Hingeschaut

«Ein Fall für zwei» ist dann auch mal weg...

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Am Freitagabend lief die letzte Folge der jahrzehntealten Krimi-Reihe. Ein Kommentar von Julian Miller.

Bestwerte für «Ein Fall für zwei» (seit 2007)

  1. 26. Januar 2007: 6,81 Mio. (20,4%)
  2. 11. Mai 2012: 5,92 Mio. (21,4%)
  3. 15. März 2013: 5,86 Mio. (18,4%)
  4. 14. Januar 2011: 5,61 Mio. (16,6%)
  5. 29. Juni 2007: 5,48 Mio. (19,7%)
Das ZDF räumt auf: Wie seit längerem bekannt ist, verschwinden «Unser Charly», «Rosa Roth», «Der Landarzt», «Forsthaus Falkenau» und «Kommissar Stolberg» bald aus dem Line-Up oder haben ihren Schwanengesang schon gesungen. Noch vor Verlautbarung dieser Absetzungen wurde im Oktober 2011 bereits das Ende von «Ein Fall für zwei» kommuniziert. Die langjährigen Hauptdarsteller Claus Theo Gärtner und Paul Frielinghaus ließen vernehmen, mit dem 300. Jubiläum die Dienstmarke abzugeben.

Es sind also insbesondere die letzten ZDF-Urgesteine, die ihre Serien entweder auf eigenen Wunsch auf den Weg zur Einstellung bringen oder vom Sender den Stecker gezogen bekommen. Der Landarzt war (mit wechselnder Besetzung) seit 1986 im Dienst, das Vorabends-Forsthaus öffnete ebenfalls Ende der 80er Jahre seine Pforten, während Matula mit wechselnden Partnern seit über drei Jahrzehnten zur besten Sendezeit Verbrechern das Leben schwer macht.

Trotz eines kleinen Reboots vor rund fünf Jahren, in dessen Rahmen an der erzählerischen Geschwindigkeit wie an der Ästhetik von «Ein Fall für Zwei» geschraubt wurde, wirkt das Format zumindest auf ein jüngeres Publikum ein wenig wie Fernsehen aus einer anderen Zeit. Kein Wunder, wenn man mit «CSI», «NCIS» oder «Sherlock» sozialisiert wird. Der Vergleich mit Formaten desselben Genres aus angelsächsischen Ländern lässt «Ein Fall für zwei» freilich altbacken aussehen, wie es auch «Derrick» altbacken aussehen lassen würde, wenn die Serie heute noch liefe.

Dreihundert Fälle sind eine ordentliche Schlagzahl – und ein Beweis, dass ein Format auch über mehrere Jahrzehnte hinweg Anklang beim Publikum finden kann. Doch Zeiten ändern sich und mit ihnen muss sich auch das Fernsehen ändern. Dass das eher Altbackene da keinen Platz mehr hat, mag die Nostalgiker traurig stimmen, aber damit wird man leben müssen. Auch wenn manchen die Wehmut packen mag, dass auch die alteingesessenen Serien wie «Ein Fall für Zwei» einmal zu Ende gehen.

Doch das Konzept hat sich in der Tat überholt: Behäbige Ermittlungsarbeit, eher spannungsarme Fälle, eine innovationslose Dramaturgie – damit sendet man an den Möglichkeiten vorbei, die die Fiction heute hat. Der Ansatz eines Reboots, um die Serie ein wenig zu verjüngen, schien da eher kontraproduktiv, da «Ein Fall für Zwei» dadurch endgültig seinen Charme des Verstaubten verlor. Und einfach schneller zu schneiden, anstatt tiefe Umwälzungen im Konzept auf sich zu nehmen, wirkt eher halbherzig und kann nicht den Effekt haben, sich Zuschauergruppen zu erschließen, die mit dieser Art von Unterhaltung wenig anfangen können.

Und um es positiv zu sehen: Wenn erst nach dreißig Jahren die Luft so weit raus ist, dass man ein Format beendet, wurde bei der Konzipierung wohl einiges richtig gemacht.

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