Eine Hypnose-Sendung mit Oliver Geissen und C-Promis von der Dschungelcamp-Resterampe - das klingt ebenso wenig seriös wie die Umsetzung dann letztlich auch war. Stattdessen setzte RTL auf Amüsement über sich seltsam und peinlich verhaltende Promis und einen hochtrabend vor sich hin redenden Jan Becker. Für über drei Stunden Sendezeit etwas arg wenig.
Ursprünglich hätte das alles ganz anders laufen sollen: Als RTL mit Tower Productions Gespräche über die Umsetzung einer Hypnose-Sendung führte, dachte der Produktionsarm der BBC eher an eine mehrwöchige Reihe mit normalen Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Das allerdings lief den Interessen des Privatsenders zuwider, was insofern nachvollziehbar scheint, dass dieses Thema gerade in der jüngeren Fernsehvergangenheit keineswegs mehr ein TV-Selbstläufer war. Dennoch: Denkt man an Formate, die sich mit dem Thema der Suggestion beschäftigen, dominieren bislang eher Erinnerungen an größere Primetime-Shows, gerne garniert durch eine Kohorte von Prominenten, die das Geschehen auflockern und bloß nicht Gefahr laufen sollen, sich allzu kritisch und differenziert zu äußern. Und damit wäre dann schon ziemlich gut das getroffen, was RTL letztlich ohne Tower Productions am Samstagabend bei «Schau mir in die Augen - Promis unter Hypnose» angeboten hat.
Aber das wäre sicherlich verschmerzbar gewesen, hätte der Zuschauer eine ansonsten stimmige, abwechslungsreiche und im besten Falle auch noch lehrreiche Sendung geboten bekommen. Einen gewissen didaktischen Duktus versucht Becker in seinen ausufernden Ausführungen über die Kunst der Suggestion zwar durchaus an den Tag zu legen, doch wirken diese Momente dann mitunter eher wie Realsatire, wenn auf die hochtrabenden Monologe das nächste unsinnige Spiel folgt, in dem Thomas Rupprath wahlweise Palmen oder Oliver Geissen antanzt, wenn dieser nicht die stets empfehlenswerte Armlänge Abstand hält, sich Joey Heindle (nicht nur aufgrund der Wahl seiner Fernsehauftritte) sehr, sehr nackt fühlt oder Michaela Schaffrath einen Fußball-Schiedsrichter mit der Autorität eines schlechten Standup-Comedians mimt.
So ist «Schau mir in die Augen» letztlich nur ein weiteres Unterhaltungsprodukt einer Fernsehlandschaft, die sich seit dem Ende von «Wetten, dass..?» und «Schlag den Raab» weitgehend aufgegeben zu haben scheint. Zumindest bei der Entwicklung neuer Formate, die von größerer Relevanz sind. Stattdessen ist es nunmehr bereits ein Erfolgsfall, den einen oder anderen Abend mit zumindest überdurchschnittlichen Quoten hinter sich gebracht zu haben. Mit altbekannten Nasen werden altbekannte Inhalte reproduziert, der schnelle Lacher soll den Wegschalt-Reflex im Zaum halten, sodass die Quotenboxen zwischen 20:15 Uhr und 23:30 Uhr möglichst lange auf RTL geschaltet bleiben mögen. Oft genug ist der Sender mit dieser Mutlosigkeit bei der Kreation neuer Shows in den vergangenen Jahren baden gegangen, während Schwestersender VOX mit positivistischeren Ansätzen zum Publikumsverhalten einige schöne Erfolge kreierte. Gut möglich, dass auch diese inspirationsarme Promi-Blödelshow mit mäßig hypnotisierender Wirkung schon sehr bald auf dem Scheiterhaufen der Fernsehgeschichte landen wird.
• ProSieben Länderspiel • Promis unter Hypnose • Ruck Zuck • Schau mir in die Augen • Schlag den Raab • Wetten dass..?
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05.06.2016 07:51 Uhr 1
05.06.2016 08:28 Uhr 2