Interview

Kostja Ullmann: Eine Serie mit 'kleiner Bühne'

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Kostja Ullmann, bekannt aus «Groupies bleiben nicht zum Frühstück», spielt in einer neuen Joyn-Produktion einen Uber-Fahrer. Das Spiel hinter'm Steuer war auch für den Darsteller eine neue Erfahrung. Wir haben mit ihm über die Produktion, die derzeitige Coronaproduktionspause und seinen Kühlschrank gesprochen.

Zur Person: Kostja Ullmann

Ullmann spielte zuletzt in Serien wie «Beat» oder in Filmen wie der «Rubinrot»-Reihe mit. Zudem war er im Kinofilm «Groupies bleiben nicht zum Frühstück» zu sehen und produzierte viel für die ARD, unter anderem den «Tatort» mit dem Titel "Wo ist nur mein Schatz geblieben"?
Herr Ullmann, ehe wir über Ihre neue Joyn-Serie sprechen, wir sind immer noch in der Corona-Pandemie, wenngleich die Ausgangsbeschränkungen inzwischen zu Kontaktbeschränkungen geworden sind. Wie haben Sie die vergangenen zweieinhalb Monate erlebt?
Das war nicht so easy. Corona hat uns schon in eine Situation gebracht, auf die wir uns erst einstellen mussten in Deutschland. Wir wussten schließlich alle nicht, was da auf uns zukommt. Als Schauspieler bin ich aber so ein bisschen Unsicherheit gewohnt. Ich kenne also das Gefühl, nicht genau zu wissen, wie lange ich nun mit dem verdienten Geld haushalten muss. Jetzt war ich zuletzt viel zu Hause, ohne Kontakt zu Freunden. Das ist für die Psyche nicht einfach – das trifft bestimmt auf alle Menschen zu. Ich selbst war viel draußen und habe auch versucht, etwas Gutes und Sinnvolles in Hamburg zu tun. Ich habe Masken und Lebensmittelgutscheine an Obdachlose verteilt. Aber ein kleines bisschen habe ich die entstandene Ruhe auch genossen. Ich bin sonst sehr viel unterwegs, viel auf Reisen. Es war auch ein bisschen gut, mal einfach zu Hause zu sein.

Vielleicht wird es ein bisschen wie auf Klassenfahrt sein.
Kostja Ullmann über Filmproduktionen während Corona
Zahlreiche Film- und Serienproduktionen standen wegen des Virus still. So langsam fährt die Branche wieder hoch. Wie sehen Sie das. Wollen Sie nun am Set wieder Vollgas geben oder schwingen da bei Ihnen doch vor allem auch gesundheitliche Bedenken mit?
Natürlich will ich wieder arbeiten, und am Set sein. Es muss aber alles auch sicher sein. Ich denke, die kommenden Dreharbeiten werden ganz anders sein als wir es bisher kennen. Ich gehe davon aus, dass es regelmäßige Tests gibt. Vielleicht wird es ein bisschen wie auf Klassenfahrt sein. Alle Crew-Mitglieder sind im Hotel, keiner darf es einfach so verlassen. Ich denke, alle müssen sich in diesen Zeiten den Bedingungen anpassen.

Ein bisschen wie die Bundesliga…
Das finde ich aber skurril. Ich bin großer Fußballfan, aber dass die Bundesliga wieder starten darf, verstehe ich nicht. Wie lange das gut geht, werden wir sehen. Sehen Sie; wir Schauspieler sind freischaffend. Wir müssen immer wieder schauen, dass auch Geld reinkommt. Daher ist es natürlich nötig, dass die Produktionen wieder beginnen. Aber natürlich nur, wenn es auch sicher für alle Beteiligten ist.

Das heißt, dass Sie heute noch gar nicht wissen, wann Sie wieder drehen?
Nicht exakt. Bei meinem nächsten Projekt sollte der Drehstart eigentlich im Mai sein. Er wurde nun zuerst auf Juni verschoben, aktuell gehen wir von einem Beginn im Juli aus. Andererseits habe ich von Kollegen auch schon gehört, dass es wieder losgeht.

Es gibt einen neuen Film von Ihnen: «Meeresleuchten», der eines Ihrer letzten großen Projekte war. Dieser ging noch vor Corona durch?
Ich habe Ende des vergangenen Jahres viel gedreht. Unter anderem den von Ihnen angesprochenen Film, dann noch ein Projekt mit Detlev Buck und eben die Serie «Aus dem Leben eines Uber-Fahrers» für Joyn. Mein Plan war dann eigentlich zu Beginn des Jahres zu verreisen, um ab Mai wieder zu arbeiten. Ich war in Australien und Neuseeland – und dann kam Corona.
In der neuen Joyn-Serie, in der Sie einen Uber-Fahrer spielen, agieren Sie quasi als eine Art Therapeut für Wildfremde…
So’n bisschen, ja. Ich habe mich auf die Serie vorbereitet und kenne auch das australische Original. Die Geschichten für unsere Serie haben wir auf die deutschen Begebenheiten angepasst. Wir hatten auch die Freiheit an meiner Figur Ben zu schrauben und zu arbeiten. Das Schöne an den Dreharbeiten war letztlich auch die Zusammenarbeit mit den anderen Darstellern: Mit jedem Darsteller kam eine ganz neue und ganz eigene Energie ans Set. Ich hatte mir so etwas schon gedacht, war dann aber doch überrascht, wie deutlich das wurde. Vermutlich ist es aber schon so, dass alle Uber-Fahrer auf der Welt eine Ausbildung zum Therapeuten bräuchten. Andererseits ergibt sich eben manchmal etwas Gegenseitiges. Manchmal wird der Beifahrer dann auch zum Zuhörer.

Mehr zum Thema

Unsere Kritik zur neuen Joyn-Serie, die ab dem 28. Mai verfügbar ist, lesen Sie hier.
Die Serie ist ja quasi ein Kammerspiel und bietet Ihnen vor allem nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten sich körperlich auszudrücken. Das war sicher auch eine ungewohnte Situation für Sie als Schauspieler?
Ich musste oft an meinen Schauspiellehrer denken. Ich war einige Monate lang auf der Schauspielschule, bevor ich für meine erste Kinoproduktion abbrach. Mein Lehrer sagte damals immer zu mir, ich müsse „die ganze Bühne ausnutzen“. Nun gab es in der Serie eben eine kleine Bühne. Aber auch die galt es vollständig auszunutzen. Natürlich war das Spiel für mich daher eingeengter und somit auch ungewohnt. Aber man kann unglaublich viel mit Blicken machen. Meine Figur ist zudem auch einfach ein Zuhörer. Wir haben vor dem Dreh viel gesprochen, gerade in Bezug auf die Kameraeinstellungen. Herausgekommen sind Folgen, die aus meiner Sicht mit ihren rund 25 Minuten Laufzeit eher kurzweilig geworden sind.

Bekannt geworden sind Sie aus Filmen für die junge Generation: «Groupies bleiben nicht zum Frühstück», «Rubinrot», «Saphierblau». Wie bewerten Sie die Entwicklung dieses Genres in den vergangenen Jahren?
Humor ändert sich im Laufe der Zeit und somit auch die Filme. Ich kann da nur für mich sprechen. Ich suche mir nicht die Genres aus, sondern will als Schauspieler einfach bei spannenden Projekten mitmachen und Rollen spielen, die mich reizen. Ich war nach den von Ihnen genannten Filmen regelmäßig in öffentlich-rechtlichen Produktionen zu sehen und habe auch Arthouse gemacht, was manche vielleicht nicht wissen. Das war gut für mich, denn kein Schauspieler möchte gerne immer das gleiche erzählen und darstellen.

Würden Sie die Rolle des Uber-Fahrers Ben auch über mehrere Jahre und somit viele Staffeln spielen?
Auf jeden Fall, sie ist sehr abwechslungsreich. Dazu muss ich sagen: Ich wohne in Hamburg und diese Serie wurde in Hamburg gedreht. Was gibt es also besseres, als in diesem Auto durch meine Heimat zu fahren? Noch dazu mit den tollen Gastdarstellern, die allesamt sehr besondere Schauspieler sind. Ich hatte in der ersten Staffel wirklich riesiges Glück mit meinen Kollegen.

Unter anderem waren Fahri Yardım, Edin Hasanović, Timur Bartels und Susanne Wolff in dieser ersten Staffel dabei. Als letzte Frage, Herr Ullmann, würde ich gerne noch einmal auf die Corona-Zeit zu sprechen kommen. Haben Sie in der Zeit von Social Distancing einen Seriengeheimtipp kennengelernt oder vielleicht eine Schallplatte gefunden?
Einen Geheimtipp habe ich nicht, allerdings habe ich durchaus etwas gelernt. Wie man den Kühlschrank richtig füllt. Als Schauspieler war ich sonst selten länger als drei oder vier Tage zu Hause. Entsprechend habe ich immer für ein Gericht eingekauft und der Kühlschrank war leer. Jetzt mache ich ihn auf, er ist voll. Was für ein Privileg. Diese Neuerung hat die Coronazeit mit sich gebracht.

Danke für das Gespräch.

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