Dass die Geschichte auf realen Ereignissen basiert, hat mich sofort berührt. Es geht dabei nicht um abstrakte Zahlen, sondern um Menschen, Familien und Schicksale. Gerade weil das Thema bis heute aktuell ist, fand ich es wichtig, Teil eines Projekts zu sein, das diesen Geschichten Sichtbarkeit gibt.
Sie spielen Rose. Wie würden Sie Ihre Figur beschreiben und welche Rolle nimmt sie innerhalb der Gruppe ein?
Rose flieht gemeinsam mit ihrem Sohn über das Mittelmeer und wird von der Iuventa Crew gerettet. Sie steht unter großer Belastung, versucht aber vor allem für ihr Kind stark zu bleiben und Hoffnung zu bewahren. Gerade diese innere Stärke und Würde machen sie für mich besonders bemerkenswert.
Der Film basiert auf den realen Ereignissen rund um „Jugend Rettet“. Wie intensiv haben Sie sich auf diese wahre Geschichte vorbereitet?
Sehr intensiv. Als Erstes habe ich mir die Dokumentation «Iuventa» von Michele Cinque angesehen. Außerdem durfte ich auf Malta die Frau kennenlernen, auf der meine Figur basiert. Ihre Geschichte aus erster Hand zu hören, war unglaublich wertvoll und hat mir geholfen, die Figur noch besser zu verstehen.
Während der Dreharbeiten standen Ihnen Menschen zur Seite, die selbst auf der Iuventa im Einsatz waren. Wie hat deren Erfahrung Ihre Darstellung beeinflusst?
Das war unglaublich hilfreich. Sie konnten uns viele Details aus ihrer eigenen Erfahrung vermitteln und haben immer wieder darauf geachtet, dass die Abläufe möglichst authentisch dargestellt werden. Ihre Anwesenheit hat dem Projekt eine besondere Glaubwürdigkeit gegeben.
Viele Szenen entstanden auf dem Wasser und in den riesigen Wassertanks auf Malta. Welche Herausforderungen brachte dieser außergewöhnliche Dreh mit sich?
Die körperlichen Herausforderungen waren das eine. Emotional herausfordernder war für mich der Umgang mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen selbst gemacht haben. Das hat viele Momente am Set sehr intensiv werden lassen.
«23 000 Leben» erzählt eine politische Geschichte, verliert aber nie die Menschen aus dem Blick. Wie wichtig war Ihnen dieser persönliche Zugang?
Das war für mich der wichtigste Zugang überhaupt. Politik betrifft immer Menschen, und genau deshalb wollte ich verstehen, wer Rose ist und was sie bewegt.
Der Film zeigt Geflüchtete nicht nur als Schicksale, sondern als eigenständige Persönlichkeiten. Warum war dieser Blickwinkel aus Ihrer Sicht so wichtig?
Weil Menschen immer mehr sind als ihre Umstände. Jeder Mensch bringt eine eigene Geschichte, Träume und Beziehungen mit. Genau das sichtbar zu machen, war mir besonders wichtig.
Sie spielen in einem Ensemble mit Louis Hofmann, Mala Emde, Frederick Lau und vielen weiteren Schauspielerinnen und Schauspielern. Wie haben Sie die Zusammenarbeit erlebt?
Es war eine tolle Erfahrung. Ich hatte anfangs großen Respekt, mit so erfahrenen Schauspielerinnen und Schauspielern zusammenzuarbeiten. Aber das Ensemble hat mich sofort aufgenommen und ich habe mich sehr wohlgefühlt.
Die Geschichte stellt immer wieder die Frage, wie weit Einzelne gehen können, um anderen Menschen zu helfen. Hat der Film auch Ihren eigenen Blick auf gesellschaftliche Verantwortung verändert?
Verändert nicht unbedingt, aber bestätigt. Der Film zeigt, welchen Unterschied Menschen machen können, wenn sie Verantwortung übernehmen und nicht wegschauen. Der Film hat mir erneut gezeigt, wie viel Mut und Engagement bewirken können.
Die Produktion arbeitete eng mit Zeitzeugen zusammen und legte großen Wert auf Authentizität. Spürt man als Schauspielerin einen anderen Druck, wenn man reale Ereignisse nachstellt?
Absolut. Man spielt nicht nur eine erfundene Figur, sondern eine Geschichte, die eng mit dem Leben eines echten Menschen verbunden ist. Das verleiht der Arbeit eine besondere Bedeutung und bedeutet auch Verantwortung, und den Wunsch, dieser Geschichte so gerecht wie möglich zu werden.
Der Film erscheint auf Netflix und erreicht damit ein internationales Publikum. Welche Reaktionen wünschen Sie sich gerade von Zuschauerinnen und Zuschauern, die die Hintergründe der Geschichte bislang nicht kennen?
Ich wünsche mir vor allem Empathie und Neugier. Ich wünsche mir, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer die Menschen hinter dem Thema sehen. Und dass sie den Film mit Fragen verlassen, über die sie weiter nachdenken möchten.
Was hoffen Sie, nehmen die Menschen nach «23 000 Leben» mit – eher die politische Dimension der Geschichte oder die menschlichen Schicksale, die im Mittelpunkt stehen?
Für mich beginnt alles bei den Menschen. Wenn Zuschauerinnen und Zuschauer mit Rose und den anderen Figuren mitfühlen, entsteht oft auch Interesse an den größeren Zusammenhängen. Und vielleicht die Motivation, sich selbst weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen. Am allerschönsten wäre es, wenn sie beides mitnehmen. Die menschlichen Geschichten und die Fragen, die sich daraus ergeben. Der Film gibt keine einfachen Antworten, lädt aber dazu ein, genauer hinzuschauen.
Danke für Ihre Zeit!
«23 000» Leben ist ab Freitag, 17. Juli, bei Netflix abrufbar.







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