Alle Superheldenposen. Dargestellt von einem Eichhörnchen. Dazu ein zehnjähriges Mädchen mit Hang zum freundlichen Zynismus: Fertig ist die Disney-Streamingpremiere. Da kann doch eigentlich nicht viel schiefgehen, oder?
Superhelden, weiß sie aus Comics, sind oft ganz normale Personen, die ihre Kräfte nur durch einen Zufall oder einen Unfall erlangt haben. Ulysses wurde von einem Roboter-Staubsauger verschluckt, war für einen Moment tot und wurde von Flora ins Leben zurückgeholt. Keine Frage, dieses Ereignis hat ihn verändert. Dass Ulysses ein Eichhörnchen ist... Geschenkt. Schließlich kann Ulysses mit seiner menschlichen Umwelt kommunizieren. Was sie ihrem Vater mitteilt, der wahrscheinlich der einzige Mensch ist, der ihr Glauben schenken wird. Das Dumme ist nur, dass es beim gemeinsamen Essen in einem Diner zu einem Zwischenfall kommt, der das halbe Restaurant verwüstet und den schlimmsten Albtraum erweckt, den ein wildes Eichhörnchen erwecken kann: Den städtischen Tierfänger!
«Flora & Ulysses» basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuch der amerikanischen Autorin Kate DiCamillo, die bereits die Vorlage zu dem Animationsfilm «Despereaux – Der kleine Mäuseheld» verfasst hat, welcher 2009 in den Kinos lief. Ihre Vorlage zu «Flora & Ulysses», die mit allerlei Comiczeichnungen garniert ist, ist 2014 unter dem Titel «Flora und Ulysses - Die fabelhaften Abenteuer» auch in Deutschland erschienen.
Aber Matilda Lawlers Flora ist schon auf ihre Weise schräg und damit die perfekte Ergänzung zum Eichhörnchen, das langsam seine besonderen Kräfte entdeckt – da Superhelden eben ihre Kräfte nie alle auf einmal erkennen. Auch Ulysses muss sich erst langsam daran gewöhnen, nicht mehr im Baum nur nach Nüssen Ausschau zu halten, sondern plötzlich einzigartig zu sein. Dass Floras Vater als Comiczeichner von Ulysses begeistert ist, ist ebenso ein unausweichliches Faktum wie Phyllis' Probleme mit dem kleinen Pelzträger – wie auch die Tatsache wenig überrascht, dass sich Vater und Mutter wieder näherkommen. Dies ist ein Disneyfilm und keine düstere Netflix-Produktion. Mit dem stressbedingt erblindeten kleinen Klugscheißer William, dem Neffen der Nachbarin, der aus Gründen, die sich erst nach und nach ergeben, den Sommer bei seiner Tante verbringt, bietet die Geschichte sogar etwas Tiefgang, denn William wird nicht nur in Floras Abenteuer mit Ulysses verwickelt, er bietet zum Ende der Story hin auch etwas überraschenden Tiefgang, den man so nicht erwartet und der es kräftig menscheln lässt.
Dass der Film offenbar nicht bis zum Ende durchgearbeitet worden ist, zeigt die Animation eines zweiten Tieres, das aus dem Computer stammt: Herrn Karl. Herr Karl ist eine psychotische Katze, die ihre Nachbarschaft terrorisiert. Herr Karl wirkt unfertig. So wirken seine Haare nie wirklich echt, sondern etwas „matschig“. Vergleicht man die atemberaubende Animation von Ulysses mit der von Herrn Karl, liegen dazwischen mindestens zwei Monate Rechenleistung. Dies ist allerdings auch der einzige Kritipunkt an einem Film, der das ist, was er sein will: Familienunterhaltung. Sein Humor ist weitestgehend harmlos, aber treffsicher. Die Identifikation mit den handelnden Figuren fällt leicht und Ulysses ist grandios. Natürlich geht die Story nicht sonderlich tief, natürlich ist das alles auf seine Art und Weise auch vorhersehbar. Doch als Gute-Laune-Film funktioniert «Flora & Ulysses» tadellos. Womit die Eingangsfrage beantwortet wäre: Hier ist nicht schiefgegangen. 

• Flora & Ulysses • Despereaux – Der kleine Mäuseheld
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