Mit «King of Queens» wurde Kevin James zum Inbegriff des Sitcom-Aufstiegs in Deutschland. Nun kehrt der Comedy-Star zurück ins Genre, mit seiner neuen Serie «Kevin Can Wait». Wir haben die erste Folge kritisch betrachtet: Knüpft James an alte Glanzzeiten an?
Dass die Serie nun in den USA direkt im Anschluss an den Quotenhit «The Big Bang Theory» startete, ist ein weiterer Baustein des lang geplanten Erfolgsprojekts. Die ersten Zuschauerzahlen sind gut, vor allem beim jungen Publikum. «Kevin Can Wait» hat es verdient: Die Serie knüpft an die „guten, alten“ «King of Queens»-Zeiten an, ist dem Klassiker in Teilen sehr ähnlich. Es ist eine semitypische Familien-Sitcom, womit man einem beliebten Konzept im Genre folgt. Semitypisch heißt: Es gibt zwar eine Familie, aber diese verteilt sich nicht auf die klassischen Rollenbilder. Bei «King of Queens» zog der verrückte Vater Arthur ins Haus der Heffernans, bei «Two and a Half Men» kam Bruder Alan samt Sohn bei Charlie unter. Bei «Kevin Can Wait» ist es die fast erwachsene Tochter Kendra, die ihr Studium abbricht und plötzlich wieder Unterschlupf bei den Eltern sucht. Sie unterstützt ihren Verlobten, einen nerdigen, mittellosen App-Entwickler, der sich als nächster Steve Jobs versteht.
Viele Kritiker der Sitcom haben recht damit, wenn sie sagen, dass «Kevin Can Wait» nichts neu mache. Mit seinem Konzept aus dickem, faulen Ehemann und überattraktiver Soccer Mom wirkt die Serie wie aus der Zeit gefallen, erinnert nicht nur an «King of Queens», sondern auch an Genre-Vertreter wie «Still Standing» oder «According to Jim». Neu ist höchstens der verschärfte Tonus, den man aus «King of Queens» kaum kannte: Schon in der Pilotfolge werden Witze um Gangbangs und Heroin gemacht. Ein bisschen «Two and a Half Men» also.
Es sind keine hintergründigen Witze, es ist natürlich nichts sophisticated, es gibt keinen intelligenten Humor wie in vielen Single-Camera-Comedys dieser Zeit. Aber dafür stand Kevin James nie. Er steht für Fast-Food-Humor im wahrsten Sinne des Wortes, für einfache Gags, für das simple Leben des einfachen Arbeiters. Bewusst bedient James die Konzepte, die «King of Queens» schon erfolgreich machten, auch wenn sie heute noch so altbacken wirken: Es gibt nicht nur die attraktive Ehefrau. Es gibt auch die alten Buddies, mit denen Kevin bei Bier und Football abhängt, es gibt billig erklärte Story- und Gefühlswendungen und einfache Gags am laufenden Band, gern auch politisch unkorrekte Jokes, die aus einem 90er-Drehbuch stammen könnten. Es gibt sogar die berühmte alte Küchen-Durchreiche aus «King of Queens», auch James‘ Bruder Gary Valentine (bekannt als Danny Heffernan) spielt wieder mit. «Kevin Can Wait» holt das einfache Leben einer einfacheren Zeit zurück auf den Bildschirm – und betreibt damit bewusst noch mehr Eskapismus als viele andere Sitcoms, die vor popkulturellen Referenzen nur so strotzen.

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Es gibt 4 Kommentare zum Artikel
22.09.2016 12:58 Uhr 2
22.09.2016 15:16 Uhr 3
22.09.2016 17:48 Uhr 4
"Mit «King of Queens» wurde Kevin James zum Inbegriff des Sitcom-Aufstiegs in Deutschland"
Mmmh, Al Bundy, Alf (80er), Friends, Roseanne, Seinfeld,...etc. waren doch schon lange bekannt in Deutschland.
Kevin James ist doch schon die "dritte" Generation.
Wenn schon ein sogenannter "Boom" kam, war es doch "Two and a half Men", die genau so wie "Big Bang" erst durch Erschließung der älteren Zielgruppe zum Megaerfolg wurde.
Der Dicke wurde doch sogar durch die Sender durchgereicht, genau wie "mein toller Onkel Charlie.
Nebenbei:
ich finde diesen Abschnitt arrogant :
"Es sind keine hintergründigen Witze, es ist natürlich nichts sophisticated, es gibt keinen intelligenten Humor wie in vielen Single-Camera-Comedys dieser Zeit. Aber dafür stand Kevin James nie. Er steht für Fast-Food-Humor im wahrsten Sinne des Wortes, für einfache Gags, für das simple Leben des einfachen Arbeiters"
Die "Arbeiterklasse", ist also ungebildet, simpel und unsophisticated.