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«Surface»

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«Surface» vermochte es im Jahr 2005 schnell eine treue Gemeinde um sich zu scharen. Während die Serie hierzulande auf ProSieben ein Quotengarant war, zeigte NBC keine Gnade und verkündete nach 15 Episoden das Ende für eines der besten Mystery-Formate des Jahrzehnts.

Ursprünglich «Fathom» getauft, sollte das Projekt der eineiigen Zwillinge Josh und Jonas Pate lediglich zu einer Miniserie ausgearbeitet werden, die den Fokus auf drei unterschiedliche Charaktere und ihre jeweilige Beziehung zu einem ihnen offenbarten Phänomen legt. Ursprünglich sollte «Surface», wie die Serie nach dem Sturz der Idee und einer darauffolgenden Bestellung von 22 Episoden schließlich genannt wurde, allerdings auch nicht auf ein Kontingent an 15 Folgen reduziert und anschließend gänzlich abgesetzt werden. Ursprünglich. Einen formvollendeten Strich durch diese beiden Rechnungen machte den Brüdern aber die National Broadcasting Company – somit die Geburts- und Todesstätte eines der ambitioniertesten und gelungensten Mystery-Formate des vergangenen Jahrzehnts.

«Surface» richtet das Blickfeld auf die Figuren Laura Daughtery, Richard Connelly, Miles Barnett und Dr. Aleksander Cirko. Letzterer ist ein serbischer, allerorts angesehener Biologe, der gleichwohl seit einiger Zeit aus dem Rampenlicht getreten ist. Der Grund: Cirko arbeitet inzwischen für die amerikanische Regierung und ist auch deren Experte für das offenbar nahende Unheil. Dessen erstes Anzeichen ist das Verschwinden eines Atom-U-Bootes, das ohne Besatzung hunderte Meilen vom letzten zuvor dokumentierten Aufenthaltsort wieder auftaucht. Die Ozeanographin Daughtery führt zurselben Zeit einen Tauchgang durch, der sie mit der ihrer Ansicht nach vollkommen neuartigen Spezies bekannt macht. Ihre Bemühungen, die Existenz derer an die Öffentlichkeit zu tragen, münden in einer Begegnung mit Cirko und teils noch weniger zuvorkommenden Regierungsbeamten, die sie um ihren Job und Ruf bringen. Einen Verbündeten findet Daughtery in Richard 'Rich' Connelly, dessen Bruder von einem der Seeungeheuer gepackt und mit in die ungewisse Dunkelheit gerissen wurde. Unabhängig von diesen Ereignissen und sich der Ausmaße der Angelegenheit keineswegs bewusst, finden Miles und sein Freund Phil ein Ei, aus dem kurz darauf ein nicht zu identifizierendes Wesen schlüpft, bei dem es sich zweifellos um ein Jungtier der Gattung handeln muss. Nach einem Biss eines zweiten Frischlings, entwickelt Miles selbst ungewöhnliche Kräfte.

Die Serie hat in dem wenigen Zeitraum, der ihr gegeben war, einen sehr speziellen und sehenswerten Kosmos geschaffen, was nicht zuletzt den fantastisch gezeichneten Charakteren und deren Darstellern zu verdanken ist. Doch allein das Grundkonzept und im Folgenden die Türen, die die Autoren nach und nach aufgestoßen haben, ziehen Interessierte augenblick in ihren Bann. Weniger als zehn Prozent der Meere auf dem Planeten Erde sind erforscht – da unten könnte alles sein. Das ist eine oftmals genutzte Tagline von «Surface», das hierzulande mit dem Beititel 'Unheimliche Tiefe' versehen wurde. Im Gegensatz zu vielen andere Mystery-Formaten, allen voran selbstverständlich «Lost», in dessen Fahrwasser «Fathom» entstand, werfen die Antworten in «Surface» nicht stets weitere Fragen auf. Von Anfang an war klar, dass die Regierung der Vereinigten Staaten in irgendeiner Weise in die erschreckenden, sich häufenden Sichtungen der Seemonster verwickelt ist. Der Status entwickelte sich von 'nicht unwissend' gar zu 'nicht unschuldig'. Besonders erinnerungswürdig ist hierbei eine Flashback-Szene, in der eine Wissenschaftlerin, die das Team Daughtery/Connelly kontaktiert hat, ein Vorstellungsgespräch in einer staatlichen Einrichtung absolviert. Ihr Gegenüber enthüllt, dass das Klonen bereits 20 Jahre vor Dolly, dem Schaf möglich war und zeigt der jungen Frau daraufhin einen angeblich ausgestorbenen Archaeopteryx, den 'Die Firma' geschaffen hat.

Genau das macht den Reiz des Formats aus: Die Hintergründe der neuen Spezies, gepaart mit den glaubwürdigen Reaktionen der Figuren auf die aufgedeckten Informationen. Erst gemächlich, anschließend mit steigernder Triebkraft führen die Episoden die einzelnen Stränge und letztlich auch Figuren zusammen. Die schwachen Einschaltquoten und parallel hohen Produktionskosten führten Ende 2005 zur Entscheidung NBCs, die Folgenanzahl von 22 auf 15 zu stutzen. Offiziell war das Ende der Serie noch nicht besiegelt, da die damaligen Olympischen Spiele laut Sender eine „Unterbrechung“, kein „Todesurteil“ seien. Doch sowohl den Fans, als auch den kreativen Köpfen war bewusst, dass es Zeit für den Abschied wurde. Großartig inszeniert, nimmt das Finale noch einmal an Tempo zu, löst im Prinzip alle grundlegenden Fragen, schafft aber gleichzeitig einen krassen Cliffhanger, der als Gamechanger fungiert und einen völlig neuen Status Quo formt. Zwar schmerzt die Tatsache der nicht existenten Fortsetzung, aber dennoch kann die abschließende Sequenz als Anbruch einer neuen Ära betrachtet werden, mit der man sich als Fan arrangieren kann – was im Falle von abgesetzten Serien immerhin nicht oft der Fall ist.

Lesen Sie auf der nächsten Seite über die Serienschöpfer und Hauptdarsteller, ihre Engagements nach «Surface» sowie die deutschen Quoten der Serie und das gescheiterte Vorhaben von ProSieben, zwei Fernsehfilme zu kofinanzieren, die die Story zu einem Ende bringen sollte.

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