Die Kino-Kritiker

«Der unglaubliche Burt Wonderstone»

von

Burt Wonderstone ist der erfolgreichste Magier unter der Sonne – bis seine Tricks niemand mehr sehen will.

Filmfacts «Der unglaubliche Burt Wonderstone»

  • Kinostart: 4. April 2013
  • Genre: Komödie
  • Laufzeit: 100 Min.
  • FSK: 12
  • Kamera: Matthew Clark
  • Musik: Lyle Workman
  • Autor: Jonathan M. Goldstein, John Francis Daley
  • Regie: Don Scardino
  • Darsteller: Steve Carell, Steve Buscemi, Jim Carrey, Olivia Wilde, James Gandolfini, Alan Arkin, Michael „Bully“ Herbig
  • OT: The Incredible Burt Wonderstone (USA 2013)
Denken wir an Las Vegas und Magier, kommen uns Namen wie Siegfried und Roy oder David Copperfield in den Sinn. Erstere machten vor allem durch ihre Zaubernummern mit den Weißen Tigern von sich reden, während Copperfield durch die Chinesische Mauer ging und sich das deutsche Topmodel Claudia Schiffer zur Frau machte.

Aber irgendwann ziehen die einst spektakulären Tricks von früher nicht mehr. Junge, frische und dynamische Illusionisten wie der Niederländer Hans Klok liefen den alten Hasen den Rang ab. Beim jüngeren Publikum verbuchte der Extremkünstler Criss Angel mit seiner MTV-Show «Mindfreak» und fragwürdigen Darbietungen große Erfolge. Diese magische Welt macht sich Don Scardino in seinem Spielfilmdebüt zu eigen und parodiert genüsslich die großen Stars. Doch schaut man genau hin entpuppt sich das Szenario als fauler Zauber.

Die Zauberkünstler-Superstars Burt Wonderstone (Steve Carell) und Anton Marvelton (Steve Buscemi) beherrschen Las Vegas seit Jahren und scheffeln Millionen, wobei der bombastische Aufwand ihrer zelebrierten Illusionen sehr genau Burts ständig expandierendem Ego entspricht. Aktuell besteht das größte Täuschungsmanöver der beiden allerdings darin, dem Publikum ihre unverbrüchliche Freundschaft vorzugaukeln, denn privat können sie einander schon längst nicht mehr ausstehen.

Ihr Problem ist vor allem der unkonventionelle Straßenzauberer Steve Gray (Jim Carrey): Er schart eine wachsende Kultgemeinde um sich, indem er derart extravagante Tricks präsentiert, dass selbst die Show der Stars dagegen verblasst. Eine letzte Chance bekommen Burt und Anton allerdings noch, um ihre Teamarbeit professionell und privat auf Vordermann zu bringen. Doch dazu müsste Burt sich auf das besinnen, was ihn ursprünglich für die Zauberei begeistert hat.

Steve Carell («Wie beim ersten Mal», «Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt») mit Vokuhila-Matte und Glitzeranzug. Neben ihm Steve Buscemi («On the Road», «Rampart»), mit einer halbwegs akzeptablen Frisur, aber ebenfalls im glitzernden Outfit. Schön ist der Anblick der beiden Magier wirklich nicht. Spätestens, wenn dann noch der 1980er Jahre-Hit „Abracadabra“ von der Steve Miller Band ertönt, ist Fremdschämen angesagt. Drei Tricks, die sich anfangs gehörig in die Länge ziehen, dürfen die beiden aufführen. Erst danach kommt die Geschichte in Fahrt.

Es ist die Erzählung über zwei Freunde, die lange Zeit erfolgreich zaubern, dann aber durch jüngere Entertainer mit neuen Ideen immer weiter an den Rand gedrängt werden. Dadurch wird die Freundschaft auf die Probe gestellt und letztlich hört sie beim Geld auf. So schillernd das Showgeschäft auch sein mag, müssen Burt und Anton erkennen, dass die Realität oftmals gänzlich anders aussehen kann.

Scardino nutzt das Szenario für eine altbekannte Geschichte, deren Ende gleich von Beginn an feststeht. Hier stehen Liebe, Erfolg, Freundschaft und die Treue zu sich selbst im Vordergrund. Die teils wirklich lustige Rahmenhandlung dient letztlich nur als Mittel zum Zweck. Doch die seichte Komödie hält immer wieder Szenen bereit, die die richtigen Magier parodieren. Jim Carrey («Mr. Poppers Pinguine») stellt als Steve Gray mit seinen langen, gefärbten Haaren das Pendant zu Criss Angel dar. Mit seiner brutalen und ekeligen Straßenzauberei zieht er die Menschen in den Bann, stößt bei den klassischen Illusionisten allerdings auf Unverständnis. Die schöne Olivia Wilde («In Time», «Cowboys & Aliens») spielt die immerzu lächelnde Assistentin, der ihr Job alles andere als Spaß macht.

Regisseur Scardino übt mit seinem Erstling einerseits leise Kritik am sich immer schneller ändernden Publikum, das ständig etwas Neues und Extremeres sehen möchte. Dadurch geraten etablierte Dinge ins Wanken: Wer sich nicht anpassen will, muss aufhören. Wer den Absprung nicht schafft, versauert. Auf der anderen Seite bedient Scardino eben genau diese altbewährten Klischees, indem er kein Risiko eingeht und eine typische Hollywood-Komödie mit romantischen Elementen erzählt.

Fans der Komiker Steve Carell und Jim Carrey werden dennoch zufrieden sein. Für einige wirklich komische Momente lohnt sich der Gang ins Kino. Was gibt es Schöneres als die Auflösung eines großen Tricks zu sehen, bei dem ein ganzes Publikum verschwindet? Außerdem geben sich David Copperfield und Michael „Bully“ Herbig in kurzen Gastrollen die Ehre. Für unbeschwerten Spaß für zwischendurch eignet sich das schnörkellos inszenierte Stück absolut. Wahre Kinomagie sieht jedoch anders aus.

«Der unglaubliche Burt Wonderstone» startet am 4. April in den deutschen Kinos.

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