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Das neue DAB+ - ein Ladenhüter mit vielen Vorteilen

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Der letzte Teil unserer Themenwoche Radio, anlässlich der Verleihung des Deutschen Radiopreises 2011. Diesmal widmen wir uns der Zukunft.

Rauschfreies Radio, jeder Radiosender bundesweit auf der gleichen Frequenz – das verspricht das digitale Radio DAB+. Doch wie ausgereift ist eine Technik, die für eine Demonstration sogar teils abgeschaltet werden musste?

In mehr als 40 Ländern wird das digitale Radio bislang schon eingesetzt. Damit kommen etwa 500 Millionen Hörer in den digitalen Hörgenuss. Dazu zählen Länder wie die Schweiz, Belgien, Dänemark, England oder Australien. In Italien, Frankreich und Kanada werden bisher nur einzelne Regionen abgedeckt. Nach einem Testbetrieb stellte Österreich das Digital Radio allerdings auch wieder ein, da es sich gegenüber klassischem UKW-Empfang bislang nicht durchsetzen konnte. Seit August 2011 senden die ersten Radiosender in Deutschland auch über die neueste sogenannte DAB+-Technik. Das „Digital Audio Broadcasting“, kurz DAB, ist ein digitaler Übertragungsstandard für terrestrischen Empfang von Digitalradio. Dabei wird der gesamte Frequenzbereich von 30 MHz bis 3 GHz abgedeckt, sodass auch die Hörfunkprogramme über Kabel und Satellit empfangen werden. DAB wurde als europäischer Standard entwickelt.

Das neue, verbesserte DAB+ ermöglicht ein effizienteres Kanalcodierungs- und Kompressionsverfahren. Damit kann auch bei einer geringeren Sendeleistung dieselbe klare Empfangsqualität erreicht werden. Neben den klassischen UKW-Programmen vergrößert sich die Vielfalt der Programme, da einige neue Programm ausschließlich digital angeboten werden. Dennoch senden bei weitem noch nicht alle Radiosender auch digital, sodass im Zweifel der Lieblingssender „nur“ weiterhin auf klassischem UKW-Empfang verbreitet wird. Da bisher nur wenige Hörer sich ein neues, teureres Radio mit Digitaltechnik gönnen, ist die Verbreitung aktuell dementsprechend gering. Daher zögern viele Sender auch mit dem Umstieg auf den neuen Verbreitungsweg. Neben dem Audio-Signal erhält der Hörer zusätzliche Informationen wie beispielsweise zum Programm, zum aktuellen Musiktitel, dem Album-Cover oder eine Blitztabelle bei der Fußballberichterstattung. Der reine Empfang verursacht dabei keine zusätzlichen Kosten – dennoch benötigen die Hörer neue Empfangsgeräte, die meist über den Verkaufspreisen der bisher üblichen Radios liegen. Voraussetzung ist der Empfang des DAB+Standard, in dem die neuen Digitalradio-Programme ausgestrahlt werden. Dabei ist die Sende-Versorgung teils stark regional unterschiedlich.

Radio-Programme können bundesweit ausgestrahlt werden. Autofahrer müssen beispielsweise nicht mehr nach neuen Sendern suchen, wenn sie das klassische Sendegebiet verlassen. Obwohl das Rauschen auf dem digitalen Verbreitungsweg der Vergangenheit angehört, ist der sichere Empfang trotzdem nicht immer gewährleistet. Entweder ist der Radioempfang glasklar oder bricht bei möglichen Störungen komplett ab. Dies kennen Fernsehzuschauer vom DVB-T-Empfang. Der bundesweite Ausbau für den nationalen DAB+-Empfang läuft zurzeit, sodass beispielsweise Pendler auf Autobahnen „durchhören“ könnten und ihre Lieblingssender stets unterwegs empfangen – solange diese Sender überhaupt auch digital senden und das digitale Signal nicht doch unterwegs abricht. Viele Programmchefs zögern noch mit dem weiteren Verbreitungsweg, da bislang nur wenige Hörer die technischen Voraussetzungen erfüllen. Viele Autohersteller arbeiten außerdem am mobilen Internetempfang im Auto, sodass auch Web-Radios dem DAB+ Konkurrenz machen.

Wo viel Licht ist, ist auch Schatten: So klagen einige Fernsehzuschauer über Störungen auf verschiedenen TV-Kanälen. Diese Kabel-Störungen sind aus Sicht der Bundesnetzagentur nicht als “Störsender” zu verstehen. Immerhin werden die Sendefrequenzen und Sendeleistungen präzise festgelegt, um Doppelbelegungen zu vermeiden. Das Problem liegt meist eher bei den Kabelnetzbetreibern und den TV-Zuschauern selbst, die noch veraltete Technik nutzen. Ein Kanalwechsel der betroffenen TV-Sender oder neue Digitalkabel, die besser abgeschirmt sind, könnten Abhilfe schaffen. Doch auch die Polizei hat mit massiven Problemen zu kämpfen: Durch das neue Radiosignal werden zum Teil die analogen Funkgeräte der Polizei gestört. Bei einer Großdemonstration mit großem Polizeieinsatz musste daraufhin das digitale Radiosignal in Dortmund temporär abgeschaltet werden. Das entschied die Bundesnetzagentur, die selbst über die Sendefrequenz-Vergabe wacht und damit kurioserweise zuvor auch die DAB-Sendefrequenzen mit anderen Funkdiensten koordinierte. Ursache einer möglichen Störung seien die veralteten analogen Funkgeräte der Polizei, die noch nicht durch die neuen digitalen Geräte ersetzt wurden. Frühestens 2012 seien die digitalen Funkgeräte bundesweit geplant. Damit zählt Deutschland weltweit zu Schlusslichtern. Obwohl die Sicherheit vorgehe, wurden vermehrt kritische Stimmen über die eingeschränkte Rundfunkfreiheit laut: „Dieser Zustand ist nicht hinnehmbar und muss ein Einzelfall bleiben. Es kann nicht sein, dass die Interessen der Sicherheitsbehörden gegen die der Radiohörer ausgespielt werden”, so Helmut G. Bauer, der Geschäftsführer der DRD Digitalradio Deutschland GmbH, die die privaten Programmveranstalter vertritt. Der Polizeifunk und DAB+ nutzen die nah benachbarten Frequenzen. Der Polizeifunk sendet zwischen den Frequenzen 168 und 174 MHz. DAB+ arbeitet zwischen 174 und 230 MHz. Damit beträgt der Abstand bei einigen Kanälen, wie beispielsweise in Nordrhein-Westfalen, nur 0,18 MHz, sodass die Gefahr einer Störung steigt.

Doch was ist mit dem Vorteil einer bundesweiten Vermarktung von Funkwerbung? Der wirtschaftliche Vorteil dieser nationalen Werbezeiten kann bisher wohl noch keine besondere Relevanz entfalten, da bislang noch keine nachweisbare Verbreitung von DAB+-Empfängern fest steht. DAB+ konkurriert zudem weiterhin mit UKW-Radios und Web-Streams. Zudem galt bislang die Radio-Weisheit: Von Natur ist Radio lokal – zumindest bislang.

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