Die Kino-Kritiker

«Margos Spuren»

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Nach dem Überraschungserfolg «Das Schicksal ist ein mieser Verräter» kommt mit «Margos Spuren» nun die zweite Verfilmung eines John-Greene-Romans in die Kinos. Ob sie ähnlich gelungen ist, verrät Antje Wessels in ihrer Kritik.

Filmfacts: «Margos Spuren»

  • Kinostart: 30. Juli 2015
  • Genre: Drama/Romanze
  • FSK: 6
  • Laufzeit: 109 Min.
  • Kamera: David Lanzenberg
  • Musik: Son Lux
  • Buch: Scott Neustadter, Michael H. Weber
  • Regie: Jake Schreier
  • Darsteller: Nat Wolff, Cara Delevingne, Austin Abrams, Justice Smith, Halston Sage, Jaz Sinclair, Cara Buono
  • OT: Paper Towns (USA 2015)
Um die erste Verfilmung eines Romans von Schriftsteller John Greene entwickelte sich im vergangenen Jahr ein regelrechter Hype. «Das Schicksal ist ein mieser Verräter» rührte Männlein und Weiblein rund um den Globus zu Tränen. Hierzulande knackte die Leinwandadaption des dato eigentlich relativ unbekannten Buches gar die heutzutage magische Eine-Million-Besucher-Grenze. Shailene Woodley («Die Bestimmung»-Reihe) und Ansel Elgort («#Zeitgeist») wurden von heute auf morgen zu Idolen einer ganzen Generation, Regisseur Josh Boone kann sich vor Studioanfragen kaum retten und damit sei die Erfolgsgeschichte des Krebsdramas auch bereits zur Genüge umrissen. Ob eine solche auch der nächsten Greene’schen Buchverfilmung vergönnt ist, vermögen wir an dieser Stelle zwar noch nicht zu beurteilen, doch die Weichen hat Jake Schreier («Robot und Frank») mit seiner ähnlichen Art der Inszenierung und seiner genauen Darstellerwahl bereits gelegt. Auch in «Margos Spuren» geht es um das Suchen und Finden der eigenen Identität. Es geht um Liebe, Verlust und den Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit. Und schon Letzteres deutet an, wie perfekt die derzeit einen karrierebedingten Höhenflug durchlebende Schauspielerin Cara Delevingne («Die Augen des Engels») in die Rolle der unzähmbaren Margo passt. «Margos Spuren» geht zwar die Unschuld von «Das Schicksal ist ein mieser Verräter» ab und ruft so vereinzelt zwiespältige Emotionen hervor, gleichzeitig erweist sich der Film als nicht weniger sensible Charakterstudie zweier vollkommen entgegengesetzt handelnder Menschen.

Quentin Jacobson (Nat Wolff), auch „Q,” genannt, ist intelligent, ein loyaler Freund und ein Romantiker. Er ist 17 Jahre alt und besucht die Abschlussklasse seiner High School. Q glaubt fest daran, dass jedem einmal im Leben ein Wunder widerfährt – und seines passierte an jenem Tag, er war damals neun Jahre alt, als Margo Roth Spiegelman ins (Cara Delevingne) Nebenhaus einzog. Im Gegensatz zu Q war Margo immer schon eine Abenteurerin. Während Q sich über die Jahre mit Ben und Radar angefreundet hat, ist Margo zum mutigen, umschwärmten und rätselhaften Star ihrer Schule aufgestiegen. Kein Wunder, dass sie und Q sich allmählich auseinandergelebt haben. Eines Nachts aber, nur wenige Wochen vor dem Abschlussball, steht Margo unter Qs Fenster und bittet ihn auf einen gemeinsamen Trip durch die Nacht. Q erkennt hierin ein Zeichen, dass Margo ihre Freundschaft auffrischen will – oder ist es sogar mehr? Hat sie in ihm ihren Seelenverwandten erkannt? Er weiß, dass sein Leben sich nun ändern wird – und das tut es auch. Am nächsten Morgen ist Margo verschwunden – einfach so, ohne etwas zu sagen. Oder vielleicht doch? Q findet geheimnisvolle, scheinbar nur für ihn hinterlassene Botschaften. Hinweise darauf, warum sie wohin gegangen ist. Mit dem Entschlüsseln der Rätsel beginnt das Abenteuer.

Für «Margos Spuren», der im Original «Paper Towns» heißt, verzichtete Jake Schreier im Gegensatz zu Josh Boone auf die Verpflichtung allzu bekannter Gesichter. Während «Das Schicksal ist ein mieser Verräter» neben den beiden Protagonisten auch Cast-Members wie Laura Dern («Der große Trip – Wild») und Willem Dafoe («John Wick») vorweisen konnte, stemmen Cara Delevingne und der durch «Das Schicksal…» auch einem breiteren Publikum bekannt gewordene Nat Wolff den Großteil der Filmhandlung allein. Beiden gelingt dieser schwierige Akt lange Zeit überraschend gut und lässt Erinnerungen an Klassiker des Coming-of-Age-Films wach werden.

Die Interaktion zwischen Q und Margo ist aufgrund der Gegensätze von einer steten Spannung geprägt, deren Beobachtung Spaß macht und die obendrein die Unberechenbarkeit der Figur Margo unterstreicht. Denn obwohl Q mit weitaus mehr Screentime gesegnet ist und innerhalb des Films bevorzugt das Seelenleben des sympathischen Jungens im Vordergrund steht, prägt Cara Delevingne den Film mit ihrem unabhängigen Spiel wesentlich stärker. Wie gewollt diese gesetzten Prioritäten sind, lässt sich an der Inszenierung von «Margos Spuren» leider nur schwer beurteilen; man muss es allerdings auch nicht. Gerade die faszinierende Aura von Margo Roth Spiegelman macht «Margos Spuren» zu einem Jugenddrama mit Mysterytouch, ohne die Natürlichkeit der Prämisse in den Hintergrund zu rücken.

Schon «Das Schicksal ist ein mieser Verräter» hatte den großen Vorzug, trotz aller Dramatik nie ins Rührselige abzudriften. Und obwohl sich «Margos Spuren» auf einen wesentlich unsentimentaleren Subplot stützen kann, so findet sich auch ebenjener Pluspunkt des „Vorfilms“ in Schreiers Regiearbeit wieder. Der Filmemacher nimmt die Belange seiner Protagonisten ebenso ernst wie die Gefühlswelt seines Publikums und setzt weder auf platte Allgemeinplätze zwecks einer zweckentfremdeten Dramaturgie, noch nutzt er eine verklärende, technische Ausstattung, um Emotionen zu provozieren. «Margos Spuren» entwickelt einen optimistischen Flow, der, gespickt mir Lebensweisheiten, gezielt auf die Gedanken der nachwachsenden Generation abgestimmt ist. Es geht um die Frage nach dem eigenen Ich und darum, wie man an sich selbst wachsen kann. Ob man sich eher der zurückhaltenden Attitüde von Nat Wolffs Quentin anschließen möchte, oder den freiheitsdrängenden Typ einer Cara Delevingne bevorzugt, bleibt schlussendlich jedem selbst überlassen. Doch entscheidend ist die Erkenntnis, dass sich beide – trotz aller Gegensätze – doch zu jedem Zeitpunkt ergänzen.

Fazit: «Margos Spuren» ist leichtere Kost als «Das Schicksal ist ein mieser Verräter» und bringt sein Publikum dennoch ebenso über die wichtigen Dinge und Momente im Leben zum Nachdenken, wie es der Überraschungserfolg von 2014 zu tun vermochte. Gegensätze ziehen sich eben an!

«Margos Spuren» ist seit dem 30. Juli bundesweit in den Kinos zu sehen.

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