Das Ausscheiden der großen europäischen Fußballnationen sorgt für ungewohnte und frische Konstellationen bei der WM. Ist es auch dem Zuschauerinteresse zuträglich?
„Bei dieser WM kann alles passieren.“ Ein Satz, der seit dem Turnierstart der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien sehr oft Verwendung findet. Kein Wunder: Mit Spanien, England, Uruguay oder auch Italien verabschiedeten sich gleich vier ehemalige Weltmeister bereits in der Vorrunde aus dem Turnier, die sonst prinzipiell vor jedem großen Turnier als Mitfavoriten gelten. Stattdessen rückten Überraschungsteams wie Costa Rica und Algerien in die Runde der letzten 16, von denen die meisten Beobachter noch Anfang Juni angenommen hatten sie würden die Gruppenphase abgeschlagen auf dem 4. Rang abschließen. So kommt es beim Sportgroßereignis zu exotischen Konstellationen, die Fußballfans wohl kaum für möglich gehalten hätten: Costa Rica gegen Griechenland? Deutschland gegen Algerien? Frankreich gegen Nigeria? Und das im Achtelfinale?
Auch Italien, der Weltmeister von 2006, überstand die Gruppenphase nicht. Dennoch sorgte mit Italien, wie bei Spanien, eine weitere favorisierte südeuropäische Mannschaft für tolle Werte bei den Öffentlich-Rechtlichen. Zum Turnierauftakt gegen England schalteten ab Mitternacht immer noch 7,49 Millionen Menschen ein, was in den höchsten Marktanteilen der Vorrunde resultierte, die Deutschland-Spiele ausgenommen. Ein ausgeglichenes Spiel und einen knappen italienischen Sieg sahen zu Beginn des 15. Junis 56,6 Prozent des Gesamtpublikums. Der Marktanteil beim jungen Publikum belief sich auf 58,0 Prozent. Auch das zweite Spiel der Mannschaft von Trainer Cesare Prandelli war sehr gefragt: Am 20. Juni verfolgten 10,20 Millionen Fernsehende den knappen Sieg Costa Ricas über das große Italien. Die Folge war ein Gesamtmarktanteil von fantastischen 47,7 Prozent und 51,8 Prozent Sehbeteiligung bei den Jüngeren. Schließlich ging es am 24. Juni für Italien gegen Uruguay um alles – nur eine der beiden Mannschaften konnte ins Achtelfinale vorrücken. 10,39 Millionen Menschen verfolgten ab 18 Uhr, wie sich Südamerika gegen Südeuropa durchsetzte. Beim wohl letzten WM-Einsatz von gestandenen Nationalspielern wie Andrea Pirlo waren 47,3 Prozent aller Fernsehenden und 45,3 Prozent der Zuschauer zwischen 14 und 49 live dabei.
Nach der gefragten Partie gegen Italien verstand es auch England die Fernsehzuschauer anzulocken. Das Spitzenspiel gegen Uruguay erreichte am 19. Juni ab 21 Uhr 14,66 Millionen Fußball-Fans. 47,1 Prozent aller und 50,6 Prozent der jungen Zuschauer sahen den Triumph des wieder vollständig genesenen Luis Suarez gegen ein England, das lange gut mithielt, dessen Turnier-Aus nach diesem Spiel jedoch besiegelt war. Uruguay stellte ebenfalls einen Quotengaranten dar, das bewiesen die Südamerikaner in den Top-Spielen gegen Italien und England im Zuge der Gruppenphase. Suarez, Cavani und Co., das Team, das vor der WM von vielen Experten als möglicher Finalist gehandelt wurde, musste sich im Achtelfinale jedoch Kolumbien geschlagen geben und verzeichnete am 28. Juni mit 10,65 Millionen Interessierten ab 22 Uhr noch einmal eine ausgezeichnete Reichweite.

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