Die Kritiker

«Crime Scene Riviera»

von   |  1 Kommentar

Sat.1 erweitert sein Crime-Portfolio am Montagabend mit einer französischen Serie. Zu den bisherigen Krimi-Importen des Senders passt «Crime Scene Riviera» hervorragend - im guten Sinne wie im schlechten.

Las Vegas, Miami und New York waren als Spielorte der auch in Deutschland bei VOX und RTL sehr erfolgreichen «CSI»-Serien nicht zufällig gewählt: Alle drei Städte sind Jahr um Jahr Reiseziel zahlloser Touristen aus der ganzen Welt, bekannt als kosmopolite Metropolen, Zentren der Macht und romantische Sehnsuchtsorte zugleich. In New York pulsiert das Leben, in Las Vegas die symbiotisch-parasitäre Verbindung aus Lebensfreude und Ausschweifung, während Horatio Crane nirgendwo so schön theatralisch seine Sonnenbrille abnehmen könnte wie im sonnig-tropisch-wunderschönen Miami.

Für seine populäre Serie «Section de recherches» hat sich der ausstrahlende französische Privatsender TF1 2013 für einen Tapetenwechsel entschieden: Vom zwar warmen, aber nicht selten eher trüben und verregneten Bordeaux im Südwesten des Landes unweit der Atlantikküste verlegte man den Spielort ins sonnigere Nizza ans Mittelmeer, die in Deutschland titelgebende «Crime Scene Riviera». Dass Sat.1 die Ausstrahlung mit der achten Staffel beginnt und die vorherigen sieben in Bordeaux spielenden unter den Tisch fallen lässt, dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass man sich vom attraktiveren Spielort Côte d’Azur einen höheren Zuschauerzuspruch verspricht. Ungeachtet dessen, dass die 2006 in Frankreich produzierten ersten Folgen der Serie im schnelllebigen Fernsehgeschäft mittlerweile tatsächlich etwas veraltet wirken dürften.

Dramaturgisch unterfüttern die Autoren den Ortswechsel mit einem kleinen Trauma der Hauptfigur Martin Bernier (Xavier Deluc), der in Nizza als Oberkommissar im Morddezernat neu anfängt, nachdem sich ein Teammitglied aus seiner alten Einheit in Bordeaux als Serienmörder entpuppt hatte. Auch seine ehemalige Kollegin Nadia Angeli (Chrystelle Labaude) hat das ziemlich mitgenommen: Sie hat – trotz großer Begabung – ihren Beruf als Kriminaltechnikerin eigentlich schon hingeschmissen und stellt stattdessen im Hinterland von Nizza Olivenöl her. Bis sie, in der ersten von Sat.1 gezeigten Folge, zusammen mit Martin Bernier in einen Mordfall stolpert, bevor der überhaupt seinen Dienst angetreten hat.

Auf dem Weg in Angelis Olivenhaine fährt Bernier ein Wagen mit einem lebensbedrohlich angeschossenen Fahrer entgegen. Das Auto kracht eine Schlucht hinab, doch im letzten Moment vor dem Absturz konnte Bernier noch ein Baby aus dem Wrack befreien. Als die Frau des Toten am Tatort eintrifft, erklärt sie den genauso verdutzten Ermittlern, dass sie gar kein Kind hat. Der Mann hatte eine Affäre – bei weitem nicht sein einziges Geheimnis.

Bernier, Angeli und ihre neuen Kollegen vom Morddezernat Nizza ermitteln sich daraufhin durch die Abgründe an der Côte d’Azur, die sich von Folge zu Folge nur marginal unterscheiden: windige Geschäftsleute, Geldsorgen, schöne Fassaden und dahinter jede Menge Traurigkeit, schöner Schein, hässliche Substanz, große Villen, einsame Menschen. Merke: Die Schönen und Reichen an der französischen Riviera haben im Kern dieselben Probleme wie wir, aber wenigstens ist es schön warm.

Die «Crime Scene Riviera» erzählt den amerikanischen Crime-Formaten, die Sat.1 bereits seit vielen Jahren im Portfolio hat, nicht unähnlich: Schnelle, dynamische Plots, durchgespielt mit einfach strukturierten, oberflächlichen wie austauschbaren Charakteren und formelhaften Stoffen. Die Serie will – nicht unähnlich dem eingangs erwähnten «CSI»-Franchise – ihren Reiz eher aus einem Feeling denn aus ihren Geschichten beziehen, vor der Kulisse eines positiv besetzten Urlaubs- und Sehnsuchtsorts, vorzugsweise in attraktiven Milieus mit wohlhabenden Protagonisten angesiedelt, die trotz ihrer wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Entfernung vom Durchschnittszuschauer großes Identifikationspotential ausstrahlen sollen.

«Crime Scene Riviera» ist weder schlecht erzählt noch schlecht gespielt. Mäßig spannend, aber nicht fahrig; oberflächlich, aber nicht unangenehm plump. In einem Wort: Dutzendware. Nur eben, wie zuvor schon mit «Profiling Paris» erprobt, einmal französische statt amerikanischer. Keine maßgebliche Bereicherung des deutschen Fernsehens – aber eine durchaus sinnige und stimmige Ergänzung des Sat.1-Crime-Portfolios.

Sat.1 zeigt «Crime Scene Riviera» beginnend mit der achten Staffel montags ab dem 29. August um 20.15 Uhr in Doppelfolgen.

Kurz-URL: qmde.de/87728
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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Sentinel2003
27.08.2016 15:00 Uhr 1
Scheint ja echt viel Frauenpower zu haben die Serie! :-)

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