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Die Quotengötter in weiß

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Ein Trend, der noch nie totzukriegen war. Arzt-Serien erleben in diesen Wochen ihren fünften oder sechsten Frühling. Derzeit profitieren aber nur die öffentlich-rechtlichen Stationen davon.

«In aller Freundschaft»-Facts

  • Bisher gezeigte Episoden: 672.
  • Sendeplatz: Dienstag, ca. 21 Uhr im Ersten
  • Titellied: Kisha – Love is enough
  • Bisherige Zuschauerzahlen im Januar: 5,80 Mio., 5,67 Mio.
  • Produktion: Saxonia Media
Es gibt Genres im deutschen Fernsehen, die sind anders als Programmfarben wie Quiz oder Daily Talk, einfach nicht tot zu kriegen. Krimis gehören da in jedem Fall dazu. Was «Kommissar Rex» in den 90ern und «Cobra 11» vielleicht im vergangenen Jahrzehnt war, sind jetzt Serien wie «Mord mit Aussicht» oder der Generationen-übergreifend so beliebte «Tatort». Eher leiser geht es da bei Serien und Reihen zu, die der Farbe Wohlfühl-Fernsehen zuzuordnen ist. Und neben ganz klassischen und von Kritikern in Regelmäßig belächelten Schmonzetten wie «Pilcher» und «Traumschiff» gehören da auch Klinik-Serien dazu.

«IaF» - ein Ostdeutsches Phänomen?

Die in Leipzig spielende ARD-Serie rund um die Sachsenklinik. Ist sie ein Format, das vor allem in den dem Osten zugeordneten Bundesländern punktet? Die dieswöchige Folge am Dienstagabend erreichte in vier Bundesländern Marktanteile von mehr als 24 Prozent:
Zwei davon liegen aber im Westen - nämlich Niedersachsen (24,8%) und Rheinland-Pfalz (24,3%). In Sachsen und Sachsen-Anhalt lief es mit 24,3 und 24,2 Prozent ebenfalls prima. Bayern landete mit 19,9 Prozent im Mittelfeld. Nicht sonderlich gefragt war das Format bei den Hamburgern (nur 11,8%).
Geschichten rund um die Halbgötter in weiß sind mittlerweile aber eine öffentlich-rechtliche Bastion geworden – und auch, wenn das verwundert, ist das mit gutem Grund passiert. Noch vor 15 Jahren waren auch Privatsender mit bloß nicht kantigen Arzt-Serien in der Erfolgsspur. «Für alle Fälle Stefanie» überlebte gleich mehrere Hauptdarsteller- (und damit verbunden auch Namens-) Wechsel, «Dr. Stefan Frank» gilt bis heute als erfolgreichste deutsche Doc-Serie von RTL. Dann ebbte der Boom zu einer Zeit ab, in der die erfolgreichste deutsche Daily gerade geboren wurde: «In aller Freundschaft» rund um die Sachsenklinik.

Als das Format 1998 startete, konzentrierten sich die Macher noch auf drei Hauptfiguren – alle samt (angehende) Ärzte, so werden mittlerweile recht klassische Soap-Geschichten anhand eines zwischen 16 und 19 Personen umfassenden Casts erzählt. Mit Thomas Rühmann, der mittlerweile den Chefarzt der Chirurgie spielt, ist sogar ein Charakter der allerersten Episode noch an Bord. Auch nach inzwischen 672 Folgen zeigt sich keinerlei Abnutzung. Um die sechs Millionen Menschen schauen Woche für Woche am Dienstagabend zu, die Quoten pendeln bei zwischen 17 und 20 Prozent. Da ist es nicht verwunderlich, dass Das Erste die Serie von Saxonia Media unlängst bis 2017 verlängert hat und ihr zudem ein in dieser Woche startendes Spin-Off namens «In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte» schenkte.

«Bergdoktor»-Facts

Erste Version: 1992 bis 1998, 6 Staffeln in Sat.1
Damaliger Hauptdarsteller: Gerhart Lippert mit Zuschauerzahlen von 10 Millionen und mehr

Remake der Serie: Seit 2008 mit Hans Sigl als Hauptdarsteller.
Zuschauerzahlen im Januar 2015: 6,59 Mio., 6,07 Mio.
Produktion: ndF
Der in der ARD für den Vorabend des Ersten Programms verantworte Frank Beckmann bezeichnete die neue 18.50-Uhr-Serie schon vor einigen Wochen als wichtigsten fiktionalen Neustart im Vorabendprogramm und lobte angesichts der ersten Episoden die „große Erfahrung des Produzenten“. Vielleicht ist es wirklich ein cleverer Schachzug, zur Abendbrot-Zeit nun auf ein Umfeld zu setzen, das in der Primetime längst ein Renner ist. «In aller Freundschaft» nämlich ist Beleibe kein Einzelfall. Das etwas jünger daher gekommene ZDF-Format «Der Bergdoktor» nämlich, funktioniert von Jahr zu Jahr besser. Mit 9,1 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen wurde erst vergangene Woche ein gerade einmal sieben Tage alter Rekord eingestellt. Insgesamt schauen regelmäßig zwischen sechs und teilweise knapp sieben Millionen Menschen zu.

Für Macher gilt: Es ist ein regelrechter Balanceakt zwischen Wohlfühlatmosphäre zum Entspannen, dennoch interessanten Geschichten und Charakteren und einem Hauch Hoffnung in den Geschichten. Gerade die letzten Versuche des Privatfernsehens, Storys aus Kliniken zu erzählen, scheiterten. Da war das Sat.1-Projekt «Dr. Molly & Karl», das sich allerdings nicht an den öffentlich-rechtlichen Vorbildern, sondern an der US-Dramedy «House» orientierte, ebenso wie die Vorabendserie «Geliebte Schwestern». Auch weitere Versuche das Thema Medizin in eine Serie zu packen scheiterte, wie Formate wie «Schmidt – Chaos auf Rezept» oder der Sat.1-Flop «Auf Herz und Nieren» (Foto) bewies. Krankenhaus oder Arzt-Praxis reichen eben allein nicht aus; vor allem dann nicht, wenn sehr gewollt noch eine ordentliche Ladung Humor mit dabei sein muss. Die jungen Ärzte um Roy Peter Link sollen beweisen, dass ein Arzt-Format auch bei den Jungen ankommt und zudem auch abseits der klassischen Primetime funktionieren kann.

Sämtlicher Kritik und dem lauten Gestöhne der intellektuellen Oberklasse, die mit seichten Stoffen von Trauminseln oder Krankenzimmern wenig anfangen kann: Zu verleugnen ist der über die Jahre schon andauernde Siegeszug solcher Formate nicht. Und dass Das Erste nun gleich zwei Sendeplätze für zwei «In aller Freundschaft»-Serien bereit hält, ist letztlich nur die logische Konsequenz aus dem Einschaltverhalten des Ersten. Dass im Vorabendprogramm nun weniger gemordet, dafür aber mehr geheilt und intrigiert wird, ist vielleicht auch nicht die schlechteste Nachricht.

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