Interview

Judith Neumann bringt frischen Wind in die Karlsklinik

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Neuzugang bei «Bettys Diagnose»: Ab Ende Februar verstärkt Judith Neumann das Ensemble der ZDF-Vorabendserie.

Ab dem 27. Februar, schon ab dem 30. Januar in der Mediathek, erweitert Judith Neumann das Ensemble der erfolgreichen Krankenhausserie «Bettys Diagnose». Mit ihrem Einstieg als Assistenzärztin Dr. Kim Brand erhält die Aachener Karlsklinik nicht nur ein neues Gesicht, sondern auch eine Figur, die Tempo, Reibung und neue erzählerische Impulse mitbringt. Für aufmerksame Fernsehzuschauerinnen und -zuschauer ist Neumann dabei keine Unbekannte: Zwischen 2015 und 2016 spielte sie in der Vorabendserie «Alles was zählt», hinzu kamen Rollen in Filmen wie «Ich war noch niemals in New York» oder «Miss Merkel». Dennoch beschreibt die Schauspielerin ihre neue Aufgabe trotz fast 15 Jahren Erfahrung in Film, Fernsehen und Theater als etwas Besonderes: „Es ist ein Geschenk, eine Figur mit so vielen Facetten und vermeintlich widersprüchlichen Ambivalenzen zu spielen – so wie wir Menschen sind und wie Frauen im Fernsehen leider viel zu selten gezeigt werden.“

Dr. Kim Brand ist hochintelligent, extrem schnell im Denken und mit einer Präsenz ausgestattet, die man kaum ignorieren kann. Für Judith Neumann war früh klar, dass sie sich dieser Figur nicht allein über Analyse nähern wollte. „Kim Brand denkt extrem schnell, ist hochintelligent und permanent präsent. Für mich war von Anfang an klar: Ich nähere mich der Figur über den Körper. Ich bin sehr intuitiv an die Rolle gegangen und habe sie Stück für Stück im Spiel geschärft – Judith und ‚die Brand‘ haben sich quasi während der Dreharbeiten kennengelernt.“ Besonders beschäftigte sie dabei die Frage, wie sich diese mentale Hochgeschwindigkeit körperlich übersetzen lässt: „Mich hat zunächst die körperliche Frage interessiert: Wie zeigt sich Hochgeschwindigkeit im Kopf im Körper, in Sprache und Haltung? Wie reguliert man sich bewusst herunter, um sozial kompatibel zu bleiben und anderen nicht permanent ins Wort zu fallen? Die Theorie kam später; zunächst ging es um Präsenz, Rhythmus und Kontrolle.“

Diese Geschwindigkeit ist bei Kim Brand jedoch nicht nur Talent, sondern auch Schutz. „Sie hat Strategien entwickelt, um unangreifbar zu wirken, Kontrolle zu behalten und nicht verletzlich zu sein. Ihre Schnelligkeit ist ein Schutzmechanismus: Wer schneller denkt und spricht, kann nicht unterbrochen werden.“ Gerade diese Ambivalenz macht die Figur interessant, denn Brand ist keine klassische Gegenspielerin innerhalb der Serie. „Diese Spannung macht die Rolle für mich besonders spannend: Kim ist keine klassische Antagonistin. Sie wirkt manchmal hart oder egoistisch, ist aber vor allem kompromisslos zielorientiert und lässt sich nicht von zwischenmenschlichen Nebenschauplätzen ablenken.“ Ihre große Leidenschaft gilt der Medizin, die ihr Denken prägt. „Ihre große Leidenschaft für Medizin prägt ihr Denken: logisch, präzise, systematisch – darin ist sie ein Überflieger. Im sozialen Miteinander hingegen stößt sie oft an Grenzen, weil menschliche Konflikte sich nicht logisch lösen lassen.“

Im Klinikalltag treffen bei Kim Brand medizinischer Fachjargon und emotionale Ebenen permanent aufeinander. In der Vorbereitung auf diese Szenen nimmt Neumann beide Seiten gleichermaßen ernst: „In der Vorbereitung nehme ich sowohl die medizinische Präzision als auch die emotionale Ebene ernst. Der Fachjargon gibt Kim Sicherheit und Kontrolle, während ihre Gefühle oft bewusst verborgen bleiben.“ Genau diese Gleichzeitigkeit verleiht der Figur ihre Spannung: „Gerade diese Gleichzeitigkeit macht den Reiz aus: Nach außen hochkonzentriert und souverän, innerlich bewegt etwas, das sie nicht zeigen will.“ Dass Kim Brand darüber hinaus ein Geheimnis mit sich trägt, wird im Verlauf der Staffel eine wichtige Rolle spielen. „Mehr darf ich noch nicht verraten – nur so viel: Ihr Geheimnis bleibt nicht still im Hintergrund, sondern mischt sich irgendwann ziemlich ungefragt in den Klinikalltag ein.“

Obwohl Kim Brands Auftreten polarisiert, versteht Neumann die Figur nicht als karrieregetrieben. „Ich empfinde Brand weniger als karriereorientiert, sondern radikal fokussiert und zutiefst interessiert am Medizinischen. Karriere ist kein Ziel, eher ein Nebeneffekt.“ Konflikte entstehen vor allem dann, wenn Effizienz auf soziale Konventionen trifft: „Besonders deutlich wird das in Momenten, in denen andere noch über Befindlichkeiten diskutieren, während Kim gedanklich längst bei der Diagnose ist. Sie überspringt soziale Rituale, weil sie sie ineffizient findet – was polarisiert.“

Für Judith Neumann ist «Bettys Diagnose» zugleich Rückkehr und Neuanfang. Bereits früher war sie in Episodenrollen Teil der Serie, nun übernimmt sie eine durchgehende Figur. „Ich habe einige bekannte Gesichter wiedergetroffen und mich gefreut – ich denke, es war eine geteilte Freude!“ Der Wechsel eröffnet ihr neue spielerische Möglichkeiten: „Als Episodenrolle hat man eher kurze, prägnante Momente. In einer festen Rolle wiederum hat man die Möglichkeit, die Figur über einen längeren Zeitraum zu entwickeln.“ Gerade als Dr. Kim Brand könne sie nun alles miteinander verbinden: „das lange Entwickeln, die vielen Spielmöglichkeiten, das Humorvolle und das Dramatische.“ Die seit Oktober laufende zwölfte Staffel von Bettys Diagnose umfasst 24 neue Folgen und setzt bewusst auf frische Impulse im Ensemble.

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