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«Birds of Prey»

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Gotham City ohne Batman – The WB versuchte sich 2002 daran. Nach anfangs starken Quoten brachen diese sehr schnell ein.

Christopher Nolan zeigte der Welt, wie eine Batman-Verfilmung auszusehen hat. Die Hollywood-Vergangenheit des Flattermanns war in den 1990er und frühen 2000er Jahren jedoch nicht so rosig, und das Franchise war schon kurz davor für immer in Vergessenheit zu geraten. Tim Burton schaffte es 1989 und 1992 noch, aus Gotham City eine unheimlich übernatürliche Großstadt zu machen, welche ihre Magie aus der Verrücktheit ihrer Einwohner bezieht, bevor Joel Schumacher sich mit seiner bunten Farbpalette am Franchise verging und es in zwei unfreiwillig unterhaltsamen Trashfeuerwerke verwandelte. 2002 kam dann der nächste Versuch. Dieses Mal mit TheWB im Fernsehen, dieses Mal mit einem anderen Ansatz. «Birds of Prey» sollte die Geschichte einer Stadt und ihrer Helden erzählen, die Jahre später nach Batmans Aktivitäten stattfand. Der dunkle Ritter tauchte in der Serie gar nicht auf, stattdessen konzentrierten die Autoren sich auf drei Frauen, die in der Nacht den übermenschlichen Verbrechern auf den Schlips traten.

«Birds of Prey» begleitete Bruce Waynes Tochter Helena Kyle, die zusammen mit Barbara Gordon, Tochter des Police Commissioners und früheres Batgirl, jede Nacht über New Gotham City Wache hielt, nachdem Batman die Stadt unverhofft verlassen hat. Unterstützung bekommen sie schnell von Dinah Redmond, einem Teenager mit Meta-Kräften. Die Serie war nur lose an der gleichnamigen Comicserie angesiedelt, und sollte für TheWB vor allem das männliche Publikum ansprechen. Die mit Spannung erwartete Pilotfolge wurde am 9. Oktober ausgestrahlt und konnte sich extrem sehen lassen: Mit einer Reichweite von 7,56 Millionen Zuschauer und Marktanteilen von zehn Prozent in der Zielgruppe, sowie zwölf Prozent bei den männlichen Zuschauern glaubte jeder, dass TheWB neben «Smallville» und «Dawson's Creek» eine weitere Erfolgsserie im Programm hatte. Der erste Eindruck in der Premierenwoche wurde jedoch ein wenig von den schlechten Kritiken der Pilotfolge getrübt, und nicht alle waren sich sicher, dass «Birds of Prey» wirklich der Erfolg ist, den TheWB auf einmal hatte.

Die Kritiker sollten in der zweiten Woche Recht behalten, als die Marktanteile auf sieben Prozent abstürzten. Im Zwei-Wochen-Takt musste ein weiterer Prozentpunkt abgegeben werden, bis «Birds of Prey» letztendlich mit nur fast zwei Millionen Zuschauern und vier Prozent in der Zielgruppe seinen kurzen Lebenslauf beendete. Selten gibt es im amerikanischen TV eine so ein- und ausdrucksvolle Abwärtsspirale zu sehen, und selten ist diese Abwärtsspirale auch mit der Qualität des Programms gleichzusetzen. Bei «Birds of Prey» waren sich fast alle einig: Die Serie konnte ihrem Franchise absolut nicht gerecht werden, die darstellerischen Leistungen waren inakzeptabel, die Storys waren langweilig und ähnelten nicht dem, was man von den Comics kannte. Nachdem nicht einmal sechs Episoden ausgestrahlt wurden, schrien schon einige Kritiker nach einer vorzeitigen Absetzung. Zur Überraschung aller behielt TheWB die Serie für alle 13 bestellten Folgen jedoch im Programm.

Nicht nur die Zuschauer waren auf der Suche nach Gründen für das Scheitern der Serie. Auch die TheWB-Executives waren vom Endergebnis mehr als enttäuscht und hatten nicht erwartet, dass «Birds of Prey» nicht nur ein Quotenflop war, sondern auch qualitativ eine Handvoll Mängel zu bieten hatte. Brian Robbins, der als Executive Producer zusammen mit Mike Tollin die Produktion der Serie übersah, erwähnte in einem Interview, dass Jordan Levin, seinerzeit Unterhaltungschef von The WB, „nie Vertrauen in die Serie“ hatte und dass Levin ein wenig Angst hatte, dass das Batman-Universum für TheWB zu dunkel ist. Dass Levin nie ein Fan der Serie war, machte er während der Novembersweeps deutlich, als er betonte, dass «Birds of Prey» ein „Versagen von Exekution“ war, und dass das Network nicht in der Lage war, einen Co-Showrunner zu finden, welcher der Serienentwicklerin Laeta Kalogridis unter die Arme greifen könnte, die vor «Birds of Prey» keinerlei Erfahrungen in diesem Geschäft hatte. Selbst Robbins stimmte diesem Faktor zu und sagte, dass Kalogridis der Sache nicht gewachsen gewesen sei.

Und trotzdem wurde die Produktion von «Birds of Prey» nicht gestoppt - und alle 13 Folgen wurden ausgestrahlt, was unter anderem mit dem Konkurrenzprogramm zu tun hatte, und mit TheWBs Misere, einen geeigneten Ersatz für ihren Flop zu finden. Auf ABC feierte zur gleichen Zeit «The Bachelor» Rekordquoten, und das männliche Publikum war von der FOX-Serie «Fastlane» mehr beeindruckt als von der Fantasywelt in «Birds of Prey». Warum TheWB jedoch nicht versucht hatte, ihre Serie mit «Smallville» oder «Angel» zu paaren, war eine andere Frage. Stattdessen lief das Batman-Spinoff in seinen wenigen Wochen als Lead-out zum Teeniedrama «Dawson's Creek». Vielleicht hatte Levin die Hoffnung, dass eine Fantasyserie hinter einem Kleinstadt-Drama genauso erfolgreich sein kann wie «Smallville», welches damals hinter «Gilmore Girls» ausgestrahlt wurde.

Interessant ist auch, dass Laeta Kalogridis offenbar keinen Karriereschaden von «Birds of Prey» mitgenommen hat. Schon ein Jahr später war sie mit einem Drehbuch zur geplanten «Wonder Woman»-Verfilmung beschäftigt (welches jedoch nie realisiert wurde), 2005 war sie mit einem Remake von «The Lone Ranger» beschäftigt (welches ebenfalls nie realisiert wurde), und 2006 arbeitete sie zusammen mit James Cameron an einem Projekt über den Freediver Francisco Ferraras, ebenfalls nie realisiert. Stattdessen kreierte sie 2007 für NBC das «Bionic Woman»-Remake welches nach acht Episoden dem Autorenstreik zum Opfer fiel und ebenfalls harscher Kritik ausgeliefert war.

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