Mit Doku-Soaps und Reality-TV erzielt RTLZWEI weiterhin solide Erfolge. Doch viele Marken zeigen inzwischen deutliche Abnutzungserscheinungen, während echte Programmideen Mangelware bleiben.
Seit dem 12. November 2025 darf Thorsten Braun über den Sender RTLZWEI bestimmen. Der Manager löste den allseits beliebten Andreas Bartl ab, der zwischen 1997 und 2000 die erfolgreichen Jahre von ProSieben prägte. Zwischen 2006 und 2012 brachte er den Sender erneut auf Kurs, nachdem seine Nachfolger mit billiger Reality das Image ruiniert hatten. Langfristig hat aus dieser Ära allerdings nur «Germany's Next Topmodel» funktioniert.
Im Herbst sendete RTLZWEI noch die letzten Ausgaben von «Genial daneben», danach wird es wohl keine Shows dieser Art mehr geben. Weder «Glücksrad» noch andere kurzweilige Sendungen passen in das Reality-Umfeld des Grünwalder Senders. Am Montag lief im Sommer 2025 «Bella Italia – Camping auf Deutsch», das auch im Juli und August 2026 zurückkehrt. «Hartes Deutschland – Leben im Brennpunkt» wechselte auf den Montag, die Einschaltquoten sind inzwischen rückläufig. Das ist aber auch nachvollziehbar: Bei den Hartz-IV-Formaten werden unterschiedlichste Geschichten erzählt. Es gibt Arbeitslose, die durch die Wirtschaftslage in diese Situation geraten sind, faule Hartzler, die nicht arbeiten wollen, aber auch Familien, in denen die Eltern nicht arbeiten können, weil sie keinen Krippenplatz für ihre Tochter bekommen oder ein Partner krank im Bett liegt. Hinzu kommen Familien, die selbstständig sind oder arbeiten gehen, aber trotzdem aufstocken müssen. Die Bandbreite bei harten Drogen ist dagegen deutlich geringer.
Am Donnerstag platzierte RTLZWEI im vergangenen Jahr die wohl verrückteste Show aller Zeiten: «Die Geissens: Traumjob Prinzessin», eine Mischung aus Reality-Daily und Talentwettbewerb. Die Fernsehzuschauer konnten mit dem Format allerdings nichts anfangen, die Einschaltquoten waren vernichtend. In den Wochen zuvor zeigte der Sender «Love Island VIP», das bei RTL+ offenbar ebenfalls gut funktioniert. Die Dauerbrenner bleiben allerdings «Mensch Retter» und «Reeperbahn privat! Das wahre Leben auf dem Kiez». Von Oksana Kolenitchenko und Daniela Büchner hat sich die Fernsehstation verabschiedet, nachdem schon die Zuschauer kein Interesse mehr zeigten. Die Analyse ist kurz: Sowohl die Büchners als auch die Kolenitchenkos sind so gewöhnlich, dass es dafür keine eigene Doku-Soap braucht.

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