Popcorn & Rollenwechsel

Digitaler Ersatz

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Der Regisseur hinter «Die Tribute von Panem – Mockingjay» dementiert die Berichte, laut denen Philip Seymour Hoffman in dem Film teilweise durch Computeranimationen ersetzt wurde. Eine gute Sache!

Manchmal sind die einfachsten Lösungen die besten: Nachdem der großartige Philip Seymour Hoffman viel zu früh von uns gegangen ist, sahen sich die Verantwortlichen von «Die Tribute von Panem – Mockingjay» gezwungen, an der Produktion zu feilen. Ursprüngliche Medienberichte besagten, dass der Oscar-Preisträger in den Sequenzen, die er noch für die «Panem»-Reihe drehen musste, durch eine Kombination aus Archivmaterial und Computeranimation neu zum Leben erweckt werden soll. Nun aber dementiert Regisseur Francis Lawrence diese Berichte.

Wie Lawrence das Problem der zwei noch ausstehenden, wichtigen Sequenzen Hoffmans anpackte? Im Gespräch mit der Huffington Post erklärte er: „[Hoffman] hatte noch zwei Dialogszenen zu filmen, und wir entschieden, dass wir bei ihm auf keinerlei digitale Trickserei zurückgreifen wollen. Also haben wir seine Szenen umgeschrieben und seine Zeilen anderen Darstellern gegeben.“ Der Grund, weshalb Lawrence vor einem computeranimierten Double zurückschreckte, sei naheliegend: „Er war für mich einer der größten Schauspieler aller Zeiten, und ich finde, es wäre katastrophal gewesen, eine Philip-Seymour-Hoffman-Darbietung zu fälschen.“

Ein schlichter, effizienter Kniff, und meiner Meinung nach genau der richtige. Und das exakte Gegenteil von dem, was James Wan bei «Fast & Furious 7» veranstaltet. Die Berichte über die Bemühungen, die hinter den Kulissen des Actioners getätigt wurden, um den verstorbenen Paul Walker zu ersetzen, dürften längst ein ganzes Buch füllen. Stuntdoubles, Walkers Brüder, altes (ursprünglich verworfenes) Filmmaterial des Schauspielers und Tonnen von Computereffekten sollen angeblich verwendet werden, um Walkers Figur auch in Szenen agieren lassen zu können, die er aufgrund seines frühen Todes nicht selber drehen konnte.

Gewiss, Ridley Scott bewies bei «Gladiator», dass so etwas funktioniert. Jedoch nutzen Scott und sein Effektteam schlicht ein Double sowie Referenzmaterial aus bereits fertig gedrehten Sequenzen, um insgesamt zwei neue Filmminuten mit dem während des Drehs verstorbenen Oliver Reed zu ertricksen. Noch dazu ist Reeds Computerdouble nur in schwach beleuchteten Szenen zu sehen, was die sehr gut Effektarbeit vertuscht. Den Berichten nach zu urteilen fehlt der «Fast & Furious 7»-Crew aber diese Bescheidenheit.

Doch mit jeder zusätzlichen Filmminute, die das Frankenstein-Monster aus diversen digitalen Kniffen zu sehen ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Illusion auffliegt. Und dann könnte aus dem ambitionierten Tribut an Walker ganz rasch eine Anmaßung werden – der Eindruck, die «Fast & Furious 7» wären davon überzeugt, Walkers Figur Brian O’Conner auch ohne ihn aufrecht erhalten zu können. Natürlich haben James Wan und seine Kollegen hehre Absichten, trotzdem wird mir bei all den groß tönenden Berichten über die Walker-Ersatzmaßnahmen bang ums fertige Produkt.

Da haben sich die «Die Tribute von Panem» mit ihrem Ansatz bei mir deutlich mehr Vertrauen erarbeitet. Und ab dem 20. November 2014 zeigt sich in deutschen Kinos, ob mein Vertrauen gerechtfertigt war.

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