Ja, ein gewisser Erwartungsdruck ist natürlich da – vor allem, wenn der erste Film so viele Menschen erreicht hat. Gleichzeitig sehe ich das eher als Motivation. Wir wissen, dass die Figur Jan Schäfer und die Geschichte viele Zuschauerinnen und Zuschauer berührt haben, und genau daran wollten wir anknüpfen. Unser Ziel war nicht, den ersten Film einfach zu wiederholen, sondern die Figur weiterzuentwickeln und ihr neue Facetten zu geben. Wenn man sich darauf konzentriert, eine gute Geschichte zu erzählen und die Figuren ernst zu nehmen, hilft der Erfolg des ersten Teils eher, als dass er belastet.
Jan Schäfer ist ein charismatischer Einzelkämpfer – diesmal wird er jedoch stärker mit seinen eigenen biografischen Bruchstellen konfrontiert. Wie verändert das die Figur?
Die Konfrontation mit den eigenen biografischen Bruchstellen macht Jan Schäfer in diesem zweiten Fall deutlich verletzlicher und gleichzeitig menschlicher. Im ersten Film haben wir ihn vor allem als sehr kontrollierten, professionellen Beschützer erlebt – jemand, der funktioniert, der seine Aufgabe erfüllt und seine Gefühle eher im Hintergrund hält. Wenn nun Aspekte seiner eigenen Vergangenheit stärker an die Oberfläche kommen, gerät dieses kontrollierte System ein Stück weit ins Wanken. Das zwingt ihn, sich mit Dingen auseinanderzusetzen, die er vielleicht lange weggeschoben hat. Dadurch entstehen innere Konflikte, die man als Zuschauer viel stärker spürt. Für die Figur bedeutet das eine Entwicklung: Jan Schäfer bleibt zwar der entschlossene Einzelkämpfer, aber man versteht besser, woher seine Härte kommt und was sie ihn persönlich kostet. Diese Brüche machen ihn letztlich komplexer – und, so hoffe ich, auch nahbarer.
In diesem Fall geht es um hochbrisante Wasserstoff-Forschung und internationale Geheimdienste. Wie wichtig war es Ihnen, die politische Dimension glaubwürdig zu erden?
Wenn eine Geschichte mit Themen wie Wasserstoff-Technologie, internationalen Interessen und Geheimdiensten arbeitet, besteht immer die Gefahr, dass sie zu abstrakt oder zu spektakulär wird. Für mich als Schauspieler funktioniert so etwas aber nur, wenn es emotional und menschlich geerdet ist. Deshalb habe ich versucht, die politische Dimension vor allem über die Perspektive meiner Figur zu erzählen. Jan Schäfer ist kein Politiker und kein Wissenschaftler – er ist jemand, der Menschen schützt und plötzlich in ein Geflecht aus Interessen gerät, dass viel größer ist als er selbst. Für mich lag der Schlüssel darin zu zeigen, wie ein einzelner Mensch auf diese Kräfte reagiert: mit Verantwortung, Zweifel und dem Versuch, trotzdem das Richtige zu tun. Wenn diese menschliche Ebene stimmt, wird auch die große politische Dimension für das Publikum glaubwürdig.
Schäfer lockert professionelle Grundsätze, um das Vertrauen eines rebellischen Teenagers zu gewinnen. Wo liegt für ihn die Grenze zwischen Nähe und Kontrollverlust?
Für mich war das eine der spannendsten Fragen an der Figur in diesem Fall. Jan Schäfer ist eigentlich jemand, der sehr klare professionelle Grenzen hat – das gehört zu seinem Beruf und zu seiner Art zu funktionieren. Nähe kann in seinem Job schnell zu einem Risiko werden. In der Begegnung mit diesem rebellischen Teenager merkt man aber, dass er versteht: Reine Kontrolle oder Distanz funktioniert hier nicht. Um Vertrauen aufzubauen, muss er ein Stück weit von seinen üblichen Regeln abrücken und sich menschlich öffnen. Beim Spielen habe ich versucht zu zeigen, dass er dabei ständig innerlich abwägt – wie weit er gehen kann, ohne die Situation oder sich selbst zu verlieren. Die Grenze liegt für ihn dort, wo Nähe seine Urteilsfähigkeit beeinträchtigen würde. Schäfer darf empathisch sein, aber er darf nicht vergessen, dass er letztlich verantwortlich ist – für die Sicherheit des Jungen und für das größere Ganze. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich die Figur in diesem Fall.
Der Titel „Wissen, das tötet“ deutet auf eine gefährliche Macht von Information hin. Ist dieser Fall für Sie eher ein Actionthriller oder ein moralisches Drama?
Für mich ist es tatsächlich beides. Natürlich hat der Film klare Elemente eines Actionthrillers – es gibt Verfolgung, Druck, Gefahr, und die Geschichte entwickelt eine große Spannung. Das gehört zum Genre und trägt die Handlung. Aber was mich als Schauspieler besonders interessiert hat, ist die moralische Ebene dahinter. Der Titel „Wissen, das tötet“ stellt ja im Kern die Frage: Was passiert, wenn Wissen eine Macht bekommt, die Menschen gefährden kann? Wer darf darüber verfügen, und wer entscheidet, was damit geschieht? Für Jan Schäfer wird der Fall deshalb mehr als nur ein Einsatz. Er muss sich immer wieder fragen, was richtig ist – nicht nur taktisch, sondern auch moralisch. Insofern ist der Film für mich ein Thriller, der gleichzeitig ein moralisches Drama erzählt. Genau diese Verbindung macht die Geschichte spannend.
Mit Paula Essam bekommt Schäfer eine selbstbewusste und zugleich verschlossene Kollegin an die Seite. Wie entwickelt sich die Dynamik zwischen Schäfer und Freuding?
Die Dynamik zwischen Schäfer und Freuding beginnt mit einem vorsichtigen Abtasten. Beide sind starke Persönlichkeiten, die sich nicht sofort in die Karten schauen lassen. Ich habe versucht zu zeigen, wie Schäfer von Anfang an aufmerksam ist – er spürt, dass da mehr sein könnte. Im Verlauf arbeiten die beiden zwar mit wachsendem Respekt zusammen, doch es bleibt eine unterschwellige Spannung. Für Schäfer bedeutet das, dass er trotz aller professionellen Nähe stets wachsam bleibt. Ohne zu viel zu verraten, zeigt der Film am Ende, dass Schäfers Intuition nicht unbegründet war – und genau das macht die Dynamik der beiden so brisant.
Der Film führt Schäfer an einen Ort seiner Verwundbarkeit. War es Ihnen wichtig, auch die private Seite des «Beschützers» stärker zu zeigen?
Ja, das war mir tatsächlich sehr wichtig. Im ersten Film erlebt man Jan Schäfer vor allem in seiner Funktion – als jemand, der schützt, der Situationen kontrolliert und der sehr stark über Professionalität definiert ist. Das ist natürlich ein wichtiger Teil der Figur. Im zweiten Fall fand ich es spannend, ihn an einen Punkt zu führen, an dem diese professionelle Rüstung ein Stück weit aufbricht. Wenn man sieht, wo seine eigenen Verletzlichkeiten liegen, versteht man auch besser, warum er so handelt, wie er handelt. Für mich als Schauspieler entsteht genau dort Tiefe: wenn man hinter die Funktion schaut und den Menschen dahinter sichtbar macht. Deshalb war es mir wichtig, auch diese private oder persönlichere Seite anzudeuten – nicht, um die Figur zu erklären, sondern um sie für das Publikum noch greifbarer zu machen.
Die Reihe stellt die Frage, wie weit man gehen darf, um Menschen zu schützen. Gibt es Momente, in denen Schäfer moralisch ins Wanken gerät?
Ja, die gibt es auf jeden Fall. Gerade in diesem Fall gerät Schäfer immer wieder in Situationen, in denen es keine eindeutig richtige Entscheidung gibt. Sein Beruf verlangt von ihm, Menschen zu schützen und Gefahren abzuwenden – aber die Mittel, die ihm dabei zur Verfügung stehen, bewegen sich manchmal in einem moralischen Graubereich. Beim Spielen habe ich versucht, genau diese Momente sichtbar zu machen: Augenblicke, in denen Schäfer kurz innehält und abwägt, ob das, was er gerade tut, wirklich noch seinem eigenen moralischen Kompass entspricht. Er ist kein zynischer Charakter, der einfach nur funktioniert. Er hat einen starken inneren Wertekanon – und gerade deshalb bringen ihn bestimmte Entscheidungen ins Wanken. Für mich liegt darin auch eine der spannenden Fragen der Reihe: Wie weit darf man gehen, um Menschen zu schützen – und was passiert mit einem selbst, wenn man diese Grenze überschreitet?
Wanda Perdelwitz ist hier in einer ihrer letzten Rollen zu sehen. Wie haben Sie die gemeinsame Arbeit erlebt?
Die Arbeit mit Wanda war sehr besonders. Sie brachte eine große Präsenz und gleichzeitig eine enorme Sensibilität mit, die man sofort spürte, wenn man mit ihr spielte. Was ich an der Zusammenarbeit besonders geschätzt habe, war diese Mischung aus Professionalität und Leichtigkeit am Set. Ihr Humor und ihr immerwährendes Strahlen hat mich sehr beeindruckt. Das werde ich immer in Erinnerung behalten und ich bin dankbar dafür, sie kennengelernt zu haben und mit ihr arbeiten zu dürfen.
Wenn das Publikum nach diesem Film über Jan Schäfer spricht – was soll hängenbleiben: der Actionheld, der….
Ich glaube, im Idealfall eine Mischung aus all diesen Facetten. Natürlich hat Jan Schäfer etwas von einem klassischen Actionhelden – er ist jemand, der in Extremsituationen handlungsfähig bleibt und Verantwortung übernimmt. Das gehört zu dieser Figur. Schäfer ist stark, weil er genau weiß, wofür er steht – doch diese Klarheit hat er, weil er sich seiner eigenen Dunkelheit stellt. Indem er seine Schatten annimmt und seinen Verletzlichkeiten begegnet, entsteht dieser innere Kompass. Das ist es, was ihm letztlich die Stärke verleiht. Am Ende bleibt also hoffentlich die Erinnerung an einen Menschen, der stark ist, weil er sich selbst erkennt – mit allem Licht und Schatten.
Danke für das Gespräch!
«Der Beschützer» ist am Samstag, den 21. März, um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen. „Wissen, das tötet“ ist ab 19. März in der ARD Mediathek abrufbar.







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