Die Kritiker

«Tom meets Zizou - Kein Sommermärchen»

von

Der Westdeutsche Rundfunk zeigt am Dienstagabend eine Dokumentation über den Fußballprofi Thomas Broich.

Inhalt


Der Film beginnt mit dem 22-jährigen Thomas Broich, der als Zweitligaprofi in der bayerischen Provinz von sich Reden macht. Er gilt bei Wacker Burghausen als hochtalentierter Mittelfeldspieler und zählt schnell mit Spielern wie Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski und Philipp Lahm zu den „Hoffnungsträgern“ für die Nationalmannschaft.

Von den Medien wird Broich schon bald als der „andere Fußballprofi“ entdeckt und gepriesen. Denn er liebt das Leben und die Literatur. Moralische Werte sind ihm wichtig. Seine Vorliebe für klassische Musik bringt ihm gar den Spitznamen „Mozart“ ein. Broich gefällt sich in dieser Rolle. Auch auf dem Platz spielt er virtuos und wechselt in die Bundesliga zu Borussia Mönchengladbach. Der Boulevard stilisiert ihn als „Gladbachs neuen Netzer“.

Sein großes Ziel allerdings ist nun nicht mehr der FC Bayern München. Vielmehr möchte er neue Kulturen, Menschen und Länder kennen lernen. Es dauert nicht lange und er bekommt Probleme mit besonders autoritären Trainern wie dem niederländischen Meistercoach Dick Advocaat oder später Startrainer Christoph Daum beim 1. FC Köln. Mit den Mechanismen der Branche und den handelnden Charakteren kann er sich immer weniger identifizieren. Das „Anders Sein“ und die Erwartungshaltung von Zuschauern und Medien an den „Fußball-Mozart“ wenden sich nun gegen Broich. Seine Karriere gerät ins Wanken.

Selbst seinem Freund und Trainer Michael Oenning gelingt es dann beim 1. FC Nürnberg nicht mehr, den Abwärtstrend aufzuhalten. 2009 bemerkt Broich bei sich Symptome von Depressionen und denkt an ein frühes Ende seiner Karriere. Doch dann kommt ein reizvolles Angebot und er unterschreibt 2010 einen Vertrag beim australischen Erstligaclub Brisbane Roar. Mit 29 Jahren schöpft er unter anderen Rahmenbedingungen neuen Mut und spielt plötzlich auch wieder so befreit und elegant Fußball, wie zu Beginn seiner Laufbahn. Schon in seiner ersten Saison wird er mit Brisbane australischer Meister. 2012 kann der Club den Titel verteidigen und Thomas Broich wird sogar zu Australiens Fußballer des Jahres gewählt.

Kritik


Thomas Broich ist ein außergewöhnlicher Fußballspieler. Wer auf dem Platz reihenweise Tore vorbereitet oder selbst schießt und sich danach mit Werken von Autoren beschäftigt, deren Namen einige seiner Kollegen zumindest dem Klischee nach nicht einmal fehlerfrei buchstabieren können, ist von vornherein unkonventionell und hat in dem Haifischbecken Bundesliga sicherlich mit größeren Problemen zu kämpfen als manch anderer.

Filmemacher Aljoscha Pause hat Broich acht Jahre lang begleitet – von den Anfängen in der zweiten Bundesliga über den Wechsel zu Borussia Mönchengladbach samt dem auslaugenden und in Teilen sicherlich auch perversen Medienrummel bis hin zur Emigration nach Australien. In den eineinhalb Stunden lernt man Broich sehr gut kennen, Pause schafft es durch hervorragend geführte Interviews und interessante Kommentare, die besondere Sicht Broichs auf das Leben und seine Profi-Karriere gekonnt zu vermitteln.

«Tom meets Zizou» ist, wie der Untertitel schon verrät, kein Sommermärchenabgefeiere, sondern ein hintergründiger und relevanter Bericht, der einen spannenden Blick hinter die Fassaden des Fußballbetriebs liefert, ohne zu schönen, aber auch ohne allzu sehr in einem konstruierten Sumpf herumzustochern. Pause und Broich werten nicht, sondern erklären und geben Einblicke. Das macht den Film zu einer rundum gelungenen Dokumentation.

Der WDR strahlt «Tom meets Zizou - Kein Sommermärchen» am Dienstag, den 21. August 2012, um 22.30 Uhr aus.

Kurz-URL: qmde.de/58618
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