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«Our Sticky Love»: Koreanische Rom-Come mit Herz und Süßigkeiten

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Nicht jede Serie muss permanent größer, düsterer oder spektakulärer werden: Das beweist die neue Netflix-Romcom aus Korea nur allzu gut.

Romantische Komödien leben seit jeher von einer kleinen Unverschämtheit. Sie beginnen fast immer mit einer Lüge, einem Missverständnis oder einer Begegnung, die unter normalen Umständen niemals funktionieren dürfte. Zwei Menschen treffen aufeinander, die sich eigentlich nichts zu sagen haben – und gerade deshalb scheint plötzlich alles möglich. Das Genre lebt nicht von Originalität, sondern von Variationen eines vertrauten Musters.

Umso bemerkenswerter ist es, wenn eine Serie gar nicht erst versucht, diese Mechanik zu verstecken, sondern sie mit sichtlicher Freude umarmt. Die koreanische Netflix-Produktion «Our Sticky Love» gehört genau in diese Kategorie: Das bedeutet zwar keine Revolution der romantischen Komödie – wohl aber eine ihrer charmantesten Neuinterpretationen der letzten Zeit.

Die Ausgangslage klingt zunächst fast klassisch. Die ehrgeizige Staatsanwältin Go Eun-seo verliert bei Ermittlungen gegen ein Verbrechersyndikat ihr Gedächtnis und erwacht in einem ländlichen Krankenhaus. Dort wartet bereits Jang Tae-ha, ein ehemaliger Boxer und heutiger Boxtrainer, der behauptet, ihr Freund zu sein. Tatsächlich verbindet die beiden eine gemeinsame Vergangenheit – doch Tae-ha entscheidet sich bewusst für eine folgenschwere Lüge, weil er glaubt, Eun-seo auf diese Weise vor den Gefahren ihrer früheren Welt schützen zu können. Aus dieser Täuschung entwickelt sich eine ebenso romantische wie komische Wohngemeinschaft in einem Dorf, das für seine traditionelle Süßigkeit, den klebrigen Yeot, bekannt ist – jenes Konfekt, das dem Originaltitel ebenso wie der englischen Übersetzung ihren doppelten Boden verleiht.

Gerade diese Verbindung aus Romantik, Krimiplot und Provinzmilieu wirkt erstaunlich typisch für das gegenwärtige koreanische Fernsehen – und zugleich angenehm selbstbewusst. Während westliche Rom-Coms oft glauben, ihre Gefühle permanent ironisch brechen zu müssen, erlauben sich koreanische Serien noch immer eine bemerkenswerte Ernsthaftigkeit. Sie scheuen sich nicht vor Pathos, solange dieses emotional verdient erscheint. «Our Sticky Love» scheint genau dieses Vertrauen in die Kraft klassischer Gefühle zu besitzen.

Hauptdarsteller Jung Hae-in gehört dabei seit Jahren zu den verlässlichsten Gesichtern des koreanischen Fernsehens, und er besitzt jene seltene Fähigkeit, gleichzeitig verletzlich und souverän zu wirken. Seine Figuren strahlen häufig eine stille Melancholie aus, ohne jemals sentimental zu werden. Gerade deshalb passt die Rolle des ehemaligen Boxers hervorragend zu ihm. Tae-ha ist kein schillernder Held, sondern ein Mann, dessen Vergangenheit sichtbar Spuren hinterlassen hat. Dass er ausgerechnet durch eine Lüge versucht, das Richtige zu tun, verleiht der Figur von Beginn an eine moralische Ambivalenz, die romantischen Komödien oft guttut.

Auch Ha Young scheint als Go Eun-seo eine ideale Gegenbesetzung gefunden zu haben. Ihre Figur verliert zwar ihr Gedächtnis, nicht aber ihre Persönlichkeit. Die Amnesie dient hier offenbar weniger als melodramatischer Selbstzweck denn als Möglichkeit, eine Frau neu kennenzulernen, die plötzlich ohne ihre gesellschaftliche Rolle existieren muss. Aus der erfolgreichen Staatsanwältin wird ein Mensch, der seine Identität neu zusammensetzen muss. Gerade darin steckt mehr erzählerisches Potenzial, als die zunächst etwas konstruiert wirkende Prämisse vermuten lässt.

Interessant erscheint darüber hinaus der Schauplatz. Das kleine Dorf mit seinen traditionellen Süßwaren wirkt nicht bloß pittoresk, sondern bildet einen bewussten Gegenentwurf zur hektischen Großstadt und ihrem Leistungsdenken. Koreanische Serien haben in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, wie produktiv dieser Gegensatz sein kann. Die Provinz erscheint dabei nicht als romantisierte Idylle, sondern als Ort, an dem Figuren gezwungen werden, langsamer zu leben – und dadurch überhaupt erst miteinander ins Gespräch kommen.

Gerade darin liegt eine Qualität, die viele internationale Streamingproduktionen zuletzt etwas aus den Augen verloren haben. Nicht jede Serie muss permanent größer, düsterer oder spektakulärer werden. «Our Sticky Love» scheint sich stattdessen für etwas beinahe Altmodisches zu interessieren: für das langsame Entstehen von Nähe.

Vielleicht erklärt das auch, weshalb koreanische Rom-Coms international weiterhin ein derart großes Publikum finden. Sie vertrauen auf Emotionen, ohne sich für sie entschuldigen zu müssen. Sie glauben daran, dass Freundlichkeit keine Schwäche ist und Verletzlichkeit keine Peinlichkeit. In einer Streaminglandschaft, die häufig auf Zynismus, Ironie oder permanente Eskalation setzt, wirkt das beinahe erfrischend.

Die Serie «Our Sticky Love» ist Teil des Streaming-Portfolios von Netflix.

Kurz-URL: qmde.de/174378
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