Die Kritiker

«Helen Dorn - Verlorene Mädchen»

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Helen Dorn ist wieder im Einsatz. Dieses Mal muss sie junge Waisenmädchen vor der albanischen Mafia und dubiosen Vormündern schützen. Wie sie sich dabei schlägt, könnt Ihr hier erfahren.

Cast & Crew: «Helen Dorn - Verlorene Mädchen»

  • Buch: Mathias Schnelting
  • Schnitt: Janina Gerkens
  • Kamera: Markus Schott
  • Musik: Wolfram de Marco
  • Regie: Alexander Dierbach
  • Besetzung: Anna Loos, Ernst Stölzner, Hary Prinz, Tara Fischer, Emma Bading, Aglaia Szyszkowitz, Annina Hellenthal, Yasin el Harrouk, Andreas Helgi Schmid
  • Szenenbild: Jerome Latour
  • Redakteur: Daniel Blum, Alexandra Conrad (Assistentin)
Schon seit 2014 ermittelt die resolute Kommissarin Helen Dorn in ganz Nordrhein-Westfalen und löst Fälle, die scheinbar niemand anderes so wirklich anpacken möchte oder lösen kann. Sechs Krimis konnte sie bisher zu soliden Erfolgen im deutschen Fernsehen führen. Dennoch hätten Dorn und ihre Darstellerin Anna Loos sicherlich noch mehr zu bieten, wenn man sie abseits ausgetretener Pfade wandern ließ. Insbesondere die Episode «Velorene Mädchen» macht dies mehr als deutlich.

Das 17-jährige Waisenmädchen Mila (Tara Fischer) lebt in einem Heim, nutzt allerdings jede Chance, um diesem Leben zu entkommen. Dieses wird vor allem von ihrem Vormund Dr. Kurtz (Hary Prinz) bestimmt, der nicht nur ihre Erbschaft verwaltet, sondern Mila auch noch sexuell missbraucht. Kein Wunder also, dass das junge Mädchen dieser Hölle entkommen und ihre kleine Schwester ebenfalls in Sicherheit bringen möchte. Denn der einflussreiche Rechtsanwalt Kurtz hat mittlerweile schon eine Auge auf ihre Schwester geworfen.

Mila möchte zwar flüchten, aber nicht bevor sie und ihre beste Freundin Jasmin (Emma Bading) noch etwas Geld aus dem Anwalt herausgepresst haben. Die Situation eskaliert und die beiden müssen fliehen. Währenddessen ermittelt die Kommissarin Helen Dorn gegen die albanische Drogenmafia. Im Zentrum stehen der im Gefängnis sitzende Mafia-Pate Gogol und ein verstorbener Angehöriger seiner Sippschaft. Trotz ihrer unterschiedlichen Natur, hängen die beiden Fälle miteinander zusammen.

«Helen Dorn» ist voll von Figuren (insbesondere Polizisten), die bedächtig in die Ferne starren und ihre Dialoge abspulen, als hätte man sie geschrieben. Das hat man selbstverständlich, allerdings fehlt diesen Zeilen fast jeder Anstrich von Natürlichkeit. Polizisten, die sich verhalten, wie sich vor allem Polizisten meist im Fernsehen verhalten. Leider gehen damit auch allerhand dazugehörige Klischees einher, welche auch die besten Darsteller schwerlich verkaufen können. Abgesehen von der Hauptfigur, kommen alle Charaktere dementsprechend farblos daher. Dabei sind Kommissarinnen und Kommissare wesentlich reizvoller, wenn sie ein ebenso interessantes Umfeld haben, mit dem sie zusammenspielen können. Anna Loos alias Helen Dorn füllt die Rolle mit müden, verquollenen Augen und mit lässig in die Jackentaschen gesteckten Händen überzeugend aus, allerdings gibt man auch ihr nicht viel Arbeit, die darüber hinaus geht. Selbst die gespannte Beziehung zum Vater wirkt etwas aufgesetzt und hilft nur wenig, um ihr charakterliche Tiefe zu verleihen.



Drogenrazzien, wodurch den Vorgesetzten und Spezial-Fahndern die Jagd nach dem sogenannten „großen Fisch“ versaut wird. Eine rebellische und widerspenstige Helen Dorn, die eben diesen Vorgesetzten verbal den Mittelfinger zeigt. Interne Kämpfe innerhalb der Polizei und Verdächtige, die sich auf möglichst nervtötende und arrogante Weise für cleverer halten als die Polizei. Wir, die Zuschauer, kennen alle diese Szenarien und Versatzstücke und «Helen Dorn» tut nichts, um von diesen bekannten Verhaltensmustern abzuweichen.

Auch die beiden Plots können nicht wirklich überzeugen. Sexueller Missbrauch, wie er hier dargestellt wird, hätte schon für sich allein genommen, genug Stoff für einen Krimi geboten. Stattdessen nimmt Drehbuchautor Mathias Schnelting einen recht generischen Handlungsstrang um Machtkämpfe innerhalb der albanischen Mafia hinzu und stellt eine ungelenke Verbindung her. Der Missbrauch bleibt mehr oder weniger ohne psychologische Konsequenz für die junge Mila, auch wenn die Darstellerin Tara Fischer dem Mädchen Emotionen einverleibt, die nicht auf dem Papier, im Charakter oder in ihrer Handlungsweise zu finden sind. Die Folgen des Missbrauchs möchte hier niemand erforschen, oder vielleicht steht auch einfach das Werkzeug nicht zur Verfügung, um sich in solche Untiefen zu begeben. Stattdessen wird Milas Geschichte als Plotpoint genutzt, der möglichst viel Dramatik für die Tätersuche und Mafia-Jagd erzeugen soll. Alles andere wäre sicher interessanter, ehrlicher und tagesaktueller gewesen.

Fazit: Spannung möchte in diesem Krimi-Drama keine aufkommen. Die Figuren sind schablonenhaft gezeichnet und werden sowohl einschläfernd als auch leidenschaftslos gespielt. Die Inszenierung bleibt behäbig und fällt weder positiv noch negativ auf. Ein Krimi, der durch nichts Besonderes hervor sticht und interessante wie wichtige Themen links liegen lässt.

Das ZDF zeigt «Helen Dorn: Verlorene Mädchen» am Samstag, 8. April um 20.15 Uhr.

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