Eine Summe zwischen 70 und 90 Millionen soll sich Netflix Zack Snyders Zombiekracher gekostet haben lassen. Geld, das man in der Produktion sieht. Es kracht, es knirscht. Und ein einmaliges Vergnügen verspricht Netflix nicht: Ein ganzes Franchise soll um den Zombiekracher herum entstehen. Frage: Muss man das sehen?
An der ersten Hälfte dieser Armee der Toten gibt es nicht zu kritisieren; in dieser ersten Hälfte ist der Film auf den Punkt genau das, was er sein will: Ein fetziger, bodenständiger B-Zombiekracher mit einem A-Budget. Bewegen sich die Safe-Knacker anfangs leise voran, kommt es, wie es kommen muss. Irgendwann gibt es dieses eine Geräusch, das die Zombies auf die Eindringlinge aufmerksam werden lässt – und die Action beginnt. Gehirn aus, Getöse an. Snyder gibt zu Beginn dieses Filmes mit seinem Bombast-Einstieg ein Versprechen und es sieht lange auch so aus, als würde er dieses Versprechen halten. «Army of the Dead» ist sein Film, er hat die Geschichte ersonnen, er hat sie produziert, ja er hat sogar seine geliebten Warner-Studios für diesen Film verlassen, die ihm zuletzt seinen DirCut der «Justice League» kredenzt und viele, viele Millionen Dollar in Nachdrehs- und Bearbeitungen gesteckt haben. Snyder ist sogar schlau genug, eben nicht nur Augenfutter zu bieten: Etwas in dieser Zombiewelt ist nämlich anders als in den Welten von Romero, den «Walking Dead» oder den Furien von «28 Days Later»: Das nämlich, was diese Menschen verwandelt hat, stammt (das wird zwar nie laut gesagt, ergibt sich aber aus dem Prolog) offenbar aus einem für das Militär arbeitenden Labor. Und kein Labor will dumme Untote erschaffen. Daher hat sich in Las Vegas etwas vermehrt, das nicht nur am Fressen interessiert ist. Inmitten alter bekannter, schlurfender Untoter gibt es eine Spezi, die anders ist, animalisch, aber nicht vom Geist gereinigt und damit weitaus gefährlicher als die wandelnden Toten.
Auftritt Matthias Schweighöfer. Schweighöfer ist Ludwig Dieter (ein Name, den sich heutzutage wirklich nur noch Hollywood-Autoren ausdenken können), ein Spezialist für komplizierte Schlösser. Er ist kein Soldat. Er ist nicht einmal besonders mutig. Aber die Aussicht, die Götterdämmerung (ja, so heißt der Tresor wirklich) knacken zu können, lässt ihn an der Expedition ins Totenreich teilnehmen. Gerade Freunde des gepflegten Augenverdrehens haben bei der Nachricht, Schweighöfer wird eine Hauptrolle in einem Zombie-Kracher von Zack Snyder spielen, erst einmal tief eingeatmet. Man mag Schweighöfer. Man mag ihn nicht. Egal jedoch, welcher Fraktion man angehört: In diesem Film ist er schlicht großartig. Was vor allem der Tatsache geschuldet ist, dass er seine Figur mit Leben erfüllt. Ludwig ist schräg. Er ist kein harter Hund. Er kreischt. Er hat Angst. Er ist aber auch auf eine irritierende Weise amüsant und schräg. Er ist menschlich. Und damit legt er leider auch eine große Schwäche des Filmes offen. Am Ende sind alle (anderen) Figuren nur Klischees. Gerade weil Schweighöfer hervorsticht und definitiv von dieser Kritik ausgenommen ist, fällt dies – mit zunehmender Spielzeit -, mehr und mehr ins Gewicht. Es fehlt ein echter menschlicher Faktor. Bautista müht sich; er ist auch zweifelsohne ein Sympathieträger. Aber den Charakter, den er spielt, der kommt eben doch nur vom Grabbeltisch für funktionale Actionfilmfiguren. Ja, sein Scott funktioniert. Mehr aber auch nicht. Und je weniger Tiefe die Figuren erlangen, um so mehr gerät die Inszenierung mit fortlaufender Spielzeit von der Bahn: Denn Zack Synder liefert plötzlich nur noch Standardware. Wo in der ersten Hälfte der Spielzeit ein gewisser Größenwahn das ganz große Kino verspricht, berichtet die zweite Hälfte nur noch von ein paar Typen in einem Hotel, die Zombies abknallen. Dabei entwirft Snyder sogar einen Twist, der offenbart, dass es eben nicht nur ums Geld bei diesem sehr speziellen Kurztrip nach Las Vegas geht, aber es gelingt ihm nicht wirklich, diesen Twist umzusetzen, weil er sich plötzlich daran erinnert, dass «Army of the Dead» ja ursprünglich ein Heist-Movie mit Zombies sein sollte, ein «Ocean's 11» der Apokalypse. Also muss er irgend etwas mit dem Tresor machen, den es zu knacken gibt. Allerdings – hat er nicht den Hauch einer Ahnung, was er tun soll.
Und dann ist der Film mit über zwei Stunden Spielzeit viel zu lang: Eben weil die zweite Hälfte kaum etwas Aufregendes liefert außer ein bisschen Zombieaction in einem Hotel. Sicher, da ist noch die Geschichte der animalischen, intelligenten Untoten – oder wie man sie auch nennen möchte. Hier gelingt es Snyder anfangs tatsächlich, einen interessanten Subplot rund um den Anführer dieser Wesen aufzubauen. Einen Subplot, den er jedoch recht hektisch auch wieder beendet, obschon er möglicherweise das Tor zu einem Sequel hätte darstellen können.
Wie eingangs bereits erwähnt, hat Snyder gleich ein umfangreiches Produktionspaket für Netflix geschnürt und eben nicht nur diesen Film für den Streaming-Dienst inszeniert. «Army of the Dead» soll ein Franchise für Netflix werden, so etwas wie das «Resident Evil» des Streaminggiganten. So hat niemand anderes als Matthias Schweighöfer bereits die Dreharbeiten zum Prequel «Army of Thieves» beendet (ja, als Regisseur und Hauptdarsteller), ein Film, der seinen Fokus aber offenbar auf seine Filmfigur legt und nicht, wie man erwarten sollte, auf die Geschichte des Experimentes, dass die Katastrophe zumindest indirekt ausgelöst hat. Möglicherweise steht dieses Experiment im Fokus von «Army of the Dead: Lost Vegas», einer animierte Prequel-Reihe, in deren Rahmen auch Snyder selbst Regie führen wird und die für 2022 angekündigt ist. 

• Army of the Dead • Justice League • Walking Dead • 28 Days Later • Ocean's 11 • Rififi • Der Ring der Nibelungen • Resident Evil • Army of Thieves • Army of the Dead: Lost Vegas
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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
01.06.2021 11:49 Uhr 1
Zu Schweighöfer. Ob der nun dabei ist oder man einen völlig anderen, unbekannten Darsteller genommen hat, macht kein Unterschied. Das er jetzt seine Vorgeschichte mit Army of the Thieves bringt, zeigt nur, dass er sich im Glanz des Zombiefilms welzen will. Dabei wird sein Film wieder nur eine weichgespühlte, typisch deutsche "Oceans 11"-Kopie sein.
Auch wird es noch eine Animationsserie für Erwachsene geben "Army of the Dead: Lost Vegas" die den Anfangs der Erstlings in Zeichentrickart zeigt. Da wird nochmal das Schicksal der Hauptdarsteller genauer erzählt, was man im Hauptfilm kurz am Anfang sieht.