des kalifornischen Streamers offiziell die Serie «Bridgerton» als beliebtester Neustart abgelöst hat.
Mit «Squid Game» kehrte Hwang gewissermaßen zu sozialkritischen Erzählungen zurück. Die Serie erzählt die Geschichte einer Gruppe von Teilnehmern, die sich bereit erklären, an einem mysteriösen Überlebensspiel mit einem Gesamtpreis von 45,6 Milliarden Won (rund 33 Millionen Euro) teilzunehmen. Das Spiel umfasst Hunderte von Teilnehmern, die traditionelle Kinderspiele spielen, wer verliert, wird grausam exekutiert. Hwang hatte die Idee zu «Squid Game» auf der Grundlage seiner eigenen wirtschaftlichen Kämpfe in seinem frühen Leben sowie der Klassenunterschiede innerhalb Südkoreas entwickelt. Das Drehbuch verfasste er bereits 2008, damals fand er jedoch kein Produktionsstudio, um die Serie umzusetzen. Erst als Netflix seine internationale Expansion vorantrieb, fand er Zulauf. Netflix bemühte sich vor zwei Jahren um die Serie.
Weniger lobende Wort fand Mike Hale, TV-Kritiker für ‚The New York Times‘. «Squid Game» sei für ihn ein „völlig traditionelles und gründlich vorhersehbares ... Melodrama" mit „auffälligem“, aber „nicht besonders interessantem ... Produktionsdesign und Kostüm“. Er war auch der Meinung, dass der „Vorwand der zeitgenössischen sozialen Relevanz" der Serie ihre „mehr als leicht widerliche“ Gewalt nicht rechtfertigen könne, und hielt ihre Charaktere für „flache Ansammlungen von Familien- und Schlachtfeld-Klischees“. Auch Vincent Henssler vom ‚Spiegel‘ machte die Schwächen der Serie deutlich: „Die viel zitierte Kapitalismuskritik ist zwar über kulturelle Grenzen hinweg verständlich, aber weder besonders subtil noch allzu neu. Die Problematik der wachsenden sozialen Ungleichheit lässt sich global kommunizieren, garantiert jedoch keinen Streaming-Hit. Und stilistisch ist «Squid Game» oft schmal, die Dialoge etwas zu gestelzt, die Protagonisten eindimensional.“ Er fügte aber an, dass man mit dem Betrachten der Spiele über die Schwächen hinwegsehen könne, da die Serie in den besten Momenten „wie ein Fiebertraum“ wirke, der „die Zuschauer mit aller Macht in das dunkle Paralleluniversum einer bisher unbekannten Kindheit zurücksenden“ wolle. Die «Squid Game»-Ästhetik – im Ambiente einer bonbonbunten Teletubbies-Welt (‚Tagesspiegel‘) – berge dazu einen starken, globalen Wiedererkennungswert, so Henssler.

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