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Die 17. Quotenmeter.de-Fernsehtasse: Fiction, Fiction, Fiction

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Eine schonungslos intime Tour de Force, ein Comedy-Dauerbrenner, ein intensives Period-Drama, eine Kölsche Satire – und das sind nur einige unserer diesjährigen Fiction-Nominierungen.

2020 heißt es Abschied nehmen – von einem Dauerbrenner in der Fiction-Spalte unserer alljährlichen Nominierungsliste und einer (mit längeren Kreativpausen) 15 Jahre lang herausragend liebevoll und klug erzählten Serie: Die diesjährige Staffel von «Pastewka» ist die letzte gewesen, und kaum ein Format in der horizontalen deutschen Comedy-Geschichte hat sich so konsequent immer wieder neu erfunden und blieb sich und seinen Figuren doch eineinhalb Jahrzehnte treu. Dass von zwanzig nominierten SeriendarstellerInnen fünf für ihre Leistung im finalen «Pastewka»-Jahr auf eine Quotenmeter.de-Fernsehtasse hoffen dürfen, unterstreicht den Beitrag, den jeder einzelne der Kreativen am Set zu diesem Gesamtkunstwerk beigesteuert hat.

Drei der anderen als „Beste Serie oder Reihe“ nominierten Formate stammen ebenfalls aus dem komödiantischen Spektrum, bedienen aber eine ganz andere Spielart: Vox‘ «Rampensau» war eine fesselnde zehnfolgige Tour-de-Force, in der sich Jasna Fritzi Bauer endgültig in die allererste Liga deutscher Fernsehdarstellerin gespielt hat, während «Frau Jordan stellt gleich» mit beeindruckender Leichtigkeit eine hohe Gag-Dichte, eine starke Haltung und einen feinen Sinn für die Figurenzeichnung kombinierte und «Check Check» (ebenfalls aus der Feder von Ralf Husmann) mit herausragendem Dialogwitz gefiel. Die «Tatort»-Folge „Ich hab‘ im Traum geweinet“ führte uns derweil erneut vor Augen, wie viel künstlerisches Potential auch in einer eher dem Regelfernsehen zuzuordnen Reihe steckt, wenn man es denn nutzen will.

Im Fernsehfilm-Genre haben uns ganz unterschiedliche Beiträge beeindruckt: «9 Tage wach» gefiel uns als intensiver Film, der sich bei dem schon oft medienwirksam bearbeiteten Thema eines drogensüchtigen jungen Mannes von der einfachen Ursache-Wirkungs-Dramaturgie löste, um ohne Scheu vor Ekel und psychologischer Komplexität schier manische und dabei sehr ergreifende 90 Minuten zu erzählen. Das öffentlich-rechtliche Feiertags-Event «Der Club der singenden Metzger» überzeugte derweil als feinfühlige filmische Adaption von Louise Erdrichs literarisch spannendem gleichnamigen Roman. Der ZDF-Mehrteiler «Unterleuten», ebenfalls eine Produktion nach belletristischer Vorlage, zeichnete gleichsam ein weitsinnig beobachtetes Panoptikum des ostdeutschen Kleinstadt-Lebens, ohne seinen umfangreichen Figurenhaushalt auf Klischees zu reduzieren. «Der König von Köln» blieb vornehmlich wegen seiner feinsinnigen Satire in Erinnerung, die der Film gekonnt mit einem leichtfüßig vorgetragenen, aber inhaltlich schonungslosen Kommentar zum „Kölschen Klüngel“ zu einem geradezu dokumentarischen Beitrag ergänzte, während sich «Zeit der Geheimnisse» von Netflix gekonnt die Längenfreiheit von Streaming-Anbietern zunutze machte, um eine emotional eindringliche Geschichte genau in der Form zu erzählen, die zu ihr passte: Ob man sie nun als Dreiteiler aus vierzigminütigen Einzelepisoden oder als zweistündigen Film verstehen will, ist dabei völlig sekundär.

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