Vermischtes

Pocher über Klum und Joko: ‚Wenn ich die beiden rausnehme, dann gibt es im Prinzip kein ProSieben mehr‘

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Oliver Pocher rechnet mit der Fernsehbranche ab: Im Podcast «Tomorrow» kritisiert er Senderstrategien, Sparprogramme und fehlende Flexibilität.

Oliver Pocher sieht für das klassische Fernsehen eine düstere Zukunft. Im Gespräch bei «Tomorrow» beschreibt der Entertainer eine Branche, die aus seiner Sicht gleichzeitig Zuschauer, wirtschaftliche Bedeutung und kreative Mitarbeiter verliert. Seine Prognose geht dabei weit über das Ende einzelner Sendungen hinaus: „Nachdem die ganzen Sendungen nach und nach verschwinden werden, werden danach die Sender verschwinden.“ Für Pocher ist die Richtung klar: „Dann geht das Sendersterben los.“ Irgendwann werde es nicht mehr sämtliche Programme geben, stattdessen würden Angebote zusammengelegt. Dass die Fernsehhäuser diese Entwicklung noch grundsätzlich aufhalten können, glaubt er offensichtlich nicht.

Als Ausgangspunkt dient das «HeidiFest», über dessen Publikumsresonanz im Podcast gesprochen wird. Pocher nutzt die Diskussion für einen Seitenhieb gegen die Quotendarstellung von RTL. Mal werde die Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen herangezogen, mal jene der 14- bis 49-Jährigen. Für ihn ändert das nichts am eigentlichen Problem: „Wenn die Sendung nicht geguckt wird, wird sie nicht geguckt, egal in welcher Zielgruppe.“ Auch dem Format selbst kann er wenig abgewinnen. Schon bei der ersten Ausgabe sei für ihn erkennbar gewesen, dass es „kompletter Schrott“ sei. Dass eine solche Sendung überhaupt zustande komme, führt er vor allem auf die Zugkraft ihres prominenten Aushängeschilds zurück.

Strategisch kann Pocher dem Engagement von RTL dennoch etwas abgewinnen. Er interpretiert die Zusammenarbeit mit Heidi Klum als Signal an ProSieben. Dessen Abhängigkeit von wenigen bekannten Gesichtern hält er für besonders gefährlich: „Wenn ich Schachspieler wäre, brauche ich nur zwei Protagonisten nehmen und ich habe ProSieben tot. Und zwar ist das Joko und Heidi Klum.“ Ohne diese beiden, so seine zugespitzte Einschätzung, bleibe dem Sender kaum noch etwas an prägender personeller Identität. Einen möglichen Wechsel Klums behandelt Pocher allerdings als Gedankenspiel. Einen konkreten Vertragsabschluss oder entsprechende Verhandlungen belegt er im Gespräch nicht.

Überhaupt hält er die bisherige Aufteilung des Privatfernsehens für zunehmend überholt. Inhaltlich könne man aus seiner Sicht ProSieben, Sat.1, RTL und VOX zusammenlegen und die verbliebenen erfolgreichen Angebote bündeln. Als Beispiele nennt er unter anderem «Die Höhle der Löwen», «Sing meinen Song», «Grill den Henssler» und «Kitchen Impossible». Auch kleineren Programmen wie ProSieben Maxx und sixx stellt er eine schlechte Prognose aus. Seine Diagnose lautet: „Fernsehen ist in der absoluten Krise.“ Diese habe sich nach seiner Wahrnehmung allein innerhalb eines halben Jahres noch einmal erheblich verschärft.

Eine der wenigen Konstanten erkennt Pocher bei Günther Jauch. «Wer wird Millionär?» stehe für jene Verlässlichkeit, die anderen Unterhaltungssendungen zunehmend fehle. Seine grundsätzliche wirtschaftliche Einschätzung fällt trotzdem vernichtend aus: „Mit dem klassischen Unterhaltungsfernsehen verdienst du kaum noch Geld.“ Live-Sport könne den Sendern zwar weiterhin Aufmerksamkeit verschaffen, löse nach seiner Darstellung aber nicht automatisch deren Ertragsprobleme. Dabei handelt es sich um Pochers Bewertung der Branche; konkrete Kalkulationen der einzelnen Produktionen legt er nicht vor.

Bei den Streamingangeboten sieht Pocher RTL+ gegenüber Joyn im Vorteil. „Joyn hat super angefangen. Dann haben sie es einfach nicht weitergemacht“, kritisiert er. Den späteren Ausbau von Realityformaten hält er für verspätet. Gleichzeitig warnt er davor, die deutschen Plattformen für dauerhaft abgesichert zu halten: Sobald ein finanzstarker internationaler Wettbewerber ernsthaft zugreife, könnten sich die Kräfteverhältnisse schnell verschieben. Gerade im Sportgeschäft betrachtet er die Abhängigkeit von einzelnen Rechtepaketen als gravierendes Risiko. „Das ist so brutal, wie die an diesen Rechten hängen.“

Die Verbindung von RTL und Sky beurteilt Pocher entsprechend vor allem unter dem Gesichtspunkt der Sportrechte und einer möglichen Bündelung der Angebote. Seine Vorstellung ist eine gemeinsame Plattform mit einer umfangreichen Mediathek. Für die bisherigen Strukturen erwartet er dagegen massive Einschnitte: „Es wird Sky so nicht mehr geben.“ Auch das ist seine Prognose, keine im Gespräch belegte Unternehmensankündigung. Frühere Versuche, Nachrichten, Zeitschrifteninhalte, Podcasts und Unterhaltung in einem umfassenden Angebot zusammenzuführen, kommentiert er mit deutlichem Unverständnis. Aus seiner Sicht wurden zu viele strategische Fehlentscheidungen getroffen.

Besonders scharf wird Pocher beim Personalabbau. „Es geht halt nur um Zahlen und Zahlen kannst du am einfachsten erreichen, indem du Personal abbaust und die feuerst“, sagt er. Zugleich sieht er die Gefahr, dass gerade jene Mitarbeiter gehen, die auch außerhalb ihres bisherigen Arbeitgebers Chancen haben. „Jeder, der gut ist, hat es erkannt und geht.“ Seine eigene Unternehmung erhalte zahlreiche Bewerbungen aus der Medienbranche. Allerdings seien diese Beschäftigten nicht automatisch für seine Arbeitsweise geeignet. Viele hätten zu lange in einer „Fernseharroganz“ gelebt.

Damit verbindet Pocher einen weiteren Vorwurf: Die Branche sei zu langsam und zu unflexibel. Während klassische Produktionen lange Abstimmungen durchliefen, müsse digitaler Inhalt unmittelbar erscheinen. Als Gegenbeispiel verweist er auf seine eigene App, in der Erlebnisse einer Reise bereits kurz nach seiner Rückkehr abrufbar gewesen seien. „24 Stunden später kannst du es sehen“, beschreibt er seinen Anspruch. „In dem Tempo und in der Geschwindigkeit musst du arbeiten.“ Seine Entscheidung für ein eigenes Angebot begründet er auch mit dem Wunsch, sich von Senderhierarchien und endlosen redaktionellen Diskussionen zu lösen. Zugleich wolle er nicht ausschließlich von Meta und Google abhängig sein, sondern „ein eigenes Geschäftsmodell […] entwickeln, wo du unabhängig bist“.

Auch die Öffentlich-Rechtlichen nimmt Pocher von seiner Fundamentalkritik nicht aus. „Theoretisch könntest du natürlich ARD und ZDF zusammenlegen“, sagt er und fordert zudem eine deutliche Reduzierung der übrigen öffentlich-rechtlichen Angebote. Unabhängigen Journalismus bezeichnet er grundsätzlich als förderungswürdig, spricht den bestehenden Angeboten allerdings aus seiner persönlichen Wahrnehmung heraus die nötige Ausgewogenheit ab.

Beim im Gespräch thematisierten Ende von Jan Böhmermanns ZDF-Sendung wird seine Kritik schließlich persönlich. Dessen Anfänge bewertet Pocher noch als „investigativ, interessant“, später sei es nach seiner Auffassung jedoch zunehmend darum gegangen, eine eigene Agenda durchzusetzen. Zugleich unterstellt er den Senderverantwortlichen einen ausgeprägten Wunsch nach Konfliktvermeidung: „Die wollen einfach Leute, die hingehen, nichts groß machen.“ Was er als unausgesprochene Erwartung der Fernsehhäuser beschreibt, fasst seine Abrechnung besonders deutlich zusammen: „Nicht auffallen, einfach da sein.“



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