Die glorreichen 6

Die glorreichen 6: Kurz und knapp - Filme unter 90 Minuten (Teil V)

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Sie stehen oftmals im Schatten dreistündiger Epen und fünfteiliger Filmreihen – dabei sind kurze Filme mindestens genauso beeindruckend. Diese Staffel "Die glorreichen 6" befasst sich mit Geschichten unterhalb einer Laufzeit von 90 Minuten. Heute: Wir beenden diese Staffel mit «5 Zimmer, Küche, Sarg».

Die Handlung


Filmfacts: «5 Zimmer, Küche, Sarg»

  • Skript und Regie: Jemaine Clement, Taika Waititi
  • Darsteller: Jemaine Clement, Taika Waititi, Cori Gonzalez-Macuer, Jonny Brugh, Stu Rutherford, Ben Fransham
  • Kamera: Richard Bluck, D.J. Stipsen
  • Schnitt: Tom Eagles, Yana Gorskaya, Jonathan Woodford-Robinson
  • Musik: Plan 9
  • Erscheinungsjahr: 2014
  • Laufzeit: 86 Minuten
  • FSK: ab 12
Die Vampire Viago (Taika Waititi), Vladislav (Jemaine Clement), Deacon (Jonny Brugh) und Petyr (Ben Fransham) teilen sich eine Villa in Wellington. Abgesehen vom fehlenden Spiegelbild, einseitiger Ernährung und gelegentlichen Auseinandersetzungen mit Werwölfen unterscheidet sich ihr Alltag kaum von dem einer ganz normalen WG: Streitereien um den Abwasch und gemeinsame Partynächte stehen täglich auf dem Programm. Als der 8000-jährige Petyr den coolen Mittzwanziger Nick (Cori Gonzalez-Macuer) zum Vampir macht, müssen die anderen Verantwortung für den impulsiven Frischling übernehmen und ihm die Grundregeln des ewigen Lebens beibringen.

Der faszinierende Dokumentarfilm «5 Zimmer, Küche, Sarg» zeigt erstmals und mit schonungsloser Offenheit den unspektakulären Alltag einer bisher unerforschten Spezies. Unter lebensgefährlichen Drehbedingungen aber mit viel Sympathie für seine Protagonisten offenbart der Film sämtliche Facetten des Schattendaseins.

Kurz und knapp – Warum «5 Zimmer, Küche, Sarg» nicht länger sein darf


Das Besondere an «5 Zimmer, Küche, Sarg» ist die Machart. Im Großen und Ganzen soll innerhalb der neuseeländischen Produktion nämlich gar nicht gezielt eine Geschichte erzählt werden. Stattdessen geht es um die Beobachtung des Alltags, der - auf das Leben der Vampire übertragen - absolut grotesk daherkommt und bisweilen surrealistische Tendenzen besitzt. Einen Film ohne stringente Dramaturgie zu erzählen, entbehrt immer der Gefahr, dass das Publikum irgendwann abschaltet. Damit dies nicht geschieht, sollte der Rahmen des Films übersichtlich bleiben.

Im Falle von «5 Zimmer, Küche, Sarg» haben wir es mit einem Film zu tun, der ohne Abspann gerade einmal 80 Minuten lang ist. Doch um es dem Thema entsprechend kurz zu machen: Das reicht aber auch! Am Ende wissen wir, wie (echte) Vampire wirklich leben. Und um mehr geht es hier auch nicht.


Die 6 glorreichen Aspekte von «5 Zimmer, Küche, Sarg»


Lange Zeit war das Subgenre des Vampirfilms der Teenie-Romanze vorbehalten. Doch in «5 Zimmer, Küche, Sarg» widmen sich Taika Waititi und Jermaine Clement, die Inszenatoren von «Flight Of The Conchords», den Blutsaugern auf eine andere, noch viel absurderer und – besonders wichtig – nie zuvor dagewesene Art. Im Stile von «Stromberg» folgen die Filmemacher einer innerhalb einer Wohngemeinschaft zusammenlebenden Vampir-Sippe auf Schritt und Tritt und sorgen damit nicht nur für eines der großen Indie-Highlights innerhalb des modernen Horrorkinos, sondern auch eine der denkwürdigsten Produktionen Neuseelands.

Der hierzulande treffend betitelte «5 Zimmer, Küche, Sarg» (im Original noch ein wenig krypischer: «What We Do In The Shadows») nimmt sich dabei nicht bloß den Vampirfilm generell sowie dessen moderne Variationen vor, sondern zollt den Horrorikonen zugleich einen längst überfälligen Tribut. Klischees und gängige Stereotypen werden dabei munter durch den Kakao gezogen, während man davor zurückscheut, diese in Gänze der Lächerlichkeit preiszugeben. So mutiert der Film gerade für Genrefans zu einem beeindruckendenden Kuriosum, doch auch Gelegenheitskinogänger, die mit den geflügelten Nachtschwärmen per se nur wenig zu tun haben, dürften sich an der innovativen Horrorkomödie erfreuen. Dies liegt zum einen am überbordenden Ideenreichtum der Macher, zum anderen aber auch an einem Blick für Details unser aller Alltags. Ähnlich Jim Jarmuschs schwermütiger Vampirballade «Only Lovers Left Alive» ist «5 Zimmer, Küche, Sarg» keine bloße Persiflage, sondern nimmt allen voran unser durch Medien und Konsum geprägtes, modernes Leben aufs Korn.

Im Mittelpunkt steht dabei eine vierköpfige Vampir-Wohngemeinschaft, die entgegen der landläufigen Meinung mehr denn je mit ganz banalen Problemen des zusammengewürfelten WG-Lebens zu kämpfen hat. In der Küche stapelt sich seit Jahrzehnten Geschirr mit eingetrockneten Bluträndern und wenn die neue Frisur des Mitbewohners deshalb nicht sitzen möchte, weil dieser schlicht kein Spiegelbild besitzt, muss schon mal der Mitbewohner zur Stilberatung herbeieilen. Mehr möchten wir über die Story an dieser Stelle jedoch zu verraten. Am besten funktioniert «5 Zimmer, Küche, Sarg» nämlich ganz direkt durch die Konfrontation mit dem Filmgeschehen – und möglichst ohne viel Vorwissen.

«5 Zimmer, Küche, Sarg» ist auf DVD und Blu-ray erhältlich, sowie bei Amazon, Maxdome, iTunes, Wuaki, Google Play, Videobuster, VideoLoad, Videociety, Xbox Video, JUKE und Sony als Stream verfügbar.

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