Serientäter

«The Big Bang Theory»: Die Fortführungs-Abschluss-Konfrontation

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Nach zwölf Staffeln wird «The Big Bang Theory» beendet. Ist dies der richtige Zeitpunkt, um die immens erfolgreiche Sitcom zu beenden, oder wäre noch mehr Potential drin gewesen?

Ein Dutzend Staffeln, dann ist Schluss. Die Sitcom «The Big Bang Theory» wird in Seasons gerechnet doppelt so alt wie «Community» sein, wenn sie sich auf den Fernsehfriedhof begibt. Und sie wird mit erhobenem Haupt von uns gehen: Während sich so manch andere Comedyserie mit Mühe und Not in eine Finalstaffel gerettet hat, wurde das Ende von «The Big Bang Theory» beschlossen, bevor sich die Fangemeinde dezimiert hat. Mehr noch: Das Serienende wurde verkündet, nachdem «The Big Bang Theory» beim Gesamtpublikum die TV-Saison als am meisten gesehene Sendung abgeschlossen hat. Selbst König Football kam während der TV-Saison 2017/18 im Mittel nicht an «The Big Bang Theory» heran.

Mit zwölf Staffeln ist die Chuck-Lorre-Produktion bereits eine der langlebigsten Realserien-Sitcoms der US-Geschichte, um mit dem Rekordhalter «The Adventures of Ozzie and Harriet» gleichzuziehen, hätten jedoch noch drei weitere gefehlt. Es zwängt sich also die Frage auf: Hätte «The Big Bang Theory» vielleicht den Versuch wagen sollen, weiterzugehen? Also, wägen wir doch ab:

Dass «The Big Bang Theory» spätestens mit dem Erreichen der zweistelligen Staffelanzahl Abnutzungserscheinungen gezeigt hat, spricht dafür, Schluss zu machen. Die Nerdgags und -klischees, die «The Big Bang Theory» von anderen Sitcoms abgrenzten, machten im Laufe der Serie zunächst Platz für Pointen und Situationskomik zum Thema "Menschen mit verschiedenen Problemchen in Sachen sozialer Interaktion versuchen, diese zu überkommen". Doch nachdem die Autoren auch dieses Feld abgegrast hatten, fing «The Big Bang Theory» vermehrt an, uralte, plattgetretene Sitcom-Scherze über Beziehungsstress, zwischengeschlechtliche Kommunikation, Schwangerschaften und ähnliches zu wiederholen. Da kann man auch einfach mal sagen: "Gut, wir hören auf, ehe wir unsere Serienidentität völlig verlieren."

Gegen die Absetzung spricht derweil, zumindest so lange man die Optimismusbrille aufsetzt, dass das Finale von Staffel elf die Weichen für weitere Änderungen gestellt hat. Mit einer veränderten Lebenssituation für den Publikumsliebling und die nicht ganz so heimliche Hauptfigur der Serie, Sheldon Cooper, hat «The Big Bang Theory» die Möglichkeit, sich inhaltlich weiterzuentwickeln und so auch neue Gagvorlagen zu finden. Andererseits droht somit auch die Gefahr, das Konzept und die Figurenkonstellationen überzustrapazieren.

So ist die «How I Met Your Mother»-Abschlussstaffel smarter als ihr Ruf. Aber selbst das bei aller Kontroverse auch legendäre Serienfinale kann nicht davon ablenken, dass die letzte Runde der beliebten Romantik-Comedyserie das Material bis aufs Äußerste ausgedehnt hat. Die Köpfe hinter «The Big Bang Theory» haben nun die Möglichkeit, die Ideen, die sie auf zwei, drei weitere Staffeln verteilt und mit einigen Verlegenheitsepisoden gestreckt hätten, in eine einzelne, zwölfte Runde zu packen. Und so könnte die Serie ihrem Titel gerecht werden und mit einem großen Knall enden, statt langsam auszubrennen.

Vor allem spricht jedoch ein ganz pragmatischer Grund dafür, mit Staffel zwölf aufzuhören – ganz unabhängig davon, ob die Fans mehr wollen oder nicht, und ganz gleich, wie erfolgreich «TBBT» noch immer ist: Für Teile des Casts ist die Luft einfach raus. Vor einigen Monaten erklärte beispielsweise schon Leonard-Darsteller Johnny Galecki, dass Staffel zwölf für ihn der ideale Zeitpunkt wäre, die Serie zu beenden, und Jim Parsons alias Sheldon ließ sich nun selbst durch immense Gagenangebote nicht von einer weiteren Staffel überzeugen, was im Ensemble teils auf Zustimmung, teils auf Unverständnis stieß.

Und in dem Fall steht außer Frage: Lieber für einen großen Abschied noch einmal aufrappeln, als lustlos die Serie niedergehen lassen. Da ist es ganz egal, was sich manche Fans wünschen mögen: Eine gute 13. Staffel ist unter diesen Vorzeichen nicht mehr denkbar – und nach einem Beinahe-Rekordlauf darf eine Sitcom auch gerne mal durch Unlust einiger zentraler Darsteller ihr Ende finden.

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