Interview

‚Ohne das richtige Timing gibt es keinen audiovisuellen Humor‘

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In der ARD-Komödie «Rosen und Reis» gerät Oliver Wnuk als Sören in einen Strudel aus verletztem Stolz, Dating-Apps und emotionalem Chaos. Im Interview spricht der Schauspieler über Timing in der Komödie, moderne Beziehungen und warum Ensemblefilme nur funktionieren, wenn wirklich alles zusammenpasst.

Herr Wnuk, in «Rosen und Reis» spielen Sie Sören, der nach einem Seitensprung seiner Frau selbst in Versuchung gerät. Was hat Sie an dieser Figur besonders gereizt?
Das Ensemble. Bei dem Vorgänger, dem NDR-Silvester Kurzfilm «Käse & Blei» durfte ich schon mit diesen Kollegen spielen und es war wunderbar. Dieses Mal kam noch Victoria Trauttmansdorff hinzu, die ich schon viele Jahre aus der gemeinsamen Arbeit an «Nord Nord Mord» kenne. Roberts Drehbuch ist wie schon bei «Käse & Blei» äußerst genau und präzise als gelungene Komödie skizziert.

Sören bewegt sich zwischen Verletztheit, Trotz und einer gewissen Selbstironie. Wie haben Sie diesen emotionalen Spagat angelegt?
Keine Ahnung. Ich spiele die Situationen. Mehr habe ich als Schauspieler nicht zu tun. Gutes Drehbuch, gute Regie = gutes Spiel. Talent vorausgesetzt.

Der Film stellt die Frage, ob Gleiches mit Gleichem vergolten werden kann. Was sagt die Geschichte Ihrer Meinung nach über moderne Beziehungen aus?
Gleiches mit Gleichem zu vergelten ist natürlich Quatsch. Das stillt, wenn überhaupt, nur das labile Ego. Verletzte Egos sind nicht alltagstauglich, jedoch eine gute Prämisse für eine Komödie.

Ihre Figur stürzt sich in die Welt der Dating-Apps. Wie komisch – oder vielleicht auch tragisch – ist dieser Versuch, verlorenes Selbstbewusstsein zurückzugewinnen?
Ich weiß nicht, ob Internetdating in Zusammenhang mit verlorenem Selbstbewusstsein steht. Laut Statista tummeln sich derzeit 7,5 Millionen Deutsche auf diesen Plattformen herum. Laut ElitePartner Studie 24/25 haben sich immerhin 41% der Paare, die seit maximal fünf Jahren liiert sind, online getroffen. Onlinedating scheint sich in der Mitte der Gesellschaft etabliert zu haben.

Viele Szenen leben von peinlichen, fast eskalierenden Situationen. Wie wichtig ist Timing für diese Art von Beziehungskomödie?
Nun, Timing ist der Grundpfeiler der Komödie. Ohne das richtige Timing gibt es keinen audiovisuellen Humor.

Mit Anneke Kim Sarnau verbindet Sie im Film eine sehr dynamische Paarbeziehung. Wie haben Sie gemeinsam diese Mischung aus Konflikt und Vertrautheit entwickelt?
Anneke und ich sind als Spieler recht different. Und das mag vielleicht auch der Grund sein, warum man uns so gerne bei Spiel zuguckt. Wir wirken, wie vom Leben wild zusammengewürfelt – trotz der großen Unterschiedlichkeit wirken wir in diesen abstrusen Situationen authentischer und liefern den Zusehern Identifikationsfläche.

Sören landet schließlich ausgerechnet mit der besten Freundin seiner Frau im Bett. Wie haben Sie diese Wendung gespielt, ohne die Figur unsympathisch werden zu lassen?
Über Sympathie oder Nicht-Sympathie mache ich mir keine Gedanken. Ich spiele die Situation und agiere aus der Psychologie der Figur heraus. Wie der Zuschauer wertet, obliegt seinem jeweiligen moralischen Kompass.

Der Film zeigt mehrere Paare mit ganz unterschiedlichen Beziehungsmodellen. Was macht aus Ihrer Sicht den Reiz eines solchen Ensemblefilms aus?
Das Drehbuch, die Produktionsbedingungen und wie die Regie es schafft, die Spielweisen und Qualitäten der Spieler in einen homogenen Rahmen zu fassen. Meiner Meinung nach hat hier alles ziemlich gut gepasst. Recht selten, wenn ich ehrlich bin.

Neben den emotionalen Konflikten steht auch eine große, fast überinszenierte Hochzeit im Mittelpunkt. Wie wichtig ist dieser Kontrast für die Komik der Geschichte?
Es erhöht den emotionalen Druck der Figuren. Es gibt ein Event, an das unterschiedliche Erwartungen geknüpft sind. Solch ein Familienfest ist ja per se schon emotional aufgeladen und birgt immer viel Konfliktpotenzial.

Ihre Figur wirkt manchmal überfordert von der Situation, trifft aber trotzdem impulsive Entscheidungen. Ist Sören eher Getriebener oder jemand, der bewusst Grenzen überschreitet?
Eigentlich sucht er wohl nach Bedeutung: Bei seiner Frau, als Mann sehnt er sich nach Bestätigung und in seiner Ehe einen Strohhalm, wieder ein respektvolles Miteinander zu führen, das auf Exklusivität und gegenseitige Anziehung gebaut ist.

Sie sind sowohl als Schauspieler als auch als Autor bei anderen Projekten tätig. Verändert das Ihren Blick auf Figuren wie Sören?
Klar. Ich lese Drehbücher aus beiden Perspektiven heraus. Schlussendlich muss mich etwas so faszinieren, dass ich meine Profession vergesse, sonst stimmt meistens etwas nicht. Nachdem ich bald 30 Jahre in dem Geschäft bin, langweilen mich leider viele Dinge. In meinen Augen funktioniert wenig in Gänze. Vieles wird durch mangelnden Mut bzw. budgetäre Grenzen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner herunter gebügelt. Bei «Rosen und Reis» hatte ich jedoch nichts zu meckern.

Wenn Zuschauer den Film gesehen haben: Was sollten sie über Liebe, Treue und zweite Chancen vielleicht neu hinterfragen?
Das kommt drauf an, wo sie vorher gestanden haben. Geht es bei der Liebe mehr um die Stillung der eigenen Bedürfnisse oder tatsächlich um mein Gegenüber. Bin ich von der Angst getrieben, alleine alt zu werden? Kann ich mit dem sozialen Status umgehen, Single zu sein? Was interessiert mich tatsächlich an meinem Partner oder geht es eher darum, mich zu lieben, wenn ich mit jemandem zusammen bin. Alles Themen, über die ich auch in meinem neuen Buch „Besser wird’s nicht“ schreibe (Lappan-Verlag, 16€) und womit ich bis Ende 2027 noch in über 60 deutschsprachigen Städten auftrete. Tickets gibt’s auf www.oliverwnuk.de

Viel Erfolg!

«Rosen und Reis» wird am Freitag, den 22. Mai, um 20.15 Uhr ausgestrahlt. Der Film ist ab 19. Februar in der ARD Mediathek.

Kurz-URL: qmde.de/171752
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