Die Kritiker

«Chemical Hearts»: Lily Reinhart und Austin Abrams, kompliziert verbandelt

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In der Romanverfilmung «Chemical Hearts» geht es um das schmerzliche Teenagersein und das Finden des richtigen Romantikverständnisses.

Filmfacts «Chemical Hearts»

  • Regie: Richard Tanne
  • Produktion: Richard Tanne, Alex Saks, Lili Reinhart
  • Drehbuch: Richard Tanne, basierend auf "Our Chemical Hearts" von Krystal Sutherland
  • Cast: Lili Reinhart, Austin Abrams
  • Kamera: Albert Salas
  • Schnitt: JC Bond
  • Laufzeit: 93 Minuten
Krystal Sutherlands Erfolgsroman "Our Chemical Hearts" wagt den Sprung ins Bewegtbild: Inszeniert von Richard Tanne, dem Regisseur hinter der Obama-Romanze «My First Lady», wird aus dem populären Roman ein gefälliger Amazon-Exklusivfilm mit «Riverdale»- und «Hustlers»-Star Lili Reinhart und Austin Abrams.

Austin Abrams spielt in «Chemical Hearts» den 17-jährigen Henry Page (Austin Abrams), der bedauert, dass er noch nie verliebt war. Und das, obwohl er sich selbst für einen hoffnungslosen Romantiker hält. Oder ist es sogar, weil er solch ein hoffnungsloser Romantiker ist? Denn was ihn plagt, ist: Die Art von großer Liebe, die er sich so sehr erhofft, ist jene aus Film, Fernsehen und Literatur. Die Art Liebe, die es angeblich nur einmal im Leben gibt.

Am ersten Tag seines Abschlussjahres trifft Henry jedoch auf die Transferschülerin Grace Town (Lili Reinhart) und es scheint, als würde sich bald alles ändern. Bei einem gemeinsamen Spaziergang finden sie direkt einen Draht zueinander. Und als Grace und Henry ausgewählt werden, gemeinsam die Schülerzeitung zu redigieren, fühlt er sich endgültig magisch von der mysteriösen Neuen angezogen. Dann aber erfährt Henry ihr herzzerreißendes Geheimnis, das einst ihr Leben für immer veränderte …

Ganz in der "Tradition" solcher jugendorientierten, dramatischen Liebesgeschichten, die im Zuge von «Das Schicksal ist ein mieser Verräter» zu großer Popularität gefunden haben, schlägt auch «Chemical Hearts» leise Herzschmerztöne an: Henry Page ist ein (im übertragenen Sinne) blauäugiger Protagonist, der kitschige Vorstellungen von der Liebe hat und lernen muss, wie er sie mit seinen Gefühlen zur neuen Mitschülerin Grace umgehen soll. Denn sie ist eine gehemmte, ernste, bei allem Charme, den sie versprüht, distanzierte Person, die mit völlig abgeklärten Vorstellungen an die Liebe herangeht.

Wenn Henry nach und nach erfährt, weshalb Grace der verausgabte, erschöpfte Gegenpol zu seiner überschwänglichen Art ist, wird daraus unter Richard Tannes Inszenierung eine feinfühlige, etwas teeniehaft-überdramatisierte Geschichte über das Finden eines Mittelweges. Henry ist zu idealistisch, zu verlangend, Grace zu gebeutelt von bereits hinter sich gebrachten Erfahrungen, um zu erkennen: Liebe ist weder die überwältigende Magie aus rosabebrillter Fiktion, noch die verlogene, unerreichbare Illusion, die Zyniker in ihr sehen. Sondern, das deutet der Filmtitel bereits an, ein ganz besonderes, chemisches Ereignis.

Das wird filmisch von Tannes etwas beiläufig erarbeitet – seinem Film mangelt es an Figurenmomenten und Plotentwicklungen, die sich einbrennen. Doch Tannes hat ein Auge für die Talente seines Hauptcasts: «Riverdale»-Star Reinhart spielt intensiver denn je und macht Grace zu einer bewegenden, aufgewühlten, nuancierten Figur, Austin Abrams gewinnt seinem Naivling ebenfalls filigrane Facetten ab, die seine Geschichte trotz überspitzter Entwicklung plausibel machen.

«Chemical Hearts» ist somit zwar deutlich hinter Vorbildern wie «Love, Simon» oder «Das Schicksal ist ein mieser Verräter» einzuordnen, dennoch ist es eine solide geschriebene, gut gespielte Auseinandersetzung mit den herzlichen Schmerzen des Jugendlichseins.

«Chemical Hearts» ist auf Amazon Prime abrufbar.

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