Filme des Grauens

«Borderlands»: Wie man 120 Millionen Dollar und eine Kultmarke gleichzeitig verbrennt

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Mit Oscarpreisträgerin Cate Blanchett, Eli Roth und einer der erfolgreichsten Videospielreihen der vergangenen Jahre schien «Borderlands» ein Selbstläufer zu sein, stattdessen entstand einer der größten Flops des Kinojahres 2024.

Videospielverfilmungen erleben seit einigen Jahren einen bemerkenswerten Aufschwung. Reihen wie «Sonic», «The Super Mario Bros. Movie» oder die Serie «The Last of Us» bewiesen, dass sich Spiele erfolgreich auf Leinwand oder Streaming übertragen lassen. Umso erstaunlicher war das Scheitern von «Borderlands». Obwohl Lionsgate mehr als 110 Millionen Dollar in die Produktion investierte und zusätzlich rund 30 Millionen Dollar ins Marketing steckte, spielte der Film weltweit lediglich 33 Millionen Dollar ein. Branchenmagazine bezifferten den Verlust des Studios auf rund 80 Millionen Dollar. Noch härter fiel jedoch das Urteil der Kritiker aus: Zehn Prozent Zustimmung bei Rotten Tomatoes, 26 von 100 Punkten bei Metacritic und eine seltene D+-Bewertung des amerikanischen Kinopublikums bei CinemaScore sprechen eine deutliche Sprache.

Dabei schien die Ausgangslage nahezu perfekt. Die «Borderlands»-Reihe von Gearbox Software gehört seit 2009 zu den beliebtesten Loot-Shooter-Franchises überhaupt. Millionen Spieler lieben den anarchischen Humor, die überzeichneten Figuren und die Mischung aus Science-Fiction, Western und schwarzer Komödie. Bereits 2015 wurden erste Pläne für eine Verfilmung bekannt. Über Jahre wechselten Regisseure und Drehbuchautoren, ehe schließlich Horrorspezialist Eli Roth verpflichtet wurde. Doch schon die Entstehung verlief chaotisch. Das Drehbuch wurde immer wieder umgeschrieben, zeitweise arbeiteten mehr als ein halbes Dutzend Autoren daran. Craig Mazin, später Oscar-prämiert und Schöpfer der gefeierten HBO-Serie «The Last of Us», ließ seinen Namen sogar vollständig aus den Credits entfernen. Die umfangreichen Nachdrehs übernahm schließlich nicht einmal mehr Roth selbst, sondern «Deadpool»-Regisseur Tim Miller, weil Roth bereits an seinem Horrorfilm «Thanksgiving» arbeitete. Dass ein Blockbuster derart viele kreative Wechsel erlebt, ist selten ein gutes Zeichen.

Auch die Besetzung ließ zunächst aufhorchen. Mit Cate Blanchett übernahm eine zweifache Oscarpreisträgerin die Hauptrolle der Kopfgeldjägerin Lilith. Blanchett erklärte später augenzwinkernd, sie habe während der Corona-Pandemie so viel Zeit im Garten verbracht und sogar mit einer Kettensäge gearbeitet, dass ihr Mann meinte, dieser Film könne ihr Leben retten. Kevin Hart wurde überraschend als ernsthafter Soldat Roland besetzt und trainierte dafür sogar mit ehemaligen Navy SEALs. Jack Black sprach den ständig plappernden Roboter Claptrap, Jamie Lee Curtis spielte Wissenschaftlerin Tannis und Gina Gershon Fanliebling Moxxi. Kaum eine Videospielverfilmung der vergangenen Jahre konnte ein ähnlich prominentes Ensemble vorweisen.

Gerade deshalb wirkt das Endergebnis umso erstaunlicher. Kritiker warfen dem Film vor, sämtliche Stärken der Spielvorlage zu ignorieren. Statt anarchischem Humor und verrückter Kreativität dominierten austauschbare Action, flache Dialoge und eine überraschend zahme Inszenierung. Besonders umstritten war die Entscheidung, den ursprünglich deutlich härteren Stoff auf eine familienfreundliche PG-13-Freigabe herunterzustufen. Eli Roth ist eigentlich für blutige Horrorfilme wie «Hostel», «Cabin Fever», «The Green Inferno» oder später «Thanksgiving» bekannt. Ausgerechnet bei «Borderlands» mussten zahlreiche Gewaltszenen entfernt werden, darunter explodierende Köpfe oder abgetrennte Gliedmaßen. Viele Fans hatten genau diesen schwarzen, kompromisslosen Humor erwartet, den die Spiele auszeichnet.

Hinzu kamen zahlreiche fragwürdige kreative Entscheidungen. Während die Videospiele von ihrer Dynamik zwischen den sogenannten Vault Hunters leben, wirken die Figuren im Film oft erstaunlich leblos. Kevin Hart verzichtet fast vollständig auf seine übliche Komik und spielt ungewohnt ernst. Jack Blacks Claptrap, eigentlich eine Kultfigur der Spiele, wurde von vielen Zuschauern als nervig empfunden. Selbst Jamie Lee Curtis und Gina Gershon bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Lediglich Cate Blanchett erhielt regelmäßig Lob. Viele Kritiker waren sich einig, dass sie sich mit großem Einsatz durch einen Film kämpft, der ihr kaum etwas Interessantes anbietet.

Interessant ist auch der Karriereverlauf der Beteiligten. Cate Blanchett zählt weiterhin zu den angesehensten Schauspielerinnen Hollywoods und dürfte «Borderlands» problemlos verschmerzen. Jamie Lee Curtis gewann erst wenige Jahre zuvor ihren Oscar für «Everything Everywhere All at Once». Kevin Hart bleibt einer der erfolgreichsten Comedians Amerikas, auch wenn seine Kinofilme zuletzt schwankende Qualität zeigten. Jack Black feierte mit «The Super Mario Bros. Movie» und «A Minecraft Movie» enorme Erfolge. Für keinen der Stars bedeutete «Borderlands» einen Karriereknick – vielmehr wirkte der Film wie ein Betriebsunfall.

Regisseur Eli Roth hingegen musste sich deutlich mehr Kritik gefallen lassen. Obwohl seine Horrorfilme häufig polarisieren, besitzen sie normalerweise eine klare Handschrift. Von dieser ist in «Borderlands» kaum etwas zu erkennen. Stattdessen entstand ein Produkt, das wirkt, als hätten Studio, Produzenten und Nachdrehs sämtliche Ecken und Kanten abgeschliffen. Ironischerweise erklärte selbst der Stuntkoordinator später, dass zahlreiche spektakuläre Gewaltszenen entfernt wurden, um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Genau dadurch verlor der Film jedoch einen Teil seiner Identität.

Bemerkenswert ist, dass die Kinokatastrophe den Spielen letztlich sogar half. Nach dem Filmstart stiegen die Verkaufszahlen von „Borderlands 3“ deutlich an, gleichzeitig kündigte Gearbox offiziell „Borderlands 4“ an. Firmenchef Strauss Zelnick räumte später ein, dass der Film zwar enttäuschend gewesen sei, den Spielen wirtschaftlich aber durchaus genutzt habe.

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