Nicht nur die USA brachten im vergangenen Jahr echte Hits hervor, auch Deutschland mischte im Seriengeschäft kräftig mit. Welche neuen Serien am meisten überzeugten und welche Rolle Netflix spielte.
Fünf Staffeln lang zelebrierten Serienfans aller Welt Vince Gilligans Drama-Serie «Breaking Bad». Ab dem 8. Februar 2015 erhielt schließlich auch der schmierige und gewiefte «Breaking Bad»-Anwalt Saul Goodman mit «Better Call Saul» sein eigenes AMC-Format, das seine Vorgeschichte vom kriminellen Betrüger hin zum mit allen Wassern gewaschenen Pflichtverteidiger erzählt. Zwar wird auch die tragische Vorgeschichte des «Breaking Bad»-Charakters Mike Ehrmantraut aufgearbeitet, trotzdem eignet sich das Format auch für Zuschauer, die die Serie um Drogenbaron Walter White noch nicht kennen. Auch «Better Call Saul» hat seinen ganz eigenen Ton, liefert fast poetische Dialoge und Bilder und deutet bereits an, dass es genauso wie «Breaking Bad» sehr gut versteht, große Story-Arcs zu bilden, die schon «Breaking Bad» von so vielen anderen Produktionen abhebte. «Better Call Saul» überzeugt als ungemein origineller und sofort fesselnder Mix aus Prequel, Origin Story und Spin-Off.
Auch die zweite Netflix-Eigenproduktion dieser Liste setzt neue Maßstäbe innerhalb seines Genres. Am 20. März veröffentliche der Streaming-Dienst sein Familiendrama «Bloodline» und gab der Welt dadurch Einblick in die dunkle Vergangenheit der Familie Rayburn, die den Clan durch die Ankunft des schwarzen Schafs der Familie wieder einholt. Zweifelsfrei liefert «The Dark Knight Rises»-Darsteller Ben Mendelsohn als letzterer eine der besten Schauspiel-Performances des Jahres ab, doch auch insgesamt schaffen es die weiteren Schauspieler Kyle Chandler («Wolf of Wall Street») oder Linda Cardellini («Brokeback Mountain») den Familienmitgliedern eine Dynamik zu verleihen, die die Zuschauer immer weiter in den Bann des zerstörten Familienidylls zieht. «Bloodline» entfaltet sich wie ein gutes Buch und stellt mit seiner Ruhe und seinen nuancierten Zwischenmenschlichkeiten einen Gegenpol zu effekthascherischer Action dar.
Das USA Network etabliert sich immer weiter als Hitlieferant im Serien-Sektor. Der neueste Streich des Kabelsenders trägt den Namen «Mr. Robot» und ist ein doppelbödiger Hacker-Thriller mit hypnotischem Techno-Soundtrack. Schon die elektrisierende Pilot-Folge entsagt den gängigen Einstellungen zu gut und böse, Isolation und Geselligkeit, aber auch geistiger Gesundheit und Wahn. Denn schon von Beginn an bricht die eigenbrötlerische und introvertierte Hauptfigur Elliot die vierte Wand und beginnt mit dem Zuschauer zu sprechen – seinem imaginären Freund. Wohl kaum ein anderer Schauspieler als Rami Malek hätte es geschafft, das Publikum so tief in seine Welt aus Geistesstörungen und erdrückender Einsamkeit zu ziehen, die ihm der Hass auf die Gesellschaft einbrachte. Zugleich funktioniert «Mr. Robot» mit seinen innovativen Ideen als Erinnerung daran, dass selbst die abgedroschensten Klischees mit der richtigen Ausführung noch funktionieren.

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