Streamingdienste haben in den vergangenen Jahren Milliarden in exklusive Filme investiert. Netflix, Amazon und Apple wollten beweisen, dass ihre Eigenproduktionen problemlos mit großen Kinofilmen mithalten können. Einer der teuersten Versuche war 2023 «Ghosted». Die romantische Actionkomödie vereinte zwei der populärsten Schauspieler Hollywoods: Chris Evans, der über Jahre Captain America verkörperte, und Ana de Armas, die nach «Knives Out», «No Time to Die» und «Blonde» zu den gefragtesten Darstellerinnen ihrer Generation gehörte. Dazu kam Oscarpreisträger Adrien Brody als Gegenspieler. Die Zutaten klangen nach einem sicheren Erfolg. Heraus kam jedoch einer der größten kreativen Fehlschläge des Streaming-Jahres.Die Geschichte beginnt zunächst überraschend bodenständig. Cole Turner verkauft Gemüse auf einem Bauernmarkt in Washington D.C. und verliebt sich Hals über Kopf in die geheimnisvolle Sadie Rhodes. Nach einer perfekten ersten Verabredung verschwindet sie jedoch plötzlich. Auf Nachrichten reagiert sie nicht mehr – sie hat ihn schlicht geghostet. Anstatt die Sache auf sich beruhen zu lassen, reist Cole kurzerhand nach London, nachdem er sie über den GPS-Tracker seines versehentlich bei ihr gelassenen Inhalators aufgespürt hat.
Von diesem Moment an verwandelt sich der Film in eine internationale Agentenkomödie. Kaum angekommen, wird Cole von Waffenhändlern entführt, die ihn für den legendären CIA-Agenten „Taxman“ halten. Tatsächlich ist jedoch Sadie die berühmte Geheimagentin. Sie rettet Cole spektakulär aus den Händen der Verbrecher, doch schon bald geraten beide in eine Jagd rund um eine gestohlene Biowaffe namens „Aztec“. Der französische Ex-Geheimdienstler Leveque möchte diese Waffe verkaufen und benötigt dafür einen geheimen Zugangscode.
Es folgt eine wilde Reise durch Pakistan, geheime CIA-Stützpunkte, Fallschirmsprünge, Verfolgungsjagden und Schießereien. Cole entwickelt sich dabei vom völlig überforderten Gemüsebauern langsam zu einem unfreiwilligen Actionhelden. Seine Kenntnisse über Landwirtschaft helfen ihm sogar mehrfach weiter – etwa bei der Behandlung von Sadies Verletzungen oder beim Entschlüsseln des gesuchten Codes. Im Finale kämpfen beide Seite an Seite gegen Leveque in einem rotierenden Restaurant, ehe der Bösewicht spektakulär in den Tod stürzt und das Paar schließlich doch zusammenfindet.
Auf den ersten Blick wirkt diese Mischung aus Romantik, Agentenfilm und Action durchaus unterhaltsam. Das eigentliche Problem von «Ghosted» besteht jedoch darin, dass keine dieser Zutaten wirklich funktioniert. Der Film möchte gleichzeitig Liebeskomödie, James-Bond-Abenteuer, Parodie und klassische Action sein. Stattdessen springt er ständig zwischen den Genres hin und her, ohne jemals einen eigenen Ton zu finden.
Besonders enttäuschend ist die Chemie zwischen Chris Evans und Ana de Armas. Dabei hatten beide bereits in «Knives Out» bewiesen, wie gut sie harmonieren können. In «Ghosted» wirkt ihre Beziehung jedoch erstaunlich künstlich. Die romantischen Szenen bleiben oberflächlich, während die Actionsequenzen kaum Gelegenheit bieten, die Figuren besser kennenzulernen. Viele Kritiker bezeichneten ausgerechnet das zentrale Liebespaar als größte Schwäche des Films – ein vernichtendes Urteil für eine romantische Actionkomödie.
Auch das Drehbuch gehört zu den größten Problemen. Gleich vier Autoren arbeiteten daran, darunter Rhett Reese und Paul Wernick («Deadpool») sowie Chris McKenna und Erik Sommers («Spider-Man: No Way Home»). Doch anstatt witzige Dialoge oder überraschende Wendungen zu liefern, reiht sich eine bekannte Genreidee an die nächste. Fast jede Szene erinnert an frühere Filme wie «True Lies», «Knight and Day», «Mr. & Mrs. Smith» oder sogar «Romancing the Stone», ohne deren Charme oder Tempo zu erreichen. Statt origineller Einfälle dominieren austauschbare Gags und vorhersehbare Wendungen.
Hinzu kommt ein grundlegendes Problem vieler Streamingproduktionen: Geld ersetzt keine kreativen Ideen. «Ghosted» verfügt über aufwendige Schauplätze, zahlreiche Explosionen und prominente Gastauftritte von Schauspielern wie Ryan Reynolds, Sebastian Stan, Anthony Mackie oder John Cho. Diese Cameos sorgen zwar kurzfristig für Überraschungen, wirken letztlich aber eher wie Marketinginstrumente als echte Bereicherung der Geschichte.
Auch Adrien Brody bleibt als Bösewicht weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Sein Leveque besitzt weder eine interessante Motivation noch eine bedrohliche Ausstrahlung. Er dient lediglich dazu, die Handlung irgendwie voranzutreiben. Dadurch fehlt dem Film ein Gegenspieler, der den Helden tatsächlich gefährlich werden könnte.
Interessanterweise war «Ghosted» wirtschaftlich keineswegs ein Misserfolg. Apple TV erklärte den Film sogar zum erfolgreichsten Filmstart in der Geschichte des Streamingdienstes. Millionen Zuschauer schalteten am ersten Wochenende ein. Das zeigt ein typisches Phänomen der Streamingwelt: Große Stars und intensive Werbung sorgen oft für hohe Abrufzahlen – unabhängig davon, wie der Film später bewertet wird. Anders als an der Kinokasse gibt es schließlich keine unmittelbar sichtbaren Einnahmen oder Verluste.
Die Kritiken fielen dagegen vernichtend aus. Auf Rotten Tomatoes erreichte der Film lediglich 25 Prozent positive Bewertungen, bei Metacritic nur 34 von 100 Punkten. Der „Guardian“ vergab gerade einmal einen von fünf Sternen und bezeichnete den Film als erschreckendes Beispiel für die kreative Beliebigkeit moderner Streamingproduktionen. „RogerEbert.com“ sprach von einer „Übung in Gier und Faulheit“, während „IndieWire“ kritisierte, dass der Film keinerlei Interesse daran habe, seine Figuren oder Ideen ernst zu nehmen. Sogar bei der Goldenen Himbeere wurde «Ghosted» mehrfach nominiert – unter anderem für Chris Evans, Ana de Armas sowie als schlechtestes Leinwandpaar.
Für die Beteiligten hatte der Film allerdings kaum langfristige Folgen. Chris Evans blieb ein gefragter Hollywoodstar und übernahm anschließend weitere Filmprojekte. Ana de Armas zählt weiterhin zu den erfolgreichsten Schauspielerinnen ihrer Generation. Adrien Brody gewann 2025 sogar erneut den Oscar als bester Hauptdarsteller für «The Brutalist». Auch Regisseur Dexter Fletcher, der zuvor mit «Rocketman» große Erfolge gefeiert hatte, konnte seine Karriere fortsetzen. Einen echten Karriereabsturz löste «Ghosted» also bei niemandem aus.
Gerade deshalb ist der Film für die Reihe so interessant. Anders als viele klassische Flops scheitert «Ghosted» nicht an mangelndem Budget oder fehlenden Stars. Im Gegenteil: Nahezu alle Voraussetzungen für einen Publikumserfolg waren vorhanden. Doch der Film verdeutlicht eindrucksvoll, dass selbst prominente Schauspieler, spektakuläre Schauplätze und hohe Produktionskosten kein Ersatz für eine gute Geschichte sind. Die romantische Handlung bleibt blass, die Action austauschbar und der Humor erstaunlich zahnlos.







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