Netflix erzählt in einer vierteiligen Miniserie von der Ermordnung des US-Präsidenten James Garfield 1881: verstaubte Geschichte oder faszinierend akutell?
Im Sommer des Jahres 1881, als die Vereinigten Staaten noch im fiebrigen Rausch des Wiederaufbaus nach dem Bürgerkrieg steckten, wurde ein Präsident erschossen, den die meisten Amerikaner kaum kannten. James A. Garfield, ein Gelehrter und Idealist, hatte gerade ein halbes Jahr im Amt verbracht, als ihn ein enttäuschter Bewerber um politische Gunst mit zwei Schüssen niederstreckte. Der Täter, Charles J. Guiteau, war ein wirrer Dilettant, der sich als Werkzeug göttlicher Vorsehung verstand. Der Mord, grotesk in seiner Banalität und zugleich erschütternd in seiner Symbolkraft, offenbarte eine junge Demokratie, die zwischen Aufbruch und Selbstzerstörung schwankte. Genau hier setzt «Death by Lightning» an, die neue Netflix-Miniserie, die diesen beinahe vergessenen Moment der amerikanischen Geschichte mit unerwarteter Intensität ins Licht rückt.
Makowsky und sein Team erzählen diese Tragödie mit formaler Eleganz und beinahe altmodischer Ruhe. Die Serie lebt von ihren Zwischentönen, von Blicken und Gesten, von der feinen Spannung zwischen dem öffentlichen und dem privaten Raum. Die Kamera fängt die Innenräume des Weißen Hauses, die Hallen der Macht, in einem Licht ein, das zwischen Historienmalerei und Alptraum schwankt.
Es ist die große Kunst dieser vierteiligen Serie, dass sie das Kleine im Großen sichtbar macht: den Körper des sterbenden Präsidenten als Metapher für ein verletztes Gemeinwesen, den Wahn des Attentäters als Echo der kollektiven Sinnsuche. Und wenn die letzte Folge verklingt, bleibt nicht Empörung, sondern Nachdenklichkeit. «Death by Lightning» ist kein Spektakel, sondern eine Meditation – über Macht, Überzeugung und den Preis des Idealismus. Eine Serie, die zeigt, dass Historienfernsehen auch heute noch das leisten kann, wofür das Kino einst erfunden wurde: Geschichte fühlbar zu machen.

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