Interview

Luke über seine «Fernsehgarten»-Nummer: ,Wir haben die Auflösung komplett überschätzt'

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Im zweiten Teil unseres großen Interviews mit Luke Mockridge reden wir über die neuen Folgen seiner Schul-Show und seinen umstrittenen Auftritt im «ZDF-Fernsehgarten» im letzten Sommer.

Teil eins unseres großen Interviews mit Luke Mockridge

"Ich wollte mal so eine Anti-TV-Show machen. Rückblickend ist das vielleicht eine arrogante Sichtweise gegenüber so einer Fernsehsendung, aber die Show entstand tatsächlich aus so einer ,Lass doch einfach mal machen‘-Idee heraus und wer nicht wagt, der nicht gewinnt", sagt Luke Mockridge über die Entstehung
der Vorabendshow «Luke, allein zuhaus». Den gesamten ersten Teil unseres Gesprächs mit dem 31-Jährigen lesen Sie hier.
Luke Mockridge, «Luke! Die Schule und ich» geht bereits in seine vierte Staffel – ein Kunststück, das längst nicht jede Marke schafft. Was ist Ihrer Meinung nach das Erfolgsrezept der Show?
Innerhalb von «Luke! Die Woche und ich» haben wir schon früh Interviews mit Kindern gemacht, die beim Zuschauer sehr gut ankamen. Von daher war uns immer klar: Wir wollen mal etwas mit Kids machen, aber nicht dieses ,Erwachsener versagt mit Absicht und Kind kann glänzen', sondern eine Show, bei der Erwachsene und Kinder auf Augenhöhe stehen und beide wirklich gewinnen wollen. Ich finde es auch immer wieder toll, wenn der Zuschauer bei uns an Schulstoff erinnert wird und dann vor dem TV anfängt zu grübeln. Wie war das denn nochmal mit der Hypotenuse in Mathe? Wann war nochmal die französische Revolution? Wenn die 12-jährige Tochter auf dem Sofa etwas weiß, was der Vater nicht mehr weiß – dann haben wir genau das erreicht, was wir schaffen wollen. Dieses ,Ach, du Scheiße wie ging das nochmal'-Gefühl ist glaube ich ein großer Teil des Erfolgsgeheimnisses.

Was manch einer womöglich nicht weiß: Die Fragen werde in Abstimmung mit einem Schulbuch-Verlag erarbeitet…
Genau, wir arbeiten weiterhin eng mit dem Stark-Verlag zusammen. Es bleibt natürlich eine Fernseh-Show, und wir brauchen an manchen Stellen Elemente, die mehr auf Unterhaltung schielen. Aber größtenteils beschäftigen wir uns mit Schul-Stoff, der in den jeweiligen Stufen vorkommt.

Was wird in dieser Staffel anders sein?
Wie alle anderen Shows zurzeit haben wir kein Publikum und wir haben diesmal die Kinder zu Hause gelassen. Stattdessen lassen wir jetzt zwei Promi-Teams gegeneinander antreten, wobei zwei Promis für die Schulen spielen, die hätten da sein sollen. Aber die Kids sind per Facetime zugeschaltet, drücken die Daumen auf digitalem Weg. Und zu Hause müssen sie parallel ein paar ,Hausaufgaben' live erledigen, einer musste z.B. während der Show zehn Kilometer laufen und meinen Rekord knacken. Es funktioniert erstaunlich gut, wir machen noch immer eine informative und launige Sendung!

Und auch ohne Publikum hat das dramaturgisch funktioniert?
Ohne Publikum ist es schon eine andere Art von Show, das habe ich auch gemerkt, als ich im Ratepanel von «The Masked Singer» zu Gast war. Zugleich ist man aber dadurch mehr bei sich und bei dem, was auf der Bühne passiert. Ich denke, dass es dem Unterhaltungswert der Show keinen elementaren Abbruch tut, nein.

Ich wusste immer, dass es eines Tages stürmisch werden würde. Rückblickend bin ich froh, dass es eine selbstgemachte Delle war, eine Aktion von mir ausgehend, und keine Boulevard-Nummer, auf die man dann nur reagieren kann. Wir haben schlichtweg die Auflösung komplett überschätzt. Mein Plan war es zu sagen: HA HA! Die Kinder waren’s, wie sympathisch, wie süß. Der ganze Aufriss wegen nix. Naiver Weise dachte ich, die Presse würde meiner Dramaturgie folgen. Sehr naiv.
Luke Mockridge über seinen kritisierten «Fernsehgarten»-Auftritt
Lange Zeit ging es für Sie im TV nur aufwärts, die Quoten stiegen und die Medien-Kritiken waren überwiegend positiv. Im letzten Jahr die kleine Wende: Die «Greatnightshow» lief mitunter mäßig, zugleich kritisierten viele Ihren Auftritt im Fernsehgarten. Wie schauen Sie auf das letzte Jahr zurück?
Eigentlich recht nüchtern. Ich trenne Job und echtes Leben. Ich halte mich nicht so sehr an Dingen auf und versuche stattdessen, weiterzumachen. Es lief aber zu lang zu gut. Ich wusste immer, dass es eines Tages stürmisch werden würde. Rückblickend bin ich froh, dass es eine selbstgemachte Delle war, eine Aktion von mir ausgehend, und keine Boulevard-Nummer, auf die man dann nur reagieren kann. Wir haben schlichtweg die Auflösung komplett überschätzt. Mein Plan war es zu sagen: HA HA! Die Kinder waren’s, wie sympathisch, wie süß. Der ganze Aufriss wegen nix. Naiver Weise dachte ich, die Presse würde meiner Dramaturgie folgen. Sehr naiv.

Was meinen Sie damit, dass Sie mehr Auflösung überschätzt hätten?
Als der Stunt gemacht war und ich merkte, wie diese riesige Welle kommt, dachte ich mir: Geil – und wir haben diese zuckersüße, total ungefährliche Auflösung in der Hand, die wir jetzt ein paar Wochen unter Verschluss halten und dann voll ausspielen. Die Aufmerksamkeit auf meiner Show war gigantisch. Ich dachte, ich gewinne damit alle verlorene Sympathie zurück, aber die Meinung hatte sich schon zementiert. Es gab zwar viele positive, aber noch mehr negative Schlagzeilen. Wie immer waren die negativen lauter.

Ich kann mich, wie schon geschehen, nochmal entschuldigen, wenn sich jemand von meinem Auftritt angegriffen oder beleidigt gefühlt hat - auch gegenüber den Kollegen vom ZDF, das sollte keine unkollegiale Nummer sein. Das alles ist viel größer geworden, als ich das vorhatte und das Ausmaß tut mir leid.
Luke Mockridge über die Diskussionen zu seinem «Fernsehgarten»-Auftritt
Bereuen Sie den Fernsehgarten-Auftritt im Nachhinein?
Nein! Generell im Leben nicht. Ich kann mich, wie schon geschehen, nochmal entschuldigen, wenn sich jemand von meinem Auftritt angegriffen oder beleidigt gefühlt hat – auch gegenüber den Kollegen vom ZDF, das sollte keine unkollegiale Nummer sein. Das alles ist viel größer geworden, als ich das vorhatte und das Ausmaß tut mir leid. Der Anfang einer Karriere besteht darin, dass einen nur Leute kennen, die einen mögen. Fans halt. Der ganze Rest kennt dich nicht oder du bist ihm egal. Plötzlich war ich aber omnipräsent und es fühlte sich an, als ob jeder eine Meinung zu mir und meiner Arbeit hatte. Dass das aber in mir nichts verändern darf, dauert einen Moment oder zwei. Es war eine kleine, süße Idee, die komplett von den Schienen geflogen ist. Aber gut, das liegt jetzt auch in der Vergangenheit. Mal gewinnt man, mal verliert man. Unterm Strich: Ich find's immer noch lustig.

Gibt es eigentlich schon einen Comeback-Termin für die «Greatnightshow»?
Natürlich! Und ich freue mich drauf.

Ein Genre, das Sie bislang noch nie mit einem eigenen Format bedient haben, ist Musik. Sie haben schon früher mal gesagt, Sie könnten sich das gut vorstellen - und es wäre bei Ihnen ja auch naheliegend. Wann nehmen Sie das in Angriff?
Sobald die Idee da ist! Solange das Konzept noch nicht steht, würde ich das noch nicht machen.

Wir sind gespannt! Danke für das Gespräch, Luke Mockridge.

Der Startschuss für die vierte Staffel von «Luke! Die Schule und ich» fällt an diesem Freitag, 17. April, um 20.15 Uhr in Sat.1

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