Drei Jahre durfte Gras über «Promis unter Palmen» wachsen. Nun kündigte Sat.1 die Wiederbelebung des schrecklichen Krawall-Formats an. Eine faule Idee, die kein gutes Licht auf den neuen Senderchef wirft. Ein Kommentar von Veit-Luca Roth.
Seit Januar 2023 lassen sich Sat.1-Primetime-Formate – von Fußball-Übertragungen abgesehen – an sechs Fingern abzählen, die eine zwei vor dem Komma hatten. Es handelte sich stets um Filme – und keine Eigenproduktionen. Drei oder zumindest zwei Millionen Zuschauer sind eine große Verlockung. Diese Reichweiten generierte die Reality-Show «Promis unter Palmen» im Frühjahr 2020 trotz oder gerade wegen zahlreicher Skandale am laufenden Band. Nach der vorzeitig abgebrochenen zweiten Staffel entschied sich Sat.1 im Juni 2021 das Format von EndemolShine Germany und Rainer Laux Productions zu beenden.
Aus dem Versuch etwas Neues zu schaffen, wurde ein billiger und bewusst mit guter Laune versehener Abklatsch von «PuP», der auf den scheußlichen Namen «Club der guten Laune» hörte, der 2022 so erfolglos war, dass er nach nur drei Folgen den «Promis unter Palmen»-Sendeplatz um 20:15 Uhr räumen musste. Waren mit dem krawalligen Original in der ersten Staffel teils über 20 Prozent Marktanteil drin, dümpelte «Club der guten Laune» drei Wochen nicht mal auf einem Viertel dieses Niveaus herum. Seither ruhte das Format.
Sat.1 ist beileibe nicht der einzige Privatsender, dem in den vergangenen Monaten wegen diverser moralischer Rückwärtsrollen schwindelig geworden ist. Allen voran ist RTLZWEI zu nennen, wo im März 2023 eine Doku-Soap mit dem Verschwörungstheorien schwurbelnden und nach Rechtsaußen tendierende Ex-Schlagerstar Michael Wendler angekündigt wurde. Schon da wurde eine rote Linie überschritten. Auch damals beteiligt: Rainer Laux mit seiner Produktionsfirma sowie EndemolShine Germany. RTL setzte Dieter Bohlen vor die Tür, nur um ihn dann wegen mangelnden Erfolges zu «Deutschland sucht den Superstar» zurückzuholen. Selbst «Das Supertalent» legte man mit dem „mega“-schreienden Jury-Hardliner neu auf. Kritik hatte für die Einstellung des Wendler-Projekts zur Folge und Bohlens Zahlen waren zwar besser als die von Florian Silbereisen, aber längst nicht so gut wie früher.

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