Die Kino-Kritiker

«Alien: Covenant»

von   |  2 Kommentare

«Alien: Covenant» zeigt, was passiert, wenn ein fähiger Regisseur stur seinen Kurs einschlagen will, doch Fans und Kritiker im Vorfeld so lautstark Feedback abgeben, dass es sich nicht ignorieren lässt.

Filmfacts «Alien: Covenant»

  • Regie: Ridley Scott
  • Produktion: Ridley Scott, Mark Huffam, Michael Schaefer, David Giler, Walter Hill
  • Drehbuch: John Logan, Dante Harper
  • Story: Jack Paglen, Michael Green
  • Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Carmen Ejogo, Demián Bichir
  • Musik: Jed Kurzel
  • Kamera: Dariusz Wolski
  • Schnitt: Pietro Scalia
  • Laufzeit: 123 Minuten
  • FSK: ab 16 Jahren
Die «Alien»-Saga war jahrzehntelang eine Filmreihe, bei der ein eindeutiger Konsens vorherrschte und dementsprechend Diskussionen über sie weitestgehend zivilisiert abliefen. Selbstredend gab es auch bei der Sci-Fi-Gruselreihe Ausreißer, die den eher schrägen vierten Teil verteidigten oder den actionreicheren «Aliens» dem schaurigen Original vorzogen. Dessen ungeachtet hatte der popkulturelle Diskurs über das 1979 von Ridley Scott aus der Taufe gehobene Franchise eine Besonnenheit aufzuweisen, wie sie den meisten Filmreihen und Fangemeinden fremd ist. Und dann kam «Prometheus – Dunkle Zeichen».

Für manche ist er eine prachtvolle Bilderflut mit packender Action und klugen Ansätzen. Für andere Filmversessene ein unterschätztes, überaus geistreiches Kunstwerk. Und dann ist da die nicht gerade überschaubare Gruppe an Leuten, die «Prometheus» für hanebüchenen Unfug mit schalen, prätentiösen Dialogen halten, in dem sich die Figuren saudumm verhalten und zudem viel zu wenig Alien-Splatter mit den aus den früheren Filmen bekannten, sogenannten Xenomorphs aufweist.

Letztgenannte Publikumsgruppe ist so groß und lautstark, dass sie es tatsächlich vollbracht hat, Ridley Scott vom Kurs abzubringen. Der Regisseur, der seine Kompromisslosigkeit seit Wochen unter Beweis stellt, indem er der Presse gegenüber in harschen Worten die «Alien 5»-Pläne des «Chappie»-Regisseurs Neill Blomkamp verreißt, nahm sich ursprünglich eine lange «Alien»-Prequelsaga vor. Deren zweiter Film sollte tonal und inhaltlich ein direkter «Prometheus»-Nachfolger werden – und erst nach und nach sollte diese neue Filmreihe in «Alien»-Sphären vordringen. Von eben diesem Vorhaben sind nun allerdings nur noch Bruchstücke über. Scotts gegenüber der Presse erwähnte Prequel-Träumereien wurden quantitativ zusammengestutzt. Das «Prometheus»-Sequel greift mit dem Titel «Alien: Covenant» auf die altbekannte Sci-Fi-Horrorreihe zurück. Und wie schon Trailer und Poster verraten: Es wird wieder auf gewohnte Weise gemetzelt …

Gleichwohl ist Ridley Scott noch immer der schwer zu verbiegende Filmemacher Ridley Scott – weshalb er mit «Alien: Covenant» einen kuriosen Hybriden von Film abgeliefert hat, der zu ungefähr gleichen Teilen aus ruhigen «Prometheus»-Momenten von morbider Schönheit und beengenden Phasen blutigen «Alien»-Schreckens besteht. Solch einen Brückenfilm zu verwirklichen, der als Verbindung zwischen zwei Extremen innerhalb einer Filmreihe dient, verlangt vom Publikum ab, sich auf atmosphärische Unebenheiten einzulassen – kann aber in eine faszinierende, komplexe Narrative münden. Jedoch scheinen die Drehbuchautoren John Logan («SPECTRE») und Dante Harper dieser Aufgabe nicht gewachsen zu sein – zumindest wenn man den Schöpfer dieser Zeilen fragt, der übrigens ins "«Prometheus» ist doch gar nicht übel, was habt ihr, bitte?"-Camp fällt.

Das ärgste Problem in «Alien: Covenant» ist, dass die menschlichen Haupt- und Nebenfiguren das Taktikvermögen und die Vorsicht missen lassen, die in «Alien» und «Aliens» geboten werden: Nicht zuletzt dadurch, dass die handelnden Figuren größtenteils nachvollziehbar handeln, sind diese Filme so furchteinflößende Genreklassiker geworden, statt reiner Splatterspaß zu sein. In «Alien: Covenant» hingegen wird achtlos durch die Landschaft eines fremden Planeten gestapft und treudoof schauriges Zeug angestarrt oder gar angefasst, als ginge es hier um einen Streichelzoobesuch und nicht etwa um eine Weltraumexpedition ins Ungewisse. Selbst die unachtsamen Figuren im modernen «Alien»-Abklatsch «Life» zeigten mehr Voraussicht, und leider ist dies nicht der einzige Aspekt an «Alien: Covenant», der wie eine witzlose Parodie der Schwachstellen von «Prometheus» anmutet.

Jene, die heftig gegen Ridley Scotts erstes «Alien»-Prequel schossen, attestieren der rund 125 Millionen Dollar Produktion ein Dialogbuch voller hohlem, aber stocksteif-bedeutungsschwanger vorgetragenem Geschwafel, das (vermeintlich?) kaschieren sollte, wie inkonsistent die thematischen Gedanken in diesem Sci-Fi-Stück durchgezogen wurden. Und zumindest der «Prometheus»-Freund, der diesen Text hier verschuldet hat, würde behaupten, dass der Film so seine Momente hat, wo der ganze Schöpfer-, Aufopferungs-, Rachegott-Komplex etwas graziler hätte angeschnitten werden können. «Alien: Covenant» hat keine derartigen Ausrutscher – jeder längere Dialogmoment mutet wie die zehnfach verstärkte Mutation besagter «Prometheus»-Szenen an.

Vor allem der mittlere Part von «Alien: Covenant» fällt daher in sich zusammen: Die Figuren irren durch einen garstig aussehenden, vor sich ankündigendem Unheil geradezu triefenden (von «Fluch der Karibik»-Kameramann Dariusz Wolski in wuchtig-kalten Bildern eingefangenen) Ort, während der sonst so formidable «Shame»-Hauptdarsteller Michael Fassbender eine Fremdscham-Performance abgibt, die es in sich hat. Spannung? Fehlanzeige! Philosophischer Gehalt? Ebenfalls! Dies ist zum einen dem Holzhammer-Skript zuzuschreiben, das behäbige Metaphorik und gestelzte Wortwahl vereint, obwohl die Situation nach subtil-cleverer Feinfühligkeit schreit. Doch Fassbenders angestrengtes Spiel ist diesem Film ebenso wenig dienlich.

Der Rest des Casts hinterlässt kaum Eindruck – Katherine Waterson übertreibt es etwas mit dem Verletztes-Hündchen-Blick, Komödiendarsteller Danny McBride gefällt in einer gesitteteren, ruhigeren Spielweise seiner üblichen Rollen. Eine wirkliche emotionale Bindung mit den Figuren lässt sich jedoch eh nicht aufbauen, da sich aller «Prometheus»-Ernsthaftigkeit zum Trotz frühzeitig abzeichnet, dass die Alienattacken und Ekeleffekte die wahren Stars des Films sind. Die Trailer mögen zu viele davon verraten, dennoch hat Scott einige weitere, fiese Gewaltspitzen in der Hinterhand, die er mit präzisem Timing aufs Publikum loslässt.

Das morbid-abscheuliche Produktionsdesign ringt der «Alien»-Filmwelt zudem neue Anblicke ab, leider wird der visuelle Aspekt des Films durch manche unfertig anmutende Computeranimationen gehemmt: Ob durch betrübliche Naturlandschaften düsende Raumschiffe oder die hungrige Titelfigur – mehrmals sind die Bewegungsabläufe und die Detailfülle ansehnlich, doch das unterdurchschnittliche Shading und Compositing führen dazu, dass die Illusion zerbricht. Es sieht in diversen Sequenzen schlicht so aus, als wäre da ganz eilig noch ein digitaler Effekt eingefügt worden, um dem Film mehr Spektakel mitzugeben – und das nimmt selbst einem Xenomorph allerhand von seinem Schrecken.

Fazit: Ein Sci-Fi-Philosophie-Horror, dem die (Weisheits-)Zähne gezogen wurden: «Alien: Covenant» ist weder schaurig, noch erhellend.

«Alien: Covenant» ist ab dem 18. Mai 2017 in vielen deutschen Kinos zu sehen.

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Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
Kingsdale
17.05.2017 15:35 Uhr 1
Meckern können sie alle, aber echte Alien-Fans haben darauf gewartet und werden nicht enttäuscht. Ich bin ein Alien-Fan erster Stunde und fand den Übergang von Spannung und dunklen Erscheinungen zum einem Actionspektakel sondergleichen hervorragend, bevor jemand im dritten Film (mal wieder) versuchte den ersten Film zu kopieren einen absoluten Mist vorlegte und Teil 4 nicht der Rede wert war. Die beiden Spin-Off der AvP-Teile waren mehr als gut und Unterschätzt und sehr nah an den Comix. Die Alien-Buch-Reihe die den Ansatz nach Aliens aufnahm sind das beste was es dazu zu lesen gibt, wo ich immer Bedauere, das man die nicht Verfilmt hat. Mit Prometheus wurden Versprechen gemacht die nicht gehalten wurde, aber nun! Jetzt ist das Alien-Franchise wieder da, wo es hingehört! Effekte vom Feinsten, Action on mass und Aliens wie wir sie sehen wollen. Kompromisslos, Blutig, Brutal! Das hier nicht alle Fragen beantwortet werden, war klar, schließlich kommt noch mindestens ein weiterer Film, aber was man in Prometheus sehen wollte und es nicht gab, wird hier geliefert und daher einer der Top-Teile der Reihe!
Sentinel2003
17.05.2017 18:26 Uhr 2
Also sid, den Trailer fand ich schon sehr schaurig....

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