«Exorcist II: The Heretic» zählt zu jenen Fortsetzungen, bei denen man schon nach wenigen Minuten spürt, dass niemand wirklich denselben Film drehen wollte. William Friedkin und William Peter Blatty, die kreativen Köpfe hinter «Der Exorzist», hatten keine Lust auf eine Rückkehr. Statt einer direkten Horrorfortsetzung entstand unter Regisseur John Boorman ein metaphysischer Science-Fiction-Horror über Bewusstsein, Heilkräfte, Synchronisationsgeräte, afrikanische Heuschrecken und den Dämon Pazuzu. Das Ergebnis war kein gewöhnlicher Fehlschlag, sondern ein Film, der 1977 bei Vorführungen Gelächter, Buhrufe und Fassungslosigkeit auslöste.Die Handlung setzt vier Jahre nach Regans Besessenheit ein. Linda Blair spielt erneut Regan MacNeil, inzwischen scheinbar stabil und in psychiatrischer Betreuung bei Dr. Gene Tuskin, gespielt von Louise Fletcher. Mithilfe eines bizarren Biofeedback-Geräts, dem sogenannten Synchronizer, sollen Erinnerungen und Bewusstseinszustände miteinander verbunden werden. Pater Lamont, gespielt von Richard Burton, untersucht unterdessen den Tod von Pater Merrin. Dabei reist er gedanklich und später tatsächlich nach Afrika, wo Merrin einst einen Jungen namens Kokumo exorzierte. Pazuzu erscheint hier nicht mehr nur als dämonische Macht, sondern als eine Art spirituelle Heuschreckenplage, die Menschen mit besonderen Heilfähigkeiten angreift.
Genau hier liegt das zentrale Problem: «Exorzist II» will größer, klüger und mystischer sein als das Original, verliert dabei aber jede Bodenhaftung. Aus dem klaustrophobischen Schrecken eines Mädchens im Kinderzimmer wird eine schwer verständliche Mischung aus religiösem Essay, New-Age-Fantasie und unfreiwilliger Komik. Richard Burton wirkt über weite Strecken, als rezitiere er große Tragödie in einem Film, der gerade selbst nicht weiß, ob er Horror, Theologie-Vortrag oder Abenteuerreise sein möchte. Louise Fletcher, kurz nach ihrem Oscar für «Einer flog über das Kuckucksnest», bleibt in einer undankbaren Rolle gefangen. Max von Sydow kehrte als Merrin zurück, aber hauptsächlich in Rückblenden und Visionen.
Linda Blair selbst bezeichnete den Film später als eine der großen Enttäuschungen ihrer Karriere. Sie hatte zugestimmt, Regan erneut zu spielen, wollte aber nicht mehr in das dämonische Make-up zurück. Für entsprechende Momente wurde ein Double verwendet. Für Paul Henreid war es der letzte Kinofilm; James Earl Jones taucht als erwachsener Kokumo auf – in einem Auftritt, der heute vor allem wegen seines seltsamen Kostüms und der spirituellen Überfrachtung in Erinnerung geblieben ist.
Hinter der Kamera stand John Boorman, der zuvor mit «Beim Sterben ist jeder der Erste» und später mit «Excalibur» bewies, dass er große, eigenwillige Bilder erschaffen konnte. Seine Idee war durchaus interessant: Er wollte nicht einfach den Schock des Originals wiederholen, sondern einen positiven Gegenentwurf schaffen – einen Film über Güte, Heilung und spirituelle Entwicklung. Doch genau das wollte das Publikum nicht sehen. Wer 1977 eine Fortsetzung von «Der Exorzist» kaufte, erwartete Angst, Besessenheit und religiösen Schrecken. Stattdessen bekam er Heuschrecken, Telepathie und eine Regan-Doppelgängerin als Verführungsfigur.
Auch die Produktion war schwierig. Das Drehbuch wurde ständig umgeschrieben, Boorman wurde krank, Spezialeffekte mussten wiederholt werden, Locust-Szenen bereiteten Probleme, Darstellerinnen erkrankten, und der Film fand offenbar nie eine stabile Form. Zwar spielte «Exorzist II» mit rund 30 Millionen Dollar bei einem Budget von 14 Millionen Dollar Geld ein, doch der Imageschaden war enorm. Eine weitere Fortsetzung kam erst 1990 mit «Der Exorzist III» und diese orientierte sich wieder stärker an Blattys Welt.
Heute ist «Exorzist II» ein faszinierendes Scheitern. Ennio Morricones Musik besitzt Kraft, einzelne Bilder haben hypnotische Qualität, und sogar Martin Scorsese verteidigte den Film einmal als unterschätztes Werk über das Verhältnis von Gut und Böse. Trotzdem bleibt er vor allem ein Lehrstück darüber, wie gefährlich es ist, eine Fortsetzung gegen die Erwartung des Publikums zu drehen. «Der Exorzist» machte Angst. «Exorzist II» wollte erklären, warum das Böse existiert und wurde dabei selbst zum besessenen Kuriosum.







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