Mit dem kultigen Tarantino-Rachethriller «Kill Bill» hat die schwedische Komödie «Kill Billy» absolut nichts zu tun. Hier geht es um eine lustlose Entführung des IKEA-Gründers Ingvar Kamprad, die alles ist, aber auf keinen Fall kultig. Mehr dazu in meiner Kritik.
Seit mehr als 40 Jahren schuftet Harold Lunde (Bjørn Sundquist) gemeinsam mit seiner Frau Marny (Grethe Selius) in seinem Möbelgeschäft „Lunde Furniture“. Doch damit ist es schlagartig vorbei. IKEA eröffnet eine große Filiale direkt nebenan und zerstört dadurch sein Lebenswerk. Harold und Marny verlieren nicht nur ihr Geschäft, sondern auch ihr Haus an die Bank. In seiner Wut und Verzweiflung denkt Harold nur an eins: Rache. Er besorgt sich eine Pistole und startet seinen alten Saab. Er hat nur ein Ziel: Den IKEA- Gründer Ingvar Kamprad (Bjørn Granath) zu entführen! Entgegen aller Erwartungen gelingt der Plan – doch die Aktion nimmt schon bald eine unerwartet tragisch-komische Wendung.
IKEA-Gründer Ingvar Kamprad gehört zu den reichsten Männern der Welt. Trotzdem (oder gerade deshalb) geriet sein Name mit der Zeit auch immer häufiger im Zusammenhang mit Negativschlagzeilen in die Medien. Zugehörigkeit zu nationalsozialistischen Vereinigungen und herbe Kritik an den vor Ort bei IKEA vorherrschenden Arbeitsbedingungen sind nur zwei Kritikansätze, mit denen sich Kamprad immer wieder auseinandersetzen muss. Dass Gunnar Vikene ohne die Involvierung des echten Kamprad weder unerlaubte Schadensbegrenzung, noch Rufschädigung betreiben darf, versteht sich von selbst. Dass sich die Kritik am IKEA-Gründer jedoch ausschließlich auf zwei Nebensätze der von Bjørn Granath («Verblendung») recht eindimensional verkörperten Figur beschränkt, wirkt fast schon duckmäuserisch. Vor allem aber ist es inkonsequent: «Kill Billy» versteht sich allein schon aufgrund der Prämisse als Kritik daran, dass Großkonzerne kleineren Handwerksbetrieben die Kundschaft abkömmlich machen. Wenn die Figur des Ingvar Kamprad dem jedoch entgegen setzt, dass er damit Abertausende von Arbeitsplätze geschaffen hat, dann steht der farblos bleibende Harold ohne Argumente daneben und zelebriert einzig und allein ebenjene Ziellosigkeit, die im Film selbst vermutlich Lacher generieren soll, sich hier jedoch als stinklangweilig erweist. Kurzum: Harold hat sein Hassobjekt zwar entführt, seinen Status als bewaffneter (!) Entführer auszuspielen, misslingt ihm jedoch nicht bloß, er will es einfach nicht. So möchte man der Leinwand immer wieder „Nun tu doch endlich mal irgendwas!“ entgegenrufen – nicht, weil wir Ingvar Kamprad sterben sehen wollen. Sondern einfach, damit sich auf der Leinwand überhaupt mal irgendwas tut. Das tut es aber nicht, bis sich Harold zum Schluss eben selbst in einem IKEA-Bett wiederfindet. Dem Charme von „Billy“ und Co. kann sich über Kurz oder Lang dann eben doch keiner entziehen.
Das skandinavische Kino setzt im Comedybereich zwar immer auf eher ruhige Töne, doch so einschläfernd wie im Falle von «Kill Billy» hat sich das Land, aus dem Genre-Filme wie «Einer nach dem Anderen» stammen, noch nie präsentiert. Nebenfiguren wie die rebellierende Teenagerin Ebba (Fanny Ketter) dienen einzig und allein als Stichwortgeber, denn solch klischeebehafteten Profilen wie hier lässt sich nun mal schwer Leben einhauchen. Am Ende fragt man sich bei aller Liebe, was genau «Kill Billy» denn eigentlich werden sollte. Denn der Film ist weder lustig, noch spannend, noch dramatisch – nein, er kann dem Zuschauer genau so viele Emotionen entlocken, wie die beiden Hauptfiguren sich gegenseitig: keine. Daher macht sich bei uns fast ein wenig die Vermutung breit, Gunnar Vikene hätte man von Seiten IKEAs einen Einkaufsgutschein versprochen, wenn dieser mit dem Möbelgiganten nicht allzu hart ins Gericht geht. Auf dieser Ebene kann sich der Regisseur dann wohl tatsächlich auf die Schulter klopfen. Immerhin: Von dem sehr engagiert und trotzdem zurückhaltend aufspielenden Vidar Magnussen («Lilyhammer») möchten wir in Zukunft gern ein wenig mehr sehen.

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