Popcorn & Rollenwechsel

Sogar Hollywood wird müde

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Fortsetzungen und Filmuniversen wohin das Auge blickt. Aber selbst aus Hollywood kommen Stimmen, die sich gegen diese Flut aussprechen.

Hollywood ist eine Franchise-Maschine, die keine Grenzen kennt. Das weiß doch jeder. Und es zeigt sich förmlich Woche für Woche. Neustes Beispiel: Der in den 90ern kurzzeitig bei Teenagern populäre Comedian Pauly Shore teilte via 'Variety' mit, an einer Fortsetzung der Komödie «Steinzeit Junior» zu arbeiten. Er selber hätte riesige Lust darauf, seinen Hit aus dem Jahr 1992 weiterzuerzählen, und Drehbuchautor Shawn Schepps sei bereits auf eine Storyidee gestoßen. Trotzdem: Es ist ein wirklich abstruser Gedanke, der beweist, dass der Lockenkopf nicht mehr am Puls der Zeit liegt. Erstens, weil nach über 20 Jahren Wartezeit wohl kaum mehr ein Hahn nach einem Sequel zu der Jugendkomödie mit Shore, Sean Astin und Brendan Fraser krähen wird, da das Original kein solcher Kult wurde wie etwa «Ghostbusters». Und zweitens, weil simple Fortsetzungen doch längst Schnee von gestern sind.

Der jüngste Trend in Hollywood, lieber Pauly, sind doch Filmuniversen im «Avengers»-Stil. Neben Franchises über die Marvel-Helden und DC-Comics-Figuren sind derzeit auch Konstrukte rund um die Ritter der Tafelrunde, Universals klassische Riege an Filmmonstern und Robin Hood sowie seine Gehilfen in Arbeit. Kurzum: Eine mehrteilige Filmreihe ist einfach ein Muss, im Idealfall in Form eines sogenannten Cinematic Universe. Und nur, wenn das aus irgendeinem Grund nicht hinhaut, gibt es halt wenigstens eine Fortsetzung. Drunter geht es nicht …

Oder doch? Die Gier nach Fortsetzungen, Filmuniversen und ähnlichem Firlefanz erfährt selbst aus franchisefreundlichen Reigen Gegenwind. So sprach sich vor kurzer Zeit James Gunn, Regisseur des Marvel-Riesenerfolgs «Guardians of the Galaxy», gegen die Flut an Plänen für weitere Kinouniversen aus: „Studiobosse, Produzenten und sogar manche Regisseure achten nur noch auf ein großes Gesamtziel, statt sich zunächst allein auf die Aufgabe zu stürzen, die direkt vor ihnen liegt: Einen tollen Film zu machen.“ Weiter erklärt er, dass solche Franchises ihre Daseinsberechtigung haben, wenn sie nach einem verdienten Erfolg vorsichtig entwickelt werden. Falsch sei es aber, von Beginn an ein Cinematic Universe zu forcieren. Er fordert seine Kollegen daher auf: „Denkt etwas experimenteller, wartet einfach, was funktioniert.“

Offenbar teilen Disneys Studiochefs diese Mentalität. Denn während Sony Pictures aus «Robin Hood» nach eigenen Aussagen ein im «Avengers»-Stil erzähltes Franchise mit einem Tonfall zwischen «Mission: Impossible» und «Fast & Furious» spinnen will, legt das Maushaus nun mit einem etwas harmloseren Plan nach. Wie der US-Medienblog 'Deadline' in Erfahrung brachte, erwarb das Studio ein «Robin Hood»-Treatment des Newcomers Brandon Baker. Dieses soll einen ähnlichen Tonfall wie «Fluch der Karibik» aufweisen und temporeich, etwas rau, aber auch modern-launig einen neuen Blick auf den gutherzigen Dieb werfen. Im Falle eines Kassenerfolgs hofft Disney, Fortsetzungen produzieren zu können. Von Einzelfilmen für jedes Mitglied in Robin Hoods Bande ist dagegen nicht die Rede. Also können wir den Gedanken eines „Disney's Robin Hood Cinematic Universe“ wohl abschreiben.

Und dies ist nicht die einzige Ankündigung der jüngsten Vergangenheit, die der Franchise-Maschinerie ein wenig Sand ins Getriebe streut. Nachdem Roland Emmerich sich 2013 noch dagegen aussprach, «Independence Day 2 & 3» in einem Rutsch zu verwirklichen, wurden zu Beginn dieses Jahr gegenteilige Aussagen getroffen: Beide Filme würden zusammen gedreht, ganz im Stile von «Matrix Reloaded» und «Matrix Revolutions». Nun aber paddeln die Produzenten wieder zurück. Vorerst erhält der Sci-Fi-Actionklassiker «Independence Day» nur ein einzelnes Sequel. In den Worten des Produzenten Dean Devlin: „Wir haben uns entschieden, erst einmal nur einen Film zu drehen, um sicherzustellen, dass das Publikum ihn so sehr lieben wird wie den ersten. […] Ich glaube, wir hatten einen Anflug von Arroganz, als wir dachten, wir könnten zwei Fortsetzungen in Angriff nehmen.“

Tja, Jennifer Kent, die Regisseurin des laut umjubelten Horrorfilms «The Babadook», übertrifft das aber noch. Sie enthüllte gegenüber 'IGN', dass sie Vorkehrungen getroffen hat, um eine Fortsetzung ihres finsteren Debütfilms zu verhindern: „Ich hatte die Voraussicht, meinem Produzenten und mir die Rechte für Sequels zu sichern. Denn wir würden es niemals sehen wollen, dass jemand eine Fortsetzung macht, dafür ist dieser Film einfach nicht geeignet. Egal, wie viel Geld man mir hinterherwirft, es wird niemals geschehen!“

Es gibt sie also noch. Diejenigen, die abwägen, ob es sich lohnt, aus einem Einzelfilm ein Franchise zu formen …

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