Die Kino-Kritiker

«Predator - Upgrade» - Shane Black und die Aliens

von

Nach fünf mehr oder weniger erfolgreichen Filmen rund um die berühmten Alienräuber bringt Shane Black mit «Predator - Upgrade» frischen Wind in die Sci-Fi-Horrorreihe und inszeniert einen Film wie frisch aus den Achtzigerjahren.

Filmfacts: «Predator - Upgrade»

  • Start: 13. September 2018
  • Genre: Action/Science-Fiction
  • Laufzeit: 107 Min.
  • FSK: 16
  • Kamera: Larry Fong
  • Musik: Henry Jackman
  • Buch: Fred Dekker, Shane Black
  • Regie: Shane Black
  • Darsteller: Boyd Holbrook, Trevante Rhodes, Jacob Tremblay, Olivia Munn, Keegan-Michael Key, Sterling K. Brown
  • OT: The Predator (USA 2018)
Auf dem Papier ist «Predator – Upgrade» einer dieser Filme, bei denen es nicht verwundert, wenn ihn Fans des Räuber-Franchises früh als Katastrophe abstempeln. Den vorwiegend auf coole Buddy-Komödien spezialisierten Shane Black («The Nice Guys») mit einer Fortsetzung zu einer Filmreihe zu betrauen, die vor allem durch ihre Düsternis (manchmal im wahrsten Sinne des Wortes, Stichwort: «Alien vs. Predator 2») so beliebt wurde, deutet auf die zeitgemäße Weichspül-Politik moderner Blockbuster hin. Hinzu kommen jede Menge Nachdrehs, denen im Nachhinein ganze Figuren und Handlungsstränge zum Opfer fielen. Und seien wir einmal ehrlich: Hat irgendjemand nach einem «Predator»-Sequel verlangt, nachdem erst kürzlich die Fortsetzung zur artverwandten «Alien»-Saga formvollendet in den Sand gesetzt wurde? Die anfänglichen Trailer schienen diese Befürchtungen allesamt zu bestätigen. Doch im Nachhinein lösen sich all diese Indizien auf einen filmischen Super-GAU in Luft auf. Keiner kennt das Franchise besser als Shane Black, der für den ersten Teil vor allem deshalb als Schauspieler angeheuert wurde, weil man sich so erhoffte, den schon damals als begnadet geltenden Autor auch für das Feintuning am Skript gewinnen zu können.

Sein Humorverständnis passt außerdem ganz hervorragend zur bisweilen fast veraltet wirkenden „Ich mach, was ich will!“-Attitüde des Filmemachers und im Gegensatz zu Ridley Scott ist Black nicht daran gelegen, die Reihe den aktuellen Sehgewohnheiten der Zuschauer anzupassen, sondern macht genau das Gegenteil, indem er einen Film abliefert, der ebenso gut aus den Archiven lange verschollener Achtzigerjahre-Actioner stammen könnte.

Die Aliens sind wieder da!


Von den äußersten Ecken des Universums dringen die gefährlichen Predatoren eines Tages bis in die verschlafenen Straßen der US-amerikanischen Vororte. Nur sind die gefährlichsten Jäger des Universums, seit sie sich mit DNA anderer Spezies genetisch aufgerüstet haben, noch stärker, klüger und tödlicher als je zuvor. Als der kleine Junge Rory (Jacob Tremblay) versehentlich ihre Rückkehr auf die Erde ermöglicht, werden eine bunt zusammengewürfelte Truppe von in Ungnade gefallenen Ex-Soldaten und ein mies gelaunter Lehrer für Naturwissenschaften zur einzigen Hoffnung, das Ende der Menschheit zu verhindern, sofern es ihnen denn gelingt, ihre riesigen Egos hintenanzustellen und gemeinsam gegen denselben Feind zu kämpfen.

Schaut man sich die Blockbuster von heute an, ereilt einen immer häufiger der Gedanke, die Macher dieser Filme würden einer Art unausgesprochenen Agenda folgen. Manche Punkte von dieser machen Sinn: Gender-Gleichberechtigung beispielsweise, oder auch das Wahren einer Political Correctness, die geschmacklose, vor wenigen Jahren aber noch für vollkommen natürlich empfundene Witze über Randgruppen und dergleichen verhindert. Derartige Aspekte zu berücksichtigen, ist absolut wichtig, doch je verkrampfter Filmemacher auf diese blicken, desto mehr kommt ihren Filmen die Leichtigkeit abhanden. Das gilt auch für Faktoren wie das bemühte Schielen in Richtung PG-13-Rating, einer ausgewogenen Mischung aus Action und coolen Sprüchen oder die Schöpfung Merchandise-tauglicher Sidekicks; all diese (und noch viel mehr) Puzzleteile bilden eine Erfolgsformel, die funktioniert, sich allerdings auch schon lange abnutzt.

In den Achtziger- und Neunzigerjahren hingegen gab es diese noch nicht. Später zum Kult avancierende Kassenmagneten wie die «Indiana Jones»-Filme, «Star Wars», «Alien» und eben auch «Predator» wurden vor allem deshalb so erfolgreich, weil die entsprechenden Filmemacher ihre Produktionen fast ausschließlich nach Gutdünken und nach eigenem Belieben kreierten. Getreu dem Motto: Was mir Spaß macht, wird ja sicher auch anderen Spaß machen! Und genau hier kommt Shane Black ins Spiel.

Frisch aus den Eighties - mit allen Stärken und Schwächen!


Für «Predator – Upgrade» bedient sich Black derart selbstverständlich vermeintlich abgegriffener Motive, auf die andere Filmemacher von heute nicht mehr zurückgreifen würden, aus Angst, ihr Publikum zu verprellen. Mit einer unübersehbaren Macho-Attitüde lässt er Blut und Gedärme nur so spritzen und setzt in den entscheidenden Momenten aber auch auf so viel hemmungslosen Kitsch und Pathos (es hat schon einen Grund, weshalb früher immer Kinder eine entscheidende Rolle in Blockbustern spielen mussten – immerhin ist Rory hier einer der smarten Sorte), dass wohl kaum einer diesen Film ernst nehmen würde, würden ihn die Verantwortlichen mit einer Meta-Mentalität à la «Deadpool» vortragen. Das würde aufgesetzt wirken. Shane Black dagegen zelebriert den Eighties-Verve mit angenehmer Ernsthaftigkeit, indem er nicht bemüht in Richtung des kalkulierten Skandals schielt (wer «Predator – Upgrade» in seinem Konzept versteht, kommt beispielsweise niemals auf die Idee, ihm zum Vorwurf zu machen, dass hier mit der perfekt austeilenden Olivia Munn nur eine einzige Frau eine tragende Rolle spielt), sondern sich einfach nur von all den einengenden Blockbuster-Auflagen befreit, die wir zu Beginn dieses Texts bereits aufgezählt haben.

Das hat zur Folge, dass viele längst abgegriffene Dinge, die man hier sieht, endlich wieder frisch und einfallsreich wirken, während man sie anderen Drehbuchautoren vehement um die Ohren hauen würde. Wenn etwa einer der Soldaten erst nach dem Namen des Predators fragt, nur um ihm kurz darauf ohnehin die Fresse wegzuballern, hat das in «Predator – Upgrade» jenen Charme des Unverbrauchten, wie er beispielsweise in den frühen «Rambo»-Filmen auftauchte.

Dieses Nostalgiegefühl wird von der Aufmachung der Actionszenen zusätzlich bestärkt. Mit möglichst wenig CGI werden hier die Predatoren zum Leben erweckt, aber auch Explosionen und die knallharten Kämpfe zwischen Mensch und Monster sorgen dafür, dass es im Kinosaal ordentlich rummst. Die Actionszenen könnten hier und da ein weniger ruhiger geschnitten sein und im letzten Drittel kommen vor allem jene Zuschauer auf ihre Kosten, die sich nicht daran stören, wenn hier nur noch wahllos aufeinander eingestochen und geballert wird (auch wenn Black das immer wieder mit einigen smarten Einzelszenen zu akzentuieren weiß), doch im Großen und Ganzen greift Black auch hier den Charme der Originalfilme auf. Das muss er auch, denn das optische Erscheinungsbild der brutalen Jäger offenbart er bereits in den ersten zehn Minuten und auch sonst wirken die titelgebenden Monster diesmal um Einiges austauschbarer, als ihre durchaus charakterisierbaren Vorgänger.

Dafür legen sich die Autoren Shane Black und Fred Dekker («Star Trek: Enterprise») ordentlich ins Zeug, um die bisweilen vorherrschende Austauschbarkeit der Antagonisten mit möglichst exzentrischen Protagonisten auszugleichen. Die erste Stunde ist vollgestopft mit jeder Menge (teils sogar auf die Vorgängerfilme eingehenden) Wortwitz, die vor allem aus der vollkommen gegensätzlichen Zeichnung der Soldatencrew resultiert. An die Selbstverständlichkeit, mit der hier Macho-Sprüche und derbe Gags vorgetragen werden, muss man sich erst einmal gewöhnen. Gleichzeitig entgleitet Black niemals die Pietät. Hier geht lediglich alles wieder so derb zu, wie in den Achtzigern, doch auf Teufel komm‘ raus irgendwelche geschmacklosen Pointen abzufeuern, kommt dem Filmemacher nicht in den Sinn. Und genau an dieser Stelle trifft «Predator – Upgrade» voll ins Schwarze!

Fazit


«Predator – Upgrade» schaut sich wie ein Film, der zu einer Zeit entstanden ist, als Blockbuster noch keiner Erfolgsformel folgen mussten. Das macht trotz ein wenig viel Geballer im dritten Akt mächtig Laune!

«Predator – Upgrade» ist ab dem 13. September bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen – auch in gutem 3D!

Kurz-URL: qmde.de/103794
Finde ich...
super
schade
73 %
27 %
Teile ich auf...
Kontakt
vorheriger Artikel«Die Superhändler» nähern sich dem Senderschnittnächster ArtikelMit Rütter, ohne Ceylan: RTL startet wieder den «Comedy Grand Prix»
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel

Optionen

Drucken Merken Leserbrief




E-Mail:

Quotenletter   Mo-Fr, 10 Uhr

Abendausgabe   Mo-Fr, 16 Uhr

Datenschutz-Info

Letzte Meldungen

Werbung

Mehr aus diesem Ressort


Jobs » Vollzeit, Teilzeit, Praktika


Surftipp


Surftipps


Werbung