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Leonard Lansink und sein «Wilsberg»: Der Kauzige, der die Regeln selbst macht

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«Wilsberg» feiert seinen 50. Einsatz – und ist damit in der Zuschauergunst ganz weit vorne. Auch im ZDF überragt derzeit ein Münster-Krimi. Das hängt aus Sicht des Hauptdarstellers, der in der 300.000-Einwohner-Stadt bestens bekannt ist, durchaus auch mit der Lokalität zusammen.

«Wilsberg»-Zahlen 2015

  • Folge 45 "Kein Weg zurück": 7,35 Mio., 22,6%
  • Folge 46: "Russisches Roulette" 7,00 Mio., 22,6%
  • Folge 47: "Bauch, Beine Po" 7,02 Mio., 22,3%
  • Folge 48: "48 Stunden" 6,69 Mio., 22,4%
  • Folge 49: "Bittere Pillen" 6,57 Mio., 21,4%
Zuschauer und Quote ab drei Jahren
Münster. Eine Stadt in Nordrhein-Westfalen. Aufgegliedert in sechs Stadtbezirke. Etwas mehr als 300.000 Einwohner. Und einen, den alle dort ganz besonders lieb haben. Leonard Lansink. Wie viele ihn in Münster unter seinem echten Namen kennen, ist nicht bekannt. Sein Gesicht kennen sie und eben Detektiv «Wilsberg». Seit 20 Jahren ermittelt er dort. Eine Zeit, in dem ihm die Stadt durchaus ans Herz gewachsen ist. Vor einigen Jahren unterstützte er eine Initiative die sich – letztlich erfolgreich – gegen die Rückumbenennung des „Schlossplatzes“ in den „Hindenburgplatz“ einsetzte. „Ich wohne aber schon gern in Berlin“, sagt der Schauspieler, der kommenden Januar 60 wird, im Gespräch mit Quotenmeter.de. Das liegt zum einen daran, dass Lansink ein Fan von großen Städten ist (etwas, das auf die Figur Wilsberg wohl nicht zutrifft). Zum anderen hat es aber auch damit zu tun, dass er in Münster derzeit kaum in Ruhe abends ein Bier trinken gehen könne.

Seine Fälle kamen im Jahr 2015 auf teilweise mehr als sieben Millionen Zuschauer. Senderintern liegt er damit in der Samstags-Wertung nach wie vor weit vorne. „Das freut mich natürlich“, sagt Lansink, der um die größer gewordene Krimikonkurrenz auch in den eigenen Reihen weiß. „Wir wollen da weiter beispielhaft vorangehen.“ Das Wilsberg’sche Erfolgsrezept? Eine gute Mischung aus Krimi und Komödie. „Was gar nicht einfach ist. Die Gefahr ist immer, dass man in den Klamauk abdriftet.“ Das gibt es aus Münster bekanntlich noch einmal. Axel Prahl, Jan Josef Liefers, ChrisTine Ursprung und Co. ermitteln in der erfolgreichsten Krimireihe des Landes, dem «Tatort», ebenfalls in Münster. Die Stadt spiele dabei nach Meinung von Lansink durchaus eine zentrale Rolle. „Man darf durchaus die Nähe erwähnen, die wir zu dem «Tatort» haben“, sagt der Schauspieler lächelnd und erwähnt. „Uns gab es halt schon zehn Jahre eher. Und irgendwann hatte Das Erste die Idee, einen «Tatort» in Münster zu machen – nur halt in besser.“ Ob das immer gelungen ist, vermag der ZDF-Star derweil nicht zu beantworten. „Manchmal vermisse ich im «Tatort» aus Münster ein bisschen den Krimi“, meint er. Aber auch das sei letztlich das Gesetz der großen Zahl.

Die Qualität ist letztlich ein Geheimnis des Schneidetischs
Schauspieler Leonard Lansink darüber, dass man während eines Drehs oft nur schwer abschätzen kann, wie gut das letztliche Produkt wird
49 «Wilsberg»-Folgen sind bis dato schon gelaufen, auch 2016 sind wieder vier neue Folgen geplant. Die Redaktion hat auch schon Ideen für weitere Fälle in 2017, auch wenn Lansink dafür noch nicht unterschrieben hat. Und freilich seien bei den bisher gezeigten 49 Folgen auch ein paar Ausgaben dabei gewesen, mit denen man letztlich nicht zufrieden war. „Sagen wir es so: Ich habe meine Lieblingsfolgen“, erklärt der 59-Jährige. Während des Drehs übrigens – oder gar vorher beim Lesen eines Buches – wisse man oft gar nicht, ob der Film am Ende eher stark oder ein bisschen schwächer wird. „Die Qualität ist letztlich ein Geheimnis des Schneidetischs“, sagt er.

Irgendwas gibt es aber, das die Menschen am kauzigen und knuffigen Privatdetektiv Wilsberg mögen. Zum einen ist es vielleicht die Tatsache, dass der Ermittler kein Polizist ist. „Neben Matula und den Neuen bei «Ein Fall für zwei» bin ich der einzige Privatdetektiv. Polizisten müssen sich ja immer an Regeln halten. Detektive machen die Regeln selbst“, meint er grinsend. „Und wir haben eine gute Struktur in unserer Truppe. Das sind alles sehr streitbare Charaktere, die aber eben doch alle miteinander befreundet sind.“ Seine Rolle habe sich mehr oder weniger kaum verändert in den 20 Jahren. Das Rauchen hat der Ermittler mittlerweile aufgegeben, um ihm herum haben Handys und andere moderne Technik Einzug gehalten. Die zentrale Figur aber lebt immer noch etwas abgeschottet. Einen PC gibt es auf dem Schreibtisch des Antiquars nicht – und ein Auto besitzt der Detektiv ebenso wenig.

„Als wir mit «Wilsberg» anfingen, haben wir einem jungen, schlaksigen Schauspieler ein schlecht sitzendes Jackett angezogen, eine Zigarette ins Gesicht und einen Revolver in den Hosenbund gesteckt und ihn auf einen alten Bauernhof im tiefsten Münsterland geschickt. Gegen alle Widerstände hat dieser Privatdetektiv, der eigentlich Antiquar ist, den Tod des Bauern aufgeklärt – auch wenn er dabei seine alte Liebe verloren hat. Der Schauspieler war Leonard Lansink und Wilsberg war geboren“, erinnert sich Produzent Anton Moho an die 90er Jahre.

Die Serie basiert eigentlich auf einem Roman des Autors Jürgen Kehre, in dem die Figur Wilsberg allerdings ein Münzsammler ist. Es gab keine resolute Kommissarin Springer, keinen Manni, keinen Ekki und vor allen Dingen keine quirlige Alex. Erstmals wurde der Romanstoff noch mit Joachim Krol in tragender Rolle gespielt. Erst als dieser für einen zweiten Film keine Zeit mehr hatte, sprang Lansink ein. Die Serie lief damals noch als Fernsehspiel des Monats am Montagabend. Nach einem Jahr wurde ein weiterer Film gedreht und die Reihe «Wilsberg» war geboren. „Wir hatten damals schon um die acht Millionen Zuschauer“, erinnert sich Lansink zurück.

Seinen 50. Einsatz feiert «Wilsberg» nun am ersten Januar-Samstag, er befasst sich dann mit einem „Tod im Supermarkt.“ „Vier Folgen pro Jahr ist genau das richtige Maß.“ Theoretisch hätte der 59-Jährige so noch Zeit auch in anderen Projekten mitzuspielen. Hin und wieder macht er das auch, wenn er nicht gerade auf der Theaterbühne steht. Berührungsängste mit anderen Rollen hat Lansink jedenfalls nicht. „Wenn ich ein Buch bekomme mit einer richtig tollen Story, dann steht dem nichts im Wege.“ Wichtiger für das deutsche Publikum und nicht zuletzt auch für das ZDF dürfte aber wohl sein, dass die Lust auf weitere Abenteuer des kauzig-knuffigen Privatdetektivs noch nicht gestillt ist.

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