Gereizt hat mich, neben Doros Uneitelkeit und ihrem Humor, genau das. Sichtbar machen zu können, dass sich Frauen heutzutage meist immer noch zwischen Familie und Karriere entscheiden müssen. Doro trifft auf ihre männlichen Kollegen von früher. Sie haben auch Familie, aber zusätzlich all die kleinen Sternchen an der Schulterklappe. Sie mussten sich nicht entscheiden.
Ihre Figur trifft mit Chiara Locatelli auf eine deutlich jüngere Vorgesetzte. Wie haben Sie diese Macht- und Generationendynamik angelegt, ohne sie in Konkurrenz oder Klischees kippen zu lassen?
Es freut mich sehr, dass sie das so lesen. Tatsächlich war das ein großes Ansinnen beim Dreh. Die Figuren waren ursprünglich etwas konfliktreicher angelegt. Beim Casting entschied man sich allerdings bewusst für Maria und mich, da unsere Konstellation etwas Harmonisches hatte. So bekamen Chiara und Doro eine Unterschiedlichkeit, die auf gegenseitigem Respekt und Akzeptanz fußt anstatt auf Zickenkrieg. Harmonie ist nicht langweilig. Auch, wenn das Fernsehen oft genau davor Angst hat.
Doro stellt sich immer wieder die Frage, ob sie sich als Mutter in Lebensgefahr bringen darf. Wie zentral war dieser innere Konflikt für Ihre Rollenarbeit?
Ich denke, diese Frage hat sie sich längst beantwortet. Aus Fernseh-Krimis kennen wir die Spannungsmomente, in denen Kommissare wider besseres Wissen alleine in ein ungesichertes Haus schleichen. Da stellen sich bei den echten Polizisten im Publikum stets die Nackenhaare auf. Doro legt großen Ehrgeiz an den Tag, wenn es darum geht, die Fälle zu lösen, dennoch vergisst sie ihre Verantwortung ihrer Familie gegenüber nicht. Für mich machte es die Arbeit einfacher! Auch hier keine Gefahr, Doro mit anderen von mir verkörperten Polizistinnen zu verwechseln.
«Mordufer» verbindet klassische Kriminalfälle mit Themen wie Schönheitschirurgie, Weinbau oder Grenzkriminalität. Was macht für Sie den besonderen Reiz dieser thematischen Bandbreite aus?
Zum einen spiegelt das wunderbar wider, was die Bodenseeregion hergibt. Weinbau und Grenzregion liegen ja auf der Hand. Als ich kürzlich über das Wort ‚Bodenseenase‘ in dem Buch Wie wir so schön wurden von Rabea Weihser gestolpert bin, dachte ich mir: auch mit der Beautyklinik sind wir also spot on.
Die thematische Vielfalt ist auch genau die Schnittstelle zwischen mir als Schauspielerin und Kommissarin. Ich liebe meinen Beruf ob seines Abwechslungsreichtums. Ist es nicht aufregend, einfach mal in die verborgenen Ecken eines Weinkellers zu gehen oder einen OP? Ich habe auch schon ganze Drehtage in einem Atomkraftwerk zugebracht. Eine Polizistin sucht sich auch nicht aus, wohin sie gerufen wird. An die Bahnhofstoilette oder die Millionärsvilla.
Die Serie setzt stark auf den Kontrast zwischen landschaftlicher Idylle und menschlichen Abgründen. Wie beeinflusst eine so präsente Naturkulisse Ihr Spiel als Schauspielerin?
Die Präsenz der Landschaft ist natürlich Werk der Montage und nicht direkter Teil unseres Spiels. Was unsere Arbeit allerdings auf jeden Fall beeinflusst hat, ist die unglaubliche Lebensqualität, die auch uns zwei Monate lang zu Teil wurde. Da arbeiten, wo andere Urlaub machen. Nach dem Drehschluss noch schnell in den See hüpfen. Das machte auf jeden Fall viel unserer grundpositiven Stimmung am Set aus.
Doro vertraut stark auf ihre Intuition und Menschenkenntnis. Würden Sie sagen, sie ermittelt eher mit Erfahrung als mit moderner Technik – und macht sie das manchmal angreifbar?
Ich denke, auf beides kann man sich nicht blind verlassen und so sehen wir auch, wie beide Ermittlerinnen mit ihren Methoden an ihre Grenzen geraten. Zum Glück ergänzen sie einander blendend.
Im Vergleich zu vielen Großstadtkrimis wirkt «Mordufer» entschleunigter, aber nicht harmloser. War es eine bewusste Entscheidung, Spannung anders zu erzählen?
Ja. Es gibt nunmal einen großen Reichtum an Krimis und der Wunsch, sich da abzuheben, war auf jeden Fall größer als etwas nach zu erzählen. Nur, weil Polizisten einen wahnsinnig fordernden Beruf haben und immer wieder mit Extremsituationen konfrontiert werden, heißt das noch lange nicht, dass sie auch ein exzentrisches oder spannendes Privatleben haben. Das ‚normale’ Leben, in das Doro jetzt so etwas exotisches wie Mordermittlungen reinholt, geht weiter.
Ihre Figur ist ehrgeizig, aber nicht karrierefixiert im klassischen Sinn. Ist Doro Beitinger auch ein Kommentar auf veränderte Vorstellungen von Erfolg?
Das ist eine sehr gute Frage. Ich habe es primär auf ihr Muttersein und die dadurch verschobenen Prioritäten gemünzt. Ihre Lesart gefällt mir aber tatsächlich besser. Ist Erfolg eine Zahl auf dem Kontoauszug oder irgendeine andere Bestätigung von außen oder das Gefühl, mit sich und seinem Weg im Reinen zu sein?
Sie drehen in einer Region, in der andere Urlaub machen. Hat die spürbare Gastfreundschaft und Ruhe am Bodensee auch die Atmosphäre am Set geprägt?
Ja! Absolut. Während in Großstädten alle mit den Augen rollen, wenn wieder ein Parkverbotsschild für Filmdreharbeiten aufgestellt wird, hat man uns in Überlingen und Umgebung mit offenen Armen willkommen geheißen. Im Gegensatz zu einem Dreh in der Stadt, wo die meisten Teammitglieder nach Drehschluss zu ihren Familien nach Hause fahren, waren wir am Bodensee eigentlich alle zu Gast. Gemeinsames Abendessen oder Sonnenuntergang Anschauen war an der Tagesordnung, was aus uns rasch ein vertrautes und entspanntes Team gemacht hat. Klassenfahrtstimmung im besten Sinne.
Was hoffen Sie, dass das Publikum nach diesen vier Filmen über Frauen, Arbeit und Verantwortung anders betrachtet als zuvor?
Unsere Gesellschaft und die Berufswelt braucht Frauen allen Alters. Es gibt kein Zuspät für den Berufs(wieder)einstieg. Gleichberechtigung ist kein Frauenthema. Es ist mindestens genau so sehr ein Männerthema. Ein Thema unserer Gesellschaft und Politik. Solange es attraktiver für Familien ist, dass die Mütter, nicht die Väter, Care-Arbeit leisten, wird sich genau das manifestieren. Doro steigt wieder voll in ihren Beruf ein und ist nicht mehr 24/7 für ihre Familie verfügbar. Ein tolles Beispiel für Mikrofeminismus wäre nun, dass die Schule ab heute nicht mehr automatisch bei Doro anruft, sondern beim Vater!
Danke für die tollen Schlussworte!
«Mordufer» ist ab Freitag, 6. März, um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.







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