First Look

«The Hawk»: Will Ferrell, die Serie

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Ein in die Jahre gekommener Golfer will's nochmal wissen: eine Rolle, die Will Ferrell wie auf den Leib geschrieben sein dürfte... oder?

Golf ist ein Sport der Geduld. Man steht minutenlang auf perfekt gepflegten Rasenflächen, denkt nach, schlägt einen kleinen weißen Ball möglichst elegant über weite Distanzen und hofft, dass am Ende alles irgendwie aufgeht. Vielleicht erklärt genau das, warum sich Will Ferrell ausgerechnet dieses Milieu ausgesucht hat. Seine besten Komödien lebten schließlich immer davon, dass übergroße Egos auf Welten treffen, die sich selbst viel zu ernst nehmen.

Die Idee hinter «The Hawk» klingt deshalb zunächst ausgesprochen vielversprechend: Ein abgehalfterter Golfstar versucht Jahrzehnte nach seinem größten Triumph ein letztes Comeback und richtet dabei das Leben aller Menschen um sich herum zugrunde. Das hätte eine böse Satire auf den Spitzensport werden können. Oder eine melancholische Komödie über das Altern. Oder wenigstens eine wirklich gute Will-Ferrell-Komödie. Geworden ist es vor allem eine erstaunlich müde Serie, die sich darauf verlässt, dass ihr Hauptdarsteller schon irgendwie den Rest erledigen wird.

Ferrells Lonnie „The Hawk“ Hawkins war vor 20 Jahren die Nummer eins der Golfwelt und träumt noch immer vom letzten großen Triumph, der seine Karriere endgültig vollenden soll. Sein Körper signalisiert längst das Gegenteil, seine Familie glaubt ebenfalls nicht mehr an ihn, nur Lonnie selbst hält unbeirrt an seiner Legende fest. Das ist eine klassische Will-Ferrell-Figur: ein Mann, dessen Selbstbild in groteskem Missverhältnis zur Realität steht. Filme wie «Anchorman» oder «Talladega Nights» haben aus genau diesem Prinzip brillante Komödien entwickelt. «The Hawk» scheint dagegen nie zu wissen, ob es seinen Helden auslachen oder lieben möchte.

Das größte Problem der Serie ist dabei ihr erstaunlich kraftloses Drehbuch. Viele Szenen wirken, als seien sie lediglich Ausgangspunkte für Improvisationen gewesen, die anschließend nie wirklich zu Pointen ausgearbeitet wurden. Will Ferrell schreit, stolpert, überschätzt sich und liefert die bekannten Grimassen, die ihn seit Jahrzehnten begleiten. Doch diesmal entstehen daraus nur selten echte Lacher. Stattdessen erinnert vieles an eine Coverband, die sämtliche Hits spielt, aber vergessen hat, warum sie ursprünglich einmal funktioniert haben.

Gerade die ersten Episoden machen diesen Mangel besonders deutlich. Immer wieder scheint «The Hawk» anzudeuten, dass hinter dem absurden Humor eine Geschichte über Scheitern, Männlichkeit und familiäre Entfremdung steckt. Lonnie lebt im Schatten seiner eigenen Vergangenheit, sein Sohn Lance ist inzwischen selbst erfolgreicher Golfer, die Beziehung zur Ex-Frau besteht hauptsächlich aus gegenseitigen Vorwürfen. Das alles hätte durchaus emotionales Gewicht entwickeln können. Doch kaum wird es interessant, flüchtet die Serie wieder in Klamauk.

Dabei ist gegen Klamauk grundsätzlich nichts einzuwenden. Will Ferrell gehört zu den wenigen Komikern, die aus völliger Albernheit große Kunst machen können. Nur benötigt selbst der albernste Witz einen Rhythmus, und genau daran mangelt es «The Hawk». Viele Gags ziehen sich zu lange hin, andere verpuffen, bevor sie überhaupt begonnen haben. Man hat häufig das Gefühl, die Serie vertraue allein auf die Präsenz ihres Hauptdarstellers.

Besonders schade ist das deshalb, weil «The Hawk» immer wieder erkennen lässt, dass durchaus kluge Beobachtungen über den Profisport möglich gewesen wären. Die Vermarktung von Athleten, das Nebeneinander von Tradition und Eventisierung, der Druck sozialer Medien oder die Eitelkeiten des modernen Golfbetriebs tauchen immer wieder auf. Doch anstatt daraus satirische Schärfe zu entwickeln, streift die Serie diese Themen meist nur kurz, bevor sie zur nächsten Slapstick-Einlage springt.

Das eigentliche Problem liegt jedoch tiefer. «The Hawk» besitzt keinen klaren Ton. Mal möchte die Serie eine warmherzige Familiengeschichte sein, dann wieder eine absurde Sportparodie, anschließend plötzlich ein klassisches Comeback-Drama. Keiner dieser Ansätze wäre für sich genommen verkehrt. Zusammen ergeben sie jedoch ein merkwürdig unausgegorenes Ganzes.

Am Ende wirkt «The Hawk» damit wie ein Comeback, das seinem eigenen Helden ähnlicher ist, als ihm lieb sein dürfte. Die Erinnerung an frühere Glanzzeiten ist ständig präsent, der Wille ist unübersehbar vorhanden, doch die entscheidende Form fehlt. Vielleicht hätten zehn Episoden weniger Nostalgie und etwas mehr Mut gutgetan. Denn so landet ausgerechnet eine Serie über den letzten großen Schlag am Ende meist nur im Rough.

Die Serie «The Hawk» ist Teil des Streaming-Angebots von Netflix.

Kurz-URL: qmde.de/173736
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