Die Kritiker

«Tatort: Großer Schwarzer Vogel»

von

Zum letzten Mal ermitteln Dominic Raacke und Boris Aljinovic im neuen Berliner «Tatort» gemeinsam. Dass der letzte Raacke-Fall unterhaltsames Fernsehen bietet, ist aber nicht den Ermittlern zu verdanken.

Inhalt


Hinter den Kulissen

  • Buch: Titus Selge und Jochen Greve
  • Regie: Alexander Dierbach
  • Musik:Sebastian Pille
  • Kamera: Markus Schott
  • Produktion: Ziegler Film im Auftrag des rbb
Der bekannte Berliner Radiomoderator Nico Lohmann (Florian Panzner) und seine schwangere Freundin Anne (Klara Manzel) sollten Opfer einer Briefbombe werden. Sie verfehlt die beiden, und ein kleiner Junge stirbt, weil er im falschen Moment im Treppenhaus Ball spielt. Ritter (Dominic Raacke) und Stark (Boris Aljinovic) recherchieren zuerst unter den Anrufern von „Nicos Nacht" und stoßen auf Petra Piwek (Karina Plachetka), die ihren gewalttätigen Mann auf Rat von Nico verlassen hat. Heiner Piwek (Andreas Guenther) stellt seitdem Nico nach.
Ritter und Stark finden aber auch Ungereimtheiten in Lohmanns Lebenslauf: Der ehemalige Leistungsschwimmer, den sein Vater Hans Lohmann (Hans Uwe Bauer) mit aller Härte trainierte, war vor fünf Jahren an einem schweren Autounfall beteiligt und beendete danach seine Sportlerkarriere.

Auf der Suche nach einem Motiv ermitteln die Kommissare auch bei Nicos Freundin Henriette (Julia Koschitz), von der sich Nico damals trennte. Der Leidtragende des Unfalls, Ulrich Kastner (Peter Schneider), dessen Frau und kleine Tochter ums Leben kamen, ist auch heute noch überzeugt, dass seine Frau den Unfall nicht verursachte. Damals untersuchte der Kriminalbeamte Karl Vornier (Andreas Leupold) den Fall. Er bestätigt, dass der scheinbar eindeutige Unfall nie richtig aufgeklärt wurde …

Darsteller


Dominic Raacke («Offroad») als Hauptkommissar Ritter
Boris Aljinovic («7 Zwerge») als Hauptkommissar Stark
Florian Panzner («12 heißt: Ich liebe dich») als Nico Lohmann
Klara Manzel («Berlin 36») als Anne Kröber
Hans Uwe Bauer («Der Turm») als Hans Lohmann
Julia Koschitz («München 7») als Henriette
Peter Schneider («Berlin Calling») als Ulrich Kastner
Andreas Guenther als Heiner Piwek

Kritik


Zum letzten Mal ermittelt Dominic Raacke im «Tatort – Großer Schwarzer Vogel» als Hauptkommissar Ritter an der Seite von Boris Aljinovic in der Rolle des Kommissar Stark. Auf eine besondere Abschiedsfolge hatte Raacke aber dem eigenen Bekunden nach wenig Lust. So bleibt seiner Rolle als Kommissar Ritter ein möglicher Serientod erspart, ein richtiger Ausstand: Fehlanzeige. Trotzdem ist der Auftakt des Films intensiv. Der Explosions-Tod eines kleinen Jungen erzeugt gleich zu Beginn Spannung und bricht damit zugleich ein Tabu, das Filmemacher noch immer viel zu selten auf die Mattscheiben bringen. Der Druck wird im weiteren Verlauf bewusst nicht durchweg aufrechterhalten, den Machern gelingt es aber mit einer angenehmen Mischung aus Drama, Spannung und gelegentlich auch Humor zu unterhalten. Die Grundstimmung erscheint passend. Beispielhaft ist da eine Verfolgungsjagd, die wenig spektakulär ist, der Situation aber sehr gut gerecht wird. Anders als so oft wird auf große Effekthascherei verzichtet.

Gelungen ist der Score des Films, ebenso wie die Besetzung der meisten Charaktere. Herauszuheben ist hier Julia Koschitz in der Rolle der Ex-Freundin des im Zentrum stehenden Radiomoderators, dargestellt von Florian Panzner. Der wiederum spielt seine Rolle ebenfalls recht gut, wobei das Drehbuch seine Figur zu vorhersehbar macht.

Über weite Strecken aber ist die Story gelungen und erzählt auf interessante Art und Weise von Menschen, die es nicht schaffen mit der Vergangenheit abzuschließen. Vor allem aber beschränkt sich die Handlung nicht auf das klassische Mordfall-Tätersuche-Geschehen sondern hebt sich davon – wie zuletzt immer häufiger – ab. Vom stereotypen Tatort in 123 Sekunden, wie ihn Philipp Walulis beschreibt, kann in jedem Fall nicht die Rede sein. Das ist allerdings in diesem Fall nicht nur positiv. Der eigentliche Fall gerät ein wenig in Vergessenheit, die Auflösung der Handlungsfäden gerät ein wenig konfus, manches wird vergessen. Zum Ende hin wird der Zuschauer ein Stück weit allein gelassen. Sofern dies als offenes Ende gedacht ist, so haben sich die Autoren verschätzt.

Daneben gibt es kleine Randerscheinungen, die jedoch höchstens etwas störend sind. So bekommt man beispielsweise den Eindruck die Kommissare würden rund um die Uhr arbeiten. Egal, wann man sie braucht, sie sind entweder im Büro oder im Auto zu finden.

Von den Hauptdarstellern Dominic Raacke und Boris Aljinovic hingegen darf man halten was man will. Manche mögen die Schauspielleistung der beiden als Coolness und gekonnte Ausdruckslosigkeit ansehen. Vielleicht ist das tatsächlich auch die Intention. Zweifellos lässt sich aber sagen, dass sich das Zusammenspiel der beiden mit der Zeit abgenutzt hat, dass ihre Rollen sich möglicherweise auch einfach zu ähnlich geworden sind. Exemplarisch dafür ist eine Szene, in der Kommissar Stark die Zeile „Du schwanzloser Pelznässer“ von einem Zettel abliest und sich sein Partner angesprochen fühlt. Die gewisse Komik wird der Situation durch die Interpretation der Kommissare jedoch genommen.

Und so liegt es nicht an den Kommissaren, dass der Abschied von Dominic Raacke durchaus ansehnlich ist. Einschalten lohnt sich aber ob der interessanten Charakterzeichnung, der spannenden Konstellation und der angenehmen Stimmung trotzdem, zumal die Autoren es vermeiden die große Moralkeule zu schwingen. Damit zeigt nach der Ausgabe der vergangenen Woche und der Weihnachtsausgabe mit Nora Tschirner und Christian Ulmen auch dieser Film, dass es dem «Tatort» derzeit wahrlich gut geht. Gegen die beiden vorgenannten Filme, wirkliche Glanzstücke der Reihe, muss «Großer Schwarzer Vogel» aber dennoch zurückstecken.

«Tatort: Großer Schwarzer Vogel» gibt es am Sonntag, 9. Februar um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.

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