Rob Vegas

Schau hin! Was Deine Sender senden.

von
Sich über RTL aufzuregen gehört schon fast zum guten Ton in der Bürgerschaft. Unterschichtenfernsehen. Formate zum fremdschämen und schlechte Castings mit Unterhaltungswert.

Als Medien will man der Gesellschaft stets einen Blick auf die Politik und Kultur eines Landes geben. Investigativ suchen Journalisten den Wurm im Apfel und feiern sich selbst als Retter demokratischer Strukturen. Sender buhlen um die großen Quote und machen damit dann Fernsehen für die ganze Nation. Alle Elemente der Medienwelt sehen sich selbst als ungeheuer wichtig und verantwortungsbewusst. Man selbst trägt keinerlei Schuld an Trends. Vielmehr berichtet man nur.
Von ARD, ZDF, TV-Spielfilm, Vodafone und dem Bundesministerium für Familie gibt es sogar die Aktion: „Schau hin! Was Deine Kinder machen.“. Die Eltern sollen auf den Medienkonsum der Kinder aufpassen. Sie nicht allein Schrott schauen lassen und nach Installationen auf dem Rechner von Ballerspielen sehen. Eine nette Aktion.
Nur schauen die Medien auch hin? Was sie selbst senden? Was sie in einer Gesellschaft installieren? Da sind sie auf einmal nicht mehr eine große Macht, sondern ziehen einander bestenfalls über die Konkurrenz her.



Zeitschriften, Radio und Fernsehen prägen durchaus eine Gesellschaft. Hier müsste man auch selbst auf das eigene Programm schauen. Was für Kinder nicht gut ist, das ist automatisch gut für Erwachsene? Schau hin! Was Deine Nachbarn sehen. Keine gute Aktion? Vor allem muss man sich bei ARD und ZDF nun wirklich keine Sorgen um die Programme machen. Kein Kind wird durch das Programm der öffentlich-rechtlichen Anstalten einen Schaden nehmen. Bestenfalls das Gehör könnte durch die Schlagerparaden ernsthaften Schaden nehmen.
Sender aus der privaten Welt sollten hinschauen. Sende ich Schrott, so verschrotte ich auch das Publikum. Ich setze Trends, forme Sprache und installiere Bilder in den Köpfen. Kann man zunehmende Magersucht bei den Teenies und eine Show von ProSieben verknüpfen? Etwas belegen? Leider nicht. Und doch spürt man als Gesellschaft den Einfluss dieser Programme.
Allein die deutsche Sprache wird von den Sendern ebenfalls nicht mehr als wichtig empfunden. Worte wie "entzückend", "bizarr", oder "liebenswürdig" werden nicht mehr von Moderatoren in den Mund genommen. Vielmehr werden Wortbeiträge vereinfacht. Da müssen wir uns über den Verfall der Sprache nicht mehr wundern. Fernsehen und Medien sind eben nicht nur ein Spiegel der Gesellschaft. Vielmehr sind die Menschen hinter diesen reichweitenstarken Programmen auch verantwortlich für ihre Wirkung in unserer Gesellschaft. Werden durch Dokusoaps fehlende Ingenieure herangezogen? Vielmehr wird eine Gesellschaft platter.
Muss nun alles ernst und wichtig sein? Unterhaltung muss in erster Linie unterhaltsam sein. Das darf man so sehen. Dann können wir uns aber auch vor der Kamera die Köpfe einschlagen. Viel wertvoller ist gute Unterhaltung. Die wurde uns früher von den Programmansagerinnen gewünscht. Anscheinend hat mich nicht nur jene Damen aus dem Programm gekürzt.
Was ich mir wünsche? Selbstkritik der Medien. Kultur, Geschichte und Politik unterhaltsam verpackt. Fragen einer Gesellschaft in der Unterhaltungsform wie ein Uboot an die Couch gefahren. Das ist zu schwer? Dann ist es doch gerade eine Herausforderung. Wie kann ich Menschen vor der Glotze Inhalte näher bringen? Da braucht es Witz, gute Bücher, Musik, klasse Autoren und einen tollen Rahmen. Dann entstehen Bilder, Träume und Fragen beim Zuschauer.

Ich wünsche mir daher wieder mehr gute Unterhaltung. Fremdschämen tue ich mich mittlerweile genug.

Ihr

Rob Vegas



Kurz-URL: qmde.de/55594
Teile ich auf...
Kontakt
vorheriger ArtikelBekommt Gottschalk einen neuen Sendeplatz?nächster ArtikelPopcorn und Rollenwechsel: Die Schuldzuweisung des «John Carter»

Optionen

Drucken Merken Leserbrief




E-Mail:

Quotenletter   Mo-Fr, 10 Uhr

Abendausgabe   Mo-Fr, 16 Uhr

Datenschutz-Info

Letzte Meldungen

Werbung

Mehr aus diesem Ressort


Jobs » Vollzeit, Teilzeit, Praktika


Surftipp


Surftipps


Werbung